Jetzt braucht es neue Wege, die Kinder zu fördern

Leitartikel zur Zukunft der Sekundarschule in Winterthur.

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Die Anforderungsstufen sollen aus den Winterthurer Sekundarschulen verschwinden. Auf einzelne Schwächen der Jugendlichen in Französisch oder Mathematik kann deshalb bei der Zuteilung für die Oberstufe schon ab nächstem Schuljahr nicht mehr wie bisher Rücksicht genommen werden. Kein Wunder ärgern sich viele Eltern über diesen Entscheid. Er hat einen Einfluss auf die Zukunft ihrer Kinder. Und die Argumente der Zentralschulpflege befriedigen auf den ersten Blick nicht. So hiess es in der Medienmitteilung, ausschlaggebend sei gewesen, dass sich Lehrpersonen und Schulleitende für die Abschaffung der Anforderungsstufen ausgesprochen hätten. Das ist kein besonders gutes Argument, wenn es um die Frage geht, was den Kindern am meisten nützt. So kritisiert die IG Elternräte denn auch, die Zentralschulpflege habe für ihren Entscheid vor allem organisatorische Gründe geltend gemacht und nicht das Wohl der Kinder in den Vordergrund gestellt.

Tatsächlich hat die Zentralschulpflege nicht gut kommuniziert. Es begann damit, dass sie ihre Medienmitteilung erst zwei Wochen nach ihrem Grundsatzentscheid verschickte, als die entsprechenden Gerüchte bei den Eltern und Schülern längst die Runde machten. Weiter hat die Zentralschulpflege nicht alle Fakten auf den Tisch gelegt. So erwähnte sie mit keinem Wort, dass ein Weitermachen wie bisher aufgrund eines Beschlusses des Bildungsrats gar nicht mehr möglich gewesen wäre. Viele Schulen hatten das Modell mit Anforderungsstufen ihren Bedürfnissen angepasst und die Niveaufächer in den Stammklassen angeboten. Das war ausserhalb der Schule kaum jemandem bewusst. Eine Änderung wäre für viele Klassen ohnehin angestanden. Diese Tatsache wäre für das Verständnis der Situation wichtig gewesen. Denn das korrekte Umsetzung der Anforderungsstufe hätte von den Schulen einige Veränderungen verlangt. Die Vorteile der Niveaufächer, wie die erhöhte Durchlässigkeit, wären durch gewichtige Nachteile fast zunichte gemacht worden. Das lässt sich aktuell im Schulhaus Wallrüti beobachten, das als eines der wenigen Schulhäuser in Winterthur die Anforderungsstufen wie vorgeschrieben umsetzt. Dies weil der Bildungsrat dort die korrekte Umsetzung schon auf das Schuljahr 2017/18 verlangte. Bei diesem Modell haben die Kinder keine Klasse im eigentlichen Sinn mehr. Zwar sind sie noch einem Klassenlehrer zugeteilt und haben im Klassenverband Fächer wie Deutsch oder Geografie, doch Französisch und Mathe, die immerhin zehn der 34 Wochenlektionen ausmachen, hat jedes Kind wieder in einem anderen Lernverband. Das macht es für die Lehrpersonen enorm schwierig, den Überblick zu behalten und führt dazu, dass manche Kinder einer Klasse an einem Tag drei Prüfungen haben, andere aber gar keine. Auch die Aufgabenlast ist bei jedem Kind wieder anders. Klassenlehrer haben zudem das Problem, dass sie kaum je einen Halbtag haben, an dem sie die ganze Klasse beisammen haben und etwas unternehmen können. Auch die Stundenplanung wird schwierig, weil alle Kinder im ganzen Jahrgang gleichzeitig Französisch und Mathe haben müssen. Die Folge sind Lücken oder überlange Tage im Stundenplan einzelner Schülerinnen und Schüler. Es stimmt zwar, dass dies auf den ersten Blick primär organisatorische Gründe sind, aber sie haben einen entscheidenden Einfluss auf das Wohlbefinden der Kinder. Das ständige Wechseln von Zimmern, Lehrkräften und Lernkameraden bringt viel Unruhe und aufgrund der unterschiedlich verteilten Lasten innerhalb der Klasse auch Ungerechtigkeit.

Insofern ist der Entscheid der Zentralschulpflege nachvollziehbar. Doch die Bedenken der Eltern dürfen nicht einfach weggewischt werden. Es darf nicht sein, dass eher schwache Schülerinnen und Schüler mit einzelnen Stärken keine Förderung mehr erhalten. Und es muss möglich bleiben, bei guten Leistungen die Abteilung zu wechseln. Der Präsident der Schulleiterkonferenz hatte im «Landboten» versichert, die Durchlässigkeit bleibe erhalten, die Kinder würden im Klassenverband individuell gefördert. Möglich ist das durchaus, die modernen Lehrmittel sind auf eine Individualisierung innerhalb der Klasse ausgelegt. Ziel muss es also sein, eine Binnendifferenzierung auf allen Stufen anzubieten und Übertritte zwischen den Abteilungen A, B und C so unkompliziert wie möglich zu gestalten. Wenn dies gelingt, profitieren nämlich nicht nur die Schulen und Schulleitenden, sondern auch die Kinder. Sie werden weiterhin gefördert, müssen aber die organisatorischen Nachteile nicht mehr in Kauf nehmen. ()

Erstellt: 23.12.2017, 15:31 Uhr

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