Winterthur

Junge «Winfluencer» werben für Toleranz

Mit animierten Clips und «Undercover-Aktivisten» wollen Jugendinfo und der Verein Jass dem Hass in sozialen Medien entgegentreten.

Der erste Clip des Pilotprojekt Winfluence thematisiert den Umgang zwischen Männern und Frauen in unserer Gesellschaft.

Der erste Clip des Pilotprojekt Winfluence thematisiert den Umgang zwischen Männern und Frauen in unserer Gesellschaft. Bild: pd

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Der erste Videoclip der «Winfluencer» ist online. 34 Sekunden lang ist er, und heisst: «Gender». Ein violettes Comic-Nashorn hält seine Katzen-Partnerin im Schwitzkasten. «Mini Fründin gaht sicher nid mit eu in Usgang!» brüllt es ihren Kollegen ins Gesicht.

«Ohni mich gaht sie GAR-NIENET ane!» Doch ihre Begleiter sind nicht auf den Mund gefallen. «Denn chum doch eifach mit», schlagen sie vor. Und mahnen: «Du därfsch si nid schlaah!»Zu sehen ist das Filmchen auf Facebook, Instagram, Youtube und auf der Website von JASS.

Die kurze Szene wurde von 14- bis 18-jährigen Jugendlichen als Improvisationstheater selbst entwickelt, sagt die Projektleiterin Judith Bühler vom Verein Jass. Bewusst wurde sie mit Tier-Charakteren verfremdet: «Wir wollten Stereotypen möglichst vermeiden», sagt Bühler. Ist das Nashorn Balkaner, Latino oder Schweizer? Es ist egal!

Weitere fünf bis sechs Clips zu Themen wie Verschwörungstheorien, Drohungen oder Diskriminierung werden folgen. Die Kurzvideos sollen in den sozialen Medien gestreut werden und Mut machen, Farbe gegen Intoleranz zu bekennen. Die zweite Säule des Projekts «Winfluence» sind junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren, die auf Facebook, Instagram und Co als Botschafter unterwegs sind. Die Freiwilligen erhalten Schulungen zum Thema Social Media und Hate-Speech und wenden mindestens zwei Stunden pro Woche dafür auf, Gespräche zu führen oder Eskalationen zu schlichten.

Mit frustrierten Pöblern reden

Dabei treten sie nicht unter eigenem Namen auf, sondern mit extra angelegten Profilen. «Das dient ihrem Schutz, im Netz kann es heftig zugehen», sagt Judith Bühler. Der Hass in den sozialen Medien sei laut und aggressiv – doch es brauche Gegenstimmen. «Befragungen zeigen, dass die meisten Leute gerne etwas sagen würden, aber sich nicht trauen.»

Die Winfluencer sollen diesen Leuten Mut machen und diejenigen abholen, die bedenkliches Verhalten zeigen, aber keine Trolle oder Glaubenskrieger sind, sondern nur wütend oder frustriert.

Ob das funktioniert soll sich bis im Sommer zeigen. Wissenschafter der ZHAW werten das Projekt aus, zusammen mit drei anderen Projekten, die allesamt Teil sind des Nationalen Aktionsplans zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus.

(Der Landbote)

Erstellt: 23.05.2018, 16:59 Uhr

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