Bezirksgericht

Keine Gnade für kooperativen Drogendealer

Wegen Handels mit Kokain ist gestern ein Familienvater aus Nigeria verurteilt und des Landes verwiesen worden.

Das Handeln mit Kokain wurde einem gebürtigen Nigerianer zum Verhängnis.

Das Handeln mit Kokain wurde einem gebürtigen Nigerianer zum Verhängnis. Bild: jb (Symbolbild)

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«Es war ein grosser Fehler», sagte gestern der 33-jährige Angeklagte. Er war für sein Schlusswort aufgestanden und stützte sich in gebeugter Haltung auf den Tisch, an dem er zuvor den Richtern mit Hilfe einer Übersetzerin Rede und Antwort gestanden hatte. «I’m so sorry, ich bin wirklich nicht stolz auf meine Tat.»

Der Reumütige nutzte auch die Gelegenheit, sich zu erklären; dass das Motiv für seine Straftat rein wirtschaftlicher Natur gewesen sei, um Schulden zu begleichen, und vorallem zum Wohl seiner beiden kleinen Söhne. Er habe am Zukunftstag letzten Jahres beobachtet, wie Kinder ihre Eltern zur Arbeit begleiteten.



«Es war ein Fehler. Hätte mir die Schweiz doch nur erlaubt, zu arbeiten.»

Angeklagter 

«Das hat mich sehr beschäftigt, meine Kinder werden mich nie begleiten können, wenn ich keine Arbeit habe». Keine Ferienreise, keine anderen Annehmlichkeiten könne er ihnen bieten. Es sei offensichtlich, doppelte sein Pflichtverteidiger nach, dass sein Mandant, ein ausgebildeter Software-Ingenieur, als Folge der abgelehnten Aufenthaltsbewilligung durch die Schweizer Migrationsbehörde und des damit verbundenen Arbeitsverbotes straffällig geworden sei.

Ohne Zweifel sei die Straftat zu verurteilen, so der Anwalt. Doch seine Frau und die Kinder lebten hier, und ein Landesverweis, wie ihn die Staatsanwaltschaft zusätzlich fordere, sei abzulehnen. Er plädierte für eine Härtefall-Prüfung, damit der Mann hier in der Schweiz bei seiner Familie bleiben und seine Zukunft aufbauen könne.

Drogen im Kinderschuh

Was war geschehen: Der Angeklagte war beim Verkauf von drei Gramm Kokain am Bahnhof Oberwinterthur im Rahmen einer verdeckten Ermittlung aufgeflogen, in der Wohnung seiner Frau fand die Polizei weitere Mengen, einen Teil davon im Schuh eines seiner Kinder, insgesamt rund 25 Gramm reines Kokain.

«Ein Drogenhandel dieser Grösse ­verpflichtet uns, Sie des Landes zu verweisen.»Andreas Oehler, 
Präsident des Bezirksgerichts

Zudem verfügte er nicht über gültige Aufenthaltspapiere. Eine Aufenthaltsbewilligung für die Schweiz war ihm bereits früher verwehrt worden, da seine Frau von Sozialhilfe lebt. Und jene für Italien, wo er offiziell seit sieben Jahren gemeldet ist, lief im August letzten Jahres ab. Letztere hätte ihm erlaubt, sich im Schengen-Raum, also auch in der Schweiz, dem Wohnort seiner Frau, frei zu bewegen.

Für seine Straftat, aufgrund der hohen Menge Kokain kein leichtes Verschulden, wurde der Nigerianer gestern schliesslich zu 13 Monaten Freiheitsentzug mit einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt. Die abgesessene Haft seit seinem Auffliegen im Dezember 2018 wird ihm angerechnet. Das Gericht ging nicht auf die Forderung des Anwalts ein, ihn vom Landesverweis zu verschonen, und begründete dies mit der Schwere der Tat.

Noch gestern wurde die Haftentlassung und die Zuweisung ans Migrationsamt angeordnet. Immerhin erwirkte der Verteidiger beim Gericht, auf eine Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS) zu verzichten. Dies erleichtert die Erneuerung der Aufenthaltspapiere in Italien, wo der Verurteilte nun nach eigenen Angaben seine Zukunft mitsamt Frau und Kindern plant. Diese verfügen über die italienische Staatsbürgerschaft, zudem lebt sein Stiefbruder in Verona.

Dass das Bezirksgericht ihm die Zukunft nicht zusätzlich erschweren will, begründete es mit dessen untadeligem Verhalten während der Haft, weil er bisher nicht vorbestraft war, und weil er den Vorwurf, illegal eingereist zu sein, mit seinem nachweislichen Bemühen um gültige Dokumente entkräften konnte. (Der Landbote)

Erstellt: 13.03.2019, 16:54 Uhr

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