Winterthur

Kehrtwende bei den Krippensubventionen

Krippen werden für den Mittelstand attraktiver. Ab 2020 gibt es für Familien mit einem steuerbaren Einkommen bis 100000 Franken wieder Subventionen. Dies hat das Parlament am Montag beschlossen.

Kinderkrippen sollen für Mittelstandsfamilien erschwinglicher werden, das hat der Gemeinderat Winterthur entschieden.

Kinderkrippen sollen für Mittelstandsfamilien erschwinglicher werden, das hat der Gemeinderat Winterthur entschieden. Bild: Michael Trost

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Als die Stadt 2015 eine neue Kita-Verordnung einführte, wollte sie primär sparen. Die Grenze für den Anspruch auf Subventionen wurde von 85000 auf 75000 Franken gesenkt. Doch die Folge war, dass sich manche Mittelstandsfamilien mit einem Einkommen über 75000 Franken die Betreuung nicht mehr leisten konnten. Die soziale Durchmischung in den Krippen verschlechterte sich und der Kostendeckungsgrad sank, weil mehr einkommensschwache Familien ihre Kinder betreuen liessen.

Mittels einer Motion wollten Vertreterinnen und Vertreter von SP bis FDP das Senken der Subventionsgrenze wieder rückgängig machen. Am Montag wurde der Vorschlag des Stadtrats im Gemeinderat diskutiert. Dieser sah vor, die Einkommensgrenze für Subventionen wieder zu erhöhen, und zwar auf 100000 Franken. Ein Rechenbeispiel zeigt, dass Eltern mit einem steuerbaren Einkommen von 90000 Franken je nach Krippe neu pro Betreuungstag Subventionen zwischen 10.60 und 11.50 Franken erhalten. Den Restbetrag von 89 bis 108 Franken tragen sie selber.

«Eine Prognose zu den Auswirkungen wäre nur
Kaffeesatzlesen.»
Jürg Altwegg, Stadtrat Grüne

Der Vorschlag fand breite Zustimmung. Mit dieser Erhöhung sei viel erreicht für Familien, fand Katharina Gander (AL) . Und Samuel Kocher (GLP) hielt fest, eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei keine Maximalforderung, sondern eine Mindestforderung. «Sonst fehlen die Frauen im Arbeitsalltag.»

Zu reden gab jedoch, dass keine genauen Zahlen zu den Kostenfolgen bekannt sind. Budgetiert seien 2,5 Millionen Franken, sagte Stadtrat Jürg Altwegg (Grüne). Dies sei aber nur eine Schätzung, eine detaillierte Hochrechnung oder Studien fehlten. «Da kam das Departement Schule und Sport seinen Verpflichtungen nicht nach», kritisierte Gabriella Gisler (SVP). Altwegg verteidigte sich: «Vergleiche sind aufgrund der unterschiedlichen Systeme in den Städten schwierig und eine Prognose zu den Auswirkungen wäre Kaffeesatzlesen.» Lilian Banholzer (EVP) sagte, die Mehrkosten seien nur ein Aspekt: «Durch höhere Steuereinnahmen erhält die Stadt wieder etwas zurück.»

Zahlen für Dienstleistung

Nicht einig waren sich die Parteien bei der Frage, ob eine Erhöhung der Einkommensobergrenze auf 90000 Franken nicht ausreichen würde. Die SVP brachte diesen Antrag ein. «Eltern beziehen eine Dienstleistung, diese soll auch bezahlt werden», sagte Gisler.

Zudem entspreche der Betrag ungefähr der früheren Lösung. FDP und CVP trugen das Anliegen mit, Zeno Dähler (EDU) lehnte eine Änderung generell ab. In der Schlussabstimmung setzte sich jedoch die Variante mit einer Obergrenze von 100000 Franken durch.

Die Erhöhung der Subventionsgrenze ist nicht die einzige Änderung in der Kita-Verordnung. Um die Qualität zu verbessern, sollen Krippen, die mit der Stadt eine Leistungsvereinbarung abgeschlossen haben, Lehrstellen anbieten. Zudem dürfen sie nicht mehr beliebig viele Praktikantinnen und Praktikanten einstellen, sondern höchstens noch einen Praktikumsplatz je Erstjahr-Stelle vergeben.

So soll verhindert werden, dass junge Leute in Praktika ohne Aussicht auf eine Lehrstelle nur ausgenutzt werden. Gabi Stritt (SP) sagte, am liebsten wäre es ihr gewesen, wenn man gar keine Praktikumsplätze mehr erlaubt hätte. «Aber das ist im Moment für die Krippen nicht umsetzbar.»

Erstellt: 25.06.2019, 17:56 Uhr

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