Tössemer Dorfet

Kein fixer Programmpunkt mehr?

Bekannte treffen, die sie ewig nicht mehr gesehen haben - davon schwärmen die Gäste an der Tössemer Dorfet. Doch es kommen immer weniger Leute. Ein Rundgang bei Tag und Nacht.

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Eine Flamme aus Stoff lodert vor dem Zelt der Feuerwehr Rieter. Drinnen wird der Durst gelöscht, mit Bier, das aus einem Hydranten fliesst. Am Freitag um Mitternacht sind aber nur noch wenige der mit Plastikblumen gesäumten Festbänke besetzt. Die Coverband kann wohl den Wunsch von jedem einzelnen Besucher erfüllen. «Heute ist es brutal ruhig, doch wir sind zufrieden», sagt Marco Ramseier, der Kommandant. Das Zelt der Feuerwehr steht praktisch auf dem Perron 1 des Bahnhofs Töss.

«Es ist schade das die Dorfet nicht mehr so goutiert wird. Heute hat es wirklich extrem wenige Leute»

Die Stände von 23 andern Vereinen reichen sich bis zur Zürcherstrasse. Etwas weiter vorne blinkt das Neonlicht eines Süssigkeitenladens. Der Verkäufer bereitet in einem Topf gebrannte Mandeln zu.Diego Resenterra trägt den weissen Pullover seines Vereins, der «Associazione Bellunesi Nel Mondo». Sein Vater ist wie viele andere um 1950 von Norditalien nach Winterthur ausgewandert, um in den hiesigen Fabriken zu arbeiten.

Die Winterthurer aus der Region Belluno haben den Verein gegründet, und sind seit langer Zeit an der Dorfet dabei. Diego Resenterra schenkt einen der vielen Grappas aus. Fein säuberlich sind sie in einer Reihe aufgestellt. Es entfacht sich eine Diskussion über den billigsten Tropfen im Angebot, den «Fior di Vite», wobei Resenterra findet, dass der Grappa für den Kaffee genug gut sei, ein etwas angetrunkener Gast aber meint: «Mit dem kann man höchstens die Schuhe putzen».

Diego Resenterra ist eines von fünf Mitgliedern des Organisationskomitees der Tössemer Dorfet. «Es ist schade das die Dorfet nicht mehr so goutiert wird. Heute hat es wirklich extrem wenige Leute», sagt er. Den Grund dafür kann er sich nicht erklären. Vielleicht gebe es einfach zu viele Feste.

Nur Leute aus Vereinen

Im Zelt des Turnvereins Töss, gleich neben der Kirche, verdeckt der Dunst einer E-Zigarette die Sicht. Der DJ ist Vereinsmitglied und spielt mit seinem Iphone einen wilden Musikmix. Eine Gruppe hängt sich in den Armen, springt auf und ab und singt «Alles geili Sieche». «Früher war die Dorfet immer am letzten Wochende der Sommerferien. Wir erzählten uns von den Ferien – es war ein fixer Programmpunkt», sagen die Studentinnen Alexandra Rinkler und Flavia Schalcher, die hinter dem Tresen stehen.

«Früher war die Dorfet immer am letzten Wochende der Sommerferien. Wir erzählten uns von den Ferien – es war ein fixer Programmpunkt»

Heute kämen nur noch die Leute aus den Vereinen, was schade sei. Eine Marketingkampagne könnte helfen, sagen sie etwas ironisch. Dominik Mehr, Turner aus Veltheim, pflichtet bei: «Heute habe ich im Chat des Turnvereins gefragt, ob jemand an die Dorfet kommt. Fast niemand wusste, dass so spät im Jahr noch die Tössemer Dorfet stattfindet.»

Am Samstagmittag scheint die Sonne über Töss. Velos mit Anhänger stehen beim Bahnhof. Eltern mit Kindern tummeln über das Gelände. Büchsenschiessen, Päckli-Fischen und die Dampfeisenbahn ziehen sie in den Bann. Der Verkäufer des Süssigkeitenladens hängt Soft-Ice- Schilder auf – mit Erfolg.

Ein Junge will seine Familie zum Stand drängen. Mittglieder des Bellunesi-Vereins schneiden Polenta auf einer Holzplatte auf. Salsicccias brutzeln auf dem Grill.

Bier ist beim Stand des Turnvereins Kaffee und Kuchen gewichen. Die Stoffflamme vor dem Zelt der Feuerwehr Rieter ist noch stromlos und liegt zusammengekrungelt am Boden. Im Verlaufe des Tages wird sie sicher wieder flackern.

(Der Landbote)

Erstellt: 24.09.2017, 17:05 Uhr

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