Politik

Jugendliche im Chat mit dem Stadtrat

Über die Jugendinfo-App können Teenager ab heute live mit den Stadträtinnen und Stadträten chatten, vorerst einen Monat lang.

Über die App der Jugendinfo kann direkt mit einem Stadtrat gechatet werden.

Über die App der Jugendinfo kann direkt mit einem Stadtrat gechatet werden. Bild: mke

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Einen direkteren Draht in den Superblock, die Winterthurer Machtzentrale, gab es bisher nicht, und schon gar nicht für Jugendliche. Sie können ab sofort live über die Jugendinfo-App mit dem Stadtrat chatten. Das zumindest ist die Idee des Pilotprojektes Engage Winterthur, das gestern startete. Ziel ist es, Jugendlichen einen möglichst einfachen, unverkrampften Zugang zur Politik zu verschaffen. «Sie sollen ein Selbstverständnis dafür entwickeln, dass sie gehört werden und mitbestimmen können», sagt Rafael Freuler von der Jugendinfo Winterthur. Diese hat zusammen mit den Initianten des Jugendparlaments (siehe Artikel oben) das Projekt angestossen. (mehr dazu hier).

Herunterladen, und los

Niederschwellig heisst: Man lädt die App herunter, wählt die Chat-Funktion und tippt auf das Köpfli eines Stadtrates – zum Beispiel Bauvorsteherin Christa Meier (SP) –, gibt den eigenen Chat-Namen ein und schickt die Nachricht ab. Registrieren muss man sich nicht. Auf Meiers Bildschirm am Arbeitsplatz poppt dann ein Link zum Livechat auf, sodass sie prompt antworten könnte. Zeitgleich erhalten die Mitarbeiter der Jugendinfo eine Pushmeldung. Bei Spam oder Beleidigungen greifen sie als Moderatoren in die Diskussion ein. «Das alles soll so transparent wie möglich sein», sagt Freuler. Auch in anderen Gemeinden können Jugendliche Ideen und Anliegen per App schicken, der Winterthurer Livechat aber ist einzigartig.

Rund 2500 Winterthurer Teenager haben die App bereits heruntergeladen. Man habe sich bewusst für die App als Schnittstelle entschieden, sagt die städtische Jugendbeauftragte Mireille Stauffer. So werde der Weg hin zum Stadt- und zum Gemeinderat über alle sozialen Schichten hinweg frei, nicht nur über das Jugendparlament. Richtig Schub könnte das Pilotprojekt bekommen, wenn auch die Schulen wie vorgesehen die App als «didaktisches Tool» einsetzen. «Ich antworte auch mit Emojis»

Stadträte haben bekanntlich einen vollen Terminkalender. Ob da genug Zeit zum Chatten bleibt? Oder antwortet womöglich doch die Kommunikationsfachstelle? «Das überlassen wir den Stadträten», sagt Freuler. «Wir sind schon froh, dass sie überhaupt mitmachen.»

«Ich rechne mit etwa einer Hand voll Fragen pro Tag, für die keine längeren Abklärungen nötig sind.» Jürg Altwegg, Stadtrat Grüne

Schul- und Sportvorsteher Jürg Altwegg (Grüne) hat sich vorgenommen, persönlich zu antworten, in lockerem Ton, auch mit Emojis: «Ich rechne mit etwa einer Handvoll Fragen pro Tag, für die keine längeren Abklärungen nötig sind.» Je nach Auslastung werde er sich auch eine Antwortzeit von bis zu zwei Tagen ausbedingen. Er gehe davon aus, dass sich Schul- und Sportfragen etwa die Waage halten würden, doch bei welchen Themen es wohl besonders brenne? «Wenn ich das wüsste...»

«Chance müssen sie packen»

Auch Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) will, wenn möglich, persönlich chatten: «Wenn zu viele Anfragen kommen, müssen wir schauen, wie wir das organisieren.» Künzle ist Vater von vier Kindern. Er habe einen guten Zugang zu den Jungen, die seiner Erfahrung nach keine Berührungsängste hätten. Die App sei ein einfacher Kanal, um sich an die Politik heranzutasten: «Diese Chance müssen sie packen.»

Bei den Klimastreiks gingen in den letzten Monaten Tausende Demonstrierende auf die Strasse, auch viele Schülerinnen und Schüler. Umweltschutz und allenfalls auch Jugendgewalt sind Themen, die interessieren und polarisieren könnten. Polizeivorsteherin Barbara Günthard-Maier (FDP) rechnet daher mit besonders vielen Anfragen: «Aber ich freue mich darauf!» Prompt postete «Andri» gestern Mittag einen ersten Gedankenanstoss im Chat: «Ein autofreies Wochenende in Winterthur wäre echt toll!»

Jungpolitikerin meint: Daumen hoch!

Anchatten kann man über die App auch Gemeinderätinnen und Gemeinderäte. Jede Fraktion (bis auf die CVP) stellt einen Vertreter. Für die SVP ist es Pascal Rütsche, für die EVP Michael Bänninger und für die Grünen Nina Wenger, mit 20 Jahren die jüngste Winterthurer Gemeinderätin. Auch sie findet, die App sei ein «super Schritt auf die Jugendlichen zu», damit diese den Zugang zur Politik fänden.

Finanziert wird das 36'000 Franken teure Projekt über den Smart-City-Kredit. Vorerst läuft Engage Winterthur einen Monat lang. Danach können die Stadträte selber entscheiden, ob sie mit den Jugendlichen weiterchatten wollen oder nicht.

Erstellt: 05.09.2019, 19:42 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!