Winterthur

Kein «linkes» KMU-Haus in Wülflingen

Das Gewerbehaus an der A1, das Arbeitsplätze in die Stadt hätte bringen sollen, kann nicht als Genossenschaft realisiert werden. Damit scheiterte innert schon das zweite Projekt. Die Wiese bleibt grün.

Stillstand am Taggenberg: Beim Strassenverkehrsamt (im Bild hinten links) wurden die Pünten geräumt – gebaut wird vorerst nicht.

Stillstand am Taggenberg: Beim Strassenverkehrsamt (im Bild hinten links) wurden die Pünten geräumt – gebaut wird vorerst nicht. Bild: Patrick Gutenberg

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Das Gras wächst zwischen dem Strassenverkehrsamt und der Autobahnausfahrt. Wenn es reden könnte, würde es sagen: Schön gemütlich ist es hier oben, seit man den Püntikern gekündigt hat. Ein Spaten jedenfalls kam seither nicht mehr in die Nähe. Mittlerweile ist an diesem Ort auch das zweite Projekt für ein ­genossenschaftliches KMU-Haus misslungen, wie man bei der Stadt bestätigt.

Bereits im Sommer sei das Projekt zum Verkauf ausgeschrieben worden, sagt Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) auf Anfrage. Zuvor seien Verhandlungen mit möglichen Investoren, Genossenschaftern und Mietern gescheitert.

«Im Nachhinein ist man immer schlauer.»

Ursprünglich hatte die Stadt selber ein Projekt lanciert und vor fünf Jahren mangels Interesse aufgegeben. Damals sprang der Möbelbauer Stefan Irion ein. Seine Überzeugung: Man müsse das Projekt nur fertig ausarbeiten. Wenn Gewerbetreibende dann die günstigen Konditionen sehen, würden sie zuhauf einsteigen wollen. Heute sagt er: «Im Nachhinein ist man immer schlauer.»

Man habe das Haus zu zwei Dritteln gefüllt gehabt, aber eben nicht ganz. «Es war auch unsere letzte Chance, in Winterthur zu bleiben.» Mittlerweile ist Irion mit seinem kleinen Betrieb in den Kanton Thurgau umgezogen, wo er nach eigenen Angaben 800 000 Franken in den Ausbau seiner ­Betriebsanlage investierte.

Gewerbe kritisierte teilweise das Genossenschaftsmodell

Im Gewerbe gab es von Beginn weg auch kritische Stimmen. Laut KMU-Geschäftsführer Christian Modl ziehen es viele Betriebe vor, selbst Land zu kaufen oder zu mieten, sodass sie die Parzelle bei Bedarf auch unkompliziert verkaufen oder aus dem Mietvertrag aussteigen können.

Die vertriebenen Püntiker sind «frustriert und stinksauer»

Betroffen vom Projekt sind auch die rund 40 vormaligen Püntiker, denen die Stadt per Ende 2015 kündigte. Diese seien «frustriert und stinksauer» über die unnötige Vertreibung, sagte seinerzeit der Vereinspräsident und ­frühere SD-Gemeinderat Marcel Stutz.

Der neue Zentralpräsident des Püntenpächter­vereins, Dietmar Wolf, schlägt moderatere Töne an. Zwar tue es ihm für die betroffenen Püntiker leid und das Aufräumen habe viel Arbeit gemacht, doch seien alle, die das gewollt hätten, anderswo unter­gekommen. Den Verein schmerze der Verlust des kleinen Areals kaum: «Wichtiger sind für uns die grossen Reviere wie der Sporrer.»

Sieben Genossenschafter wollen ausgezahlt werden

Derzeit scheint das Interesse am Projekt eher gering. Die Standortförderung und die Stadt selber seien seit dem Sommer gelegentlich zu Gesprächen mit Interessenten beigezogen worden, sagt Künzle. Darunter seien einige spannende Firmen gewesen, doch sei es nicht zu einem Vertragsabschluss gekommen. Irion gibt sich erneut optimistisch. Man sei «auf gutem Weg» mit dem Verkauf.

So werde es gelingen, am Ende die sieben Genossenschafter auszuzahlen, die bereits Geld in das Projekt eingeschossen haben. Der gesuchte Investor werde ein anderes Modell verfolgen als er selber, glaubt Irion. Weil In­vestoren hohe Renditen erwarteten, würden die Räume teurer, als sie es im genossenschaftlichen Modell gewesen wären.

Die Stadt trat der Genossenschaft das benötigte Land seinerzeit im Baurecht ab. Bis spätestens April 2019 müsste ein Bau­gesuch eingereicht werden, ansonsten verfällt das Baurecht und geht an die Stadt zurück. Trotz des wiederholten Scheiterns hält der Stadtrat am Projekt fest, wie Künzle sagt.

«Das Grundstück liegt an einer für den Autoverkehr günstigen Lage und das geplante Gewerbehaus schafft neue Arbeitsflächen für Produktions- und Handwerksbetriebe sowie Büros.» Die Schaffung eines ­Gewerbehauses, ob genossenschaftlich oder nicht, entspreche der Zielsetzung, in Winterthur neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Vorderhand aber heisst es in Wülflingen weiterhin: Es grünt so grün ... Ewig bleibe das nicht so, verspricht der Stadt­präsident. Sollte das Baurecht nächstes Jahr an die Stadt zurückfallen, werde sich der Stadtrat etwas Neues für das gut erschlossene Grundstück überlegen.

(Der Landbote)

Erstellt: 15.03.2018, 18:26 Uhr

Der geplante Standort (rot).

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