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Jetzt verlässt auch Wärtsilä Winterthur

Der finnische Schiffsmotorenbauer Wärtsilä, der vor zwei Jahrzehnten die Sulzer Dieselsparte übernommen hatte, verlegt seinen Sitz nach Frauenfeld. Winterthur verliert knapp 135 Arbeitsplätze.

Marc Leutenegger
Wärtsilä zieht aus dem Gebäude an der Zürcherstrasse aus. Neue Adresse wird die Schlossmühlestrasse in Frauenfeld.
Wärtsilä zieht aus dem Gebäude an der Zürcherstrasse aus. Neue Adresse wird die Schlossmühlestrasse in Frauenfeld.
Heinz Diener

Es ist die dritte Negativschlagzeile in nur drei Wochen: Mit dem finnischen Schiffsmotorenbauer Wärtsilä verlässt ein Konzern mit enger Verbindung zur Winterthurer Industriegeschichte die Stadt.

Erst Ende Januar hatte Rieter die Schliessung der letzten Produktionshalle in Töss angekündigt, mit 87 Betroffenen. Letzte Woche machte Zimmer Biomet seine Pläne publik, den Hauptsitz und 140 Arbeitsplätze von Oberwinterthur nach Zug zu zügeln. Und nun also Wärtsilä: Der finnische Konzern, der im Schiffsmotoren- und Energiebereich tätig ist, verlegt seine 135 Arbeitsplätze per 1. Juli von der Zürcherstrasse in Winterthur an die Schlossmühlestrasse in Frauenfeld.

Nur noch Service-Sparte

Wärtsilä hatte im Jahr 2000 die Dieselsparte von Sulzer vollständig übernommen. Heute betreibt der Schweizer Zweig nur noch das Service-Geschäft. Das Geschäft mit Zweitakt-Dieselmotoren wurde in die Winterthur Gas & Diesel (WinGD) ausgelagert, die unterdessen ganz im Besitz der China State Shipbuilding Corporation, sprich des chinesischen Staates ist. Wärtsilä hat mit WinGD einen langjährigen Servicevertrag.

Während die maritimen Geschäftszweige von Wärtsilä in den letzten Jahren moderat wuchsen, litt das Energiegeschäft und der Gewinn war insgesamt rückläufig. Ist es der wirtschaftliche Druck, der Wärtsilä zum Standortwechsel zwingt? Und spielen steuerliche Überlegungen eine Rolle? Ole Pyndt Hansen, CEO des Schweizer Geschäfts, sagt, er könne sich zu diesen Fragen nicht äussern. Wärtsilä habe schon seit einigen Jahren nach einem neuen Standort gesucht, Frauenfeld sei attraktiv und in der Nähe, das habe den Ausschlag gegeben.

Künzle überrascht

Wärtsilä hat am Freitag die Belegschaft informiert. Auch die Stadt habe man ins Bild setzen wollen, aber niemanden erreicht. Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) erfuhr denn auch am Sonntag vom «Landboten» vom Wegzug der Firma. Er sei natürlich nicht erfreut, sagt Künzle. Glücklicherweise treffe die Stadt eine solche Nachricht heute aber nicht mehr ganz so hart, wie früher. «Winterthur zählt 73000 Beschäftigte, man muss die verlorenen Arbeitsplätze dazu ins Verhältnis setzen.»

Dass gleich drei Firmen Winterthur in wenigen Wochen den Rücken kehren, sieht der Stadtpräsident als eine Häufung von Einzelfällen. Auch dass Wärtsilä Richtung Frauenfeld abwandere, sei nicht typisch. Der einstige Intimfeind im Standortwettbewerb wurde durch andere Konkurrenten abgelöst. «Der Trend geht eher Richtung Zug.»

Der Frauenfelder Stadtpräsident Anders Stokholm (FDP)versichert, man habe sich nicht um Wärtsilä bemüht. Er freue sich aber: «Das ist für den Werkplatz Frauenfeld eine gute Nachricht.»

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