Lärmschutz

Jetzt darf auch Töss auf einen Autobahndeckel hoffen

Der noch bis im April öffentlich aufgelegte Vorschlag für die Teilrevision des kantonalen Richtplans enthält erstmals eine Halbüberdeckung der Autobahn A1 im Schlosstal. In Töss herrscht Freude, aber es gibt weitere Begehrlichkeiten.

Die Halbüberdeckung der A1 im Schlosstal, so wie sie der Richtplanentwurf vorschlägt, würde etwa 400 Meter lang.

Die Halbüberdeckung der A1 im Schlosstal, so wie sie der Richtplanentwurf vorschlägt, würde etwa 400 Meter lang. Bild: Quelle: GIS, Grafik: da

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Wenn die Autobahn A1 um Winterthur dereinst auf drei beziehungsweise vier Spuren ausgebaut wird, soll das auch der lokalen Bevölkerung etwas bringen. Im kantonalen Richtplan ist seit geraumer Zeit eine Überdeckung der Autobahn in Wülflingen eingetragen. Der Eintrag ist mit dem Vermerk «mittel bis langfristig» versehen, was in den Zeithorizonten, in denen das Bundesamt für Strassen (Astra) plant, 10 bis 30 Jahren bedeutet. In einer Projektübersicht wird das Astra konkreter: Frühestens 2030 sei mit dem Baubeginn zu rechnen. Inbetriebnahme wäre dann 2035.

Ein Lobbyerfolg für Töss

Der Zeithorizont und die erheblichen Kosten geben dem Projekt einen fast hypothetischen Anstrich – wie allen grossen Infrastrukturvorhaben, wenn man sie aus der Gegenwart und vor dem Hintergrund der eigenen Lebenserwartung betrachtet. Dennoch: Der Wunsch vieler Wülflinger nach einem besseren Schutz vor dem Lärm des Transitverkehrs ist im Richtplan behördenverbindlich festgeschrieben.

Mit der nächsten Teilrevision des Richtplans kommt nun noch etwas hinzu. Der bis am 12. April öffentlich aufgelegte Vorschlag ergänzt den Ausbau der A1 um Winterthur erstmals mit dem Vorhaben für eine Halbüberdeckung der Autobahn im Nägelseegebiet im Schlosstal.

In Töss ist der Autobahnlärm wie in Wülflingen seit Jahren ein Politikum. Der Lärmschutz war bereits beim Stadtentwicklungsprojekt Töss im Jahre 2005 ein gewichtiges Thema, erinnert sich FDP-Gemeinderat Felix Helg. Sieben Jahre später lancierte die Tösslobby eine Einzelinitiative für einen besseren Lärmschutz entlang der A1. Der Stadtrat liess in der Folge eine Grundlagenstudie erarbeiten. Eine Überdachung wurde aber nicht weiterverfolgt. Denn ohne Richtplaneintrag müsste die Stadt die Kosten übernehmen. Die Teilrevision des Richtplans ändert nun die Ausgangslage. «Sollte der Kantonsrat der jetzt vorgeschlagenen Festlegung zustimmen, ist eine wichtige Hürde genommen», sagt Helg.

Der Kanton ist gefragt

Eine weitere Hürde liegt viele Jahre in der Zukunft: Die Überdachungen in Wülflingen und Töss setzen eine Kostenbeteiligung Dritter im Umfang von 50 Prozent voraus, wie das Astra erklärt. Das heisst de facto, dass dereinst der Kantonsrat für das millionenteure Lärmschutzprojekt grünes Licht geben muss.

Laut bisherigem Planungsstand würde die Lärmschutzbaute im Schlosstal rund 400 Meter lang, vom Café Lienhard an der Zürcherstrasse bis zum Friedhof Töss. Für eine halboffene Galerie hat sich das Astra aufgrund einer Kosten-Nutzen-Analyse entschieden, wie es auf Anfrage schreibt. «Die Halbüberdeckung im Nägelseeholz weist eine ähnliche Wirtschaftlichkeit auf wie die geplante Überdeckung in Wülflingen.» Helg sagt, dass eine komplette Einhausung «natürlich die beste Lösung» wäre. Auch eine Halbüberdeckung werde aber die Wohngebiete in Töss sowie einen Teil des Schlosstals vor dem Lärm der A1 schützen.

Die Unzufriedenen

In einem Brief an den «Landboten» hat auch der Quartierverein Dättnau-Steig auf den möglichen neuen Richtplaneintrag reagiert. Die Quartiere an der Zu- und Ausfahrt der A1 in Töss klagen ebenfalls über Lärm, und sie sind durch die Schnellstrasse vom Rest der Stadt abgeschnitten. Von der neuen Halbüberdeckung würden sie aber nicht profitieren.

Renata Tschudi Lang, die Präsidentin des Quartiervereins Dättnau-Steig, findet das störend. Ihre Quartiere bekämen eine verbreiterte Autobahn vor die Nase gesetzt, ohne von einem besseren Lärmschutz und einer besseren Erschliessung zu profitieren. «Wir hoffen sehr, dass die Planer sowie unsere Politiker nicht vergessen, dass Dättnau-Steig ebenfalls massiv von der A1 betroffen ist», schreibt Lang. Ein allfälliger Ausbau müsse zwingend mit Begleitmassnahmen auch für dieses Quartier verbunden werden.

Erstellt: 30.12.2018, 16:03 Uhr

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