Hotellerie

Kein Hotelpersonal, dafür mit Aussicht auf die Autobahn

Eine Logistikfirma will an der Autobahneinfahrt ein Motel mit 24 Doppelzimmern bauen. Es wäre das erste Hotel der Stadt, das in der Industriezone liegt.

Wo heute zwischen Lidl und TopCC ein Parkfeld steht, könnten in knapp zwei Jahren schon die ersten Hotelgäste am Automaten einchecken.

Wo heute zwischen Lidl und TopCC ein Parkfeld steht, könnten in knapp zwei Jahren schon die ersten Hotelgäste am Automaten einchecken. Bild: Marc Dahinden

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Die Réception ist ein Vorraum mit einem Check-in-Automaten wie am Flughafen. Kreditkarte, ID oder Reservationsbestätigung einlesen, Zimmer-Code beziehen, und man kann aufs Zimmer im Self-Check-in-Motel, ganz ohne Servicepersonal. Nach den Hotels in Sevelen SG, Basel, Landquart GR und Gamprin-Bendern FL wird die Liechtensteiner Hotelbetreiberin B-Smart-Selection wohl bald ihr erstes Motel in Winterthur eröffnen, und dies an einem eher ungewöhnlichen Standort: in Töss, unmittelbar an der Autobahnausfahrt, auf dem Parkfeld zwischen den Stand­orten von Rieter, Top CC und Lidl.

Oben Gäste, unten Kisten

Angestossen hat das Projekt die Lausanner Firma Zebrabox, die schweizweit Lagerräume vermietet. In Töss plant diese nun einen Neubau für 6,5 Millionen Franken: In die ersten fünf Stockwerke kämen Lagerräume, in die beiden obersten ein Hotel mit rund vierzig eher günstigen Zimmern. «Unten ziehen die Kisten ein und oben die Gäste», sagt der Geschäftsführer Christian Schmutz. Für Zebrabox ist es der erste Versuch einer solchen Mischnutzung. Zielgruppe seien unter der Woche Geschäftskunden, die mit dem Auto von A nach B unterwegs sind, und am Wochenende Private. Er glaubt, dass es lokal eine Nachfrage gibt. «Die Angebote der hiesigen Hotellerie sind eher klassisch», sagt Schmutz. Das Self-Check-in-Konzept sei eine moderne Ergänzung dazu. Auch lokale Hoteliers hätten Interesse angemeldet, das Motel zu betreiben. Was auffällt, ist, dass vor allem Doppelzimmer geplant sind.

Bei anonymem Check-in eine Einladung für Fremdgeher und das horizontale Gewerbe? «Ein Stundenhotel wollen wir ganz bestimmt nicht werden», versichert Schmutz. Bei B-Smart-Selec­tion weist man auf Anfrage darauf hin, dass aufgrund der übersichtlichen Anzahl Zimmer un­gebetene Gäste schnell auffallen würden, gerade auch den House­keep­ing-Angestellten vor Ort oder dem Sicherheitspersonal. Doch man bestätigt: An den bisherigen Standorten frage die Polizei immer wieder nach. Probleme wegen Prostitution habe es bislang aber keine gegeben.

Zonenkonform oder nicht?

Die administrative Hürde ist bei der Doppelnutzung als Lagerhaus und Hotel ungleich höher, weil das rund 1300 Quadratmeter grosse Grundstück in einer Industriezone liegt. Darauf ist eine Hotelnutzung gemäss lokaler Bauordnung und dem Zürcher Planungs- und Baugesetz eigentlich nicht zulässig. Legal wären Industrie und Gewerbe, in Hotels aber wohnt man. Es gelten eigene Anforderungen, beispielsweise beim Lärmschutz. Das Baupolizeiamt muss diese Divergenz nun erst in einem Vorentscheid klären. Erst danach kann Schmutz das eigent­liche Baugesuch einreichen. Die bisherige Rechtspraxis ist gemäss Baupolizeiamt eindeutig: Hotel auf Industriezone – nicht erlaubt. «Ich bin zuversichtlich, dass es klappt», sagt Schmutz. Läuft alles nach Plan, steht der Bau schon Anfang 2019, notfalls auch ohne Motel, dafür mit mindestens 400 Lagerräumen.

Schmutz ist sich sicher, dass die Nachfrage danach weiter steigen wird, aufgrund eines städtebaulichen und eines gesellschaftlichen Trends. «Es wird immer dichter und höher gebaut. Kellerabteile sind nicht mehr selbstverständlich.» Zweitens lösen sich Zweierhaushalte immer häufiger auf, und Beziehungen unter einem Dach halten selten ein Leben lang. Da braucht es (Zwischen-)Stauraum, und den gibt es zum Kistenstapeln schon im Ein-Quadratmeter-Format. (Der Landbote)

Erstellt: 05.11.2017, 18:00 Uhr

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