Veloverleih

Keine Stapo-Einsätze nach O-Bike-Konkurs

O-Bike hat ­offenbar kein Geld mehr. Weil in der Stadt nur noch wenige ­silbrig-gelbe Velos stehen, muss die Stadtpolizei keine grosse Sammelaktion planen.

In Winterthur wurden O-Bikes in den letzten Wochen von einer privaten Umzugsfirma im Auftrag von O-Bike eingesammelt

In Winterthur wurden O-Bikes in den letzten Wochen von einer privaten Umzugsfirma im Auftrag von O-Bike eingesammelt Bild: Anna Berger

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Seit rund einem Jahr sorgen die Leihvelos der Firma O-Bike mit Sitz in Singapur auch in der Schweiz für Schlagzeilen. Nun vermelden Singapurer Medien, dass O-Bike Konkurs angemeldet habe. Aufgrund neuer Abstell­regeln in dem südostasiatischen Land, so wird berichtet, habe man den Betrieb einstellen müssen.In mehreren europäischen Städten beklagen die Verantwortlichen, dass nun womöglich die Behörden die verbliebenen Velos einziehen müssten, mit entsprechenden Kostenfolgen. So wird zum Beispiel für Berlin und für Wien von tausenden «gestran­deten» Velos berichtet. Für Winterthur gibt man bei der Stadtpolizei jedoch Entwarnung. Man könne keineswegs von einem Velochaos reden, sagt ­Mediensprecher Michael Wirz. Die hiesigen O-Bikes wurden in den letzten Wochen von einer privaten Umzugsfirma im Auftrag von O-Bike eingesammelt, um sie teils mit neuen Logos weiterzuverwenden und teils zu verschrotten; stehen geblieben seien nicht sehr viele Velos. Zwar sind auf der O-Bike-App auf Stadt­gebiet noch einige Dutzend Velos zu orten, jedoch funktioniert das Ortungssystem offenbar schon seit Längerem nicht mehr richtig.

Bei der Brühlgut-Stiftung ­lagert nur ein O-Bike

Mit grösseren Kosten für das Einsammeln rechnet man bei der Stadtpolizei jedenfalls nicht. Bei der Brühlgut-Stiftung, welche die von der Polizei eingezogenen falsch parkierten Velos einstellt, lagert aktuell nur ein einziges ­O-Bike. Vor drei Wochen waren es noch rund ein Dutzend gewesen, offenbar habe die Umzugsfirma noch einmal einige Velos abgeholt. Bei der Firma namens ­Umzug 24 war vorerst nicht zu ­erfahren, ob sie ihre Einsammelaktion trotz des Konkurses in Singapur fortsetzt. Zuletzt hatte man die Bevölkerung gebeten, herumstehende O-Bikes direkt der Firma anzuzeigen.

Die bei der Brühlgut-Stiftung gelagerten Privatvelos werden in den meisten Fällen von ihren ­Besitzern abgeholt. Unterbleibt dies, werden die Velos zum Beispiel im Rahmen eines Sozial­projekts nach Afrika geschickt, was bei den O-Bikes laut Polizeisprecher Wirz aufgrund minderer Qualität nicht möglich ist.

Kunden bangen um die hohe Kaution

Weltweit bangen die Kunden von O-Bike nun um ihre Kaution; das Unternehmen verlangte eine ­Sicherheit, bevor man Velos ausleihen durfte. In der Schweiz betrug diese Kaution stolze 129 Franken. Offenbar sieht sich die Firma nicht in der Lage, diese ­Beträge zu erstatten, nicht einmal in Singapur. Nach Angaben einer Verbraucherschutzorganisation hat O-Bike die Kautionen jeweils zur Finanzierung des laufenden Betriebs verwendet. Für die Firma sind dem Vernehmen nach vorläufige Insolvenzver­walter eingesetzt worden.

Die Ausleihe von O-Bikes erfolgte über eine App. Mit dieser konnten die in einer Stadt befindlichen Velos geortet und entsperrt werden; nach dem Ab­stellen der Velos war je nach Ausleihdauer eine Gebühr zu bezahlen. Für den Geschäftsführer von Pro Velo Winterthur, Kurt Egli, kommt die Entwicklung nicht überraschend, wie er kürzlich gegenüber dem «Tages-Anzeiger» bilanzierte. Den Grund für den Misserfolg sieht er in der Qualität: «Die Velos sind nicht stabil genug, haben nur einen Gang und die Sättel können nicht justiert werden.» Für die Schweizer Topografie seien sie nicht geeignet. Dazu kämen die negativen Schlagzeilen zur Datensammlung durch das Unternehmen. Er habe nichts gegen derartige Velo­flotten, so Egli, doch sei O-Bike die falsche Firma für den lokalen Markt gewesen. (gu)

Erstellt: 09.07.2018, 17:39 Uhr

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