Winterthur

Kesb-Entscheid zu Stefanini

Der greise Immobilienkönig Bruno Stefanini erhält eine Vertretungsbeistandschaft. Für die zahlreichen Terresta-Mieter dürfte der Entscheid keine Folgen haben.

Wer entscheidet für den greisen Immobilienbesitzer Bruno Stefanini? Die Kesb hat einen externen Beistand ernannt.

Wer entscheidet für den greisen Immobilienbesitzer Bruno Stefanini? Die Kesb hat einen externen Beistand ernannt. Bild: Stefan Schaufelberger

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Im Februar 2014 reichten Bettina und Vital Stefanini eine Gefährdungsmeldung bei der Schutzbehörde Kesb ein. Die beiden Kinder des Kunstsammlers und Immobilienbesitzers Bruno Stefanini wollten damit erreichen, dass die Handlungsfähigkeit ihres 91 Jahre alten Vaters überprüft wird.

Dessen Zustand verschlechterte sich 2014 rapide. Die Geschäfte übernahm seine langjährige Vertraute Dora Bösiger mittels einer Generalvollmacht.

Die Kesb hat ihre Nachforschungen nun abgeschlossen und am vergangenen Donnerstag ihren Entscheid mitgeteilt. Dies erfuhr der «Landbote» von mehreren gut unterrichteten Quellen. In erster Linie stützt die Behörde den Status quo. Die Generalvollmacht, welche aus dem Jahr 2007 datiert, habe weiterhin Gültigkeit. Dora Bösiger ist also nach wie vor für die Präsidialgeschäfte in mehreren Aktiengesellschaften von Stefanini verantwortlich, dar­un­ter auch für die Immofirma Terresta AG, die rund 1500 Wohnungen in Winterthur vermietet.

Gleichzeitig ernannte die Kesb jedoch zusätzlich einen unabhängigen externen Beistand. Auch diese Person kann künftig anstelle von Bruno Stefanini Entscheidungen fällen.

Schutz oder Überwachung?

Konkret handelt es sich um eine Vertretungsbeistandschaft. Eine solche gilt als relativ milde behördliche Massnahme, da sie nur für bestimmte Rechtsangelegenheiten gilt. Der Beistand im Fall Stefanini soll offenbar vor allem bei aktienrechtlichen Änderungen tätig werden, in einem Bereich, bei dem die normale Generalvollmacht nicht ausreicht. Für die Arbeit in Stefaninis Firmen bedeutet dies: Das Alltagsgeschäft wird durch die Kesb-Massnahme wohl nicht tangiert, auch für die Terresta-Mieter dürfte der Entscheid in seiner jetzigen Form keine Konsequenzen haben. Grosse organisatorische Änderungen sind künftig aber nicht mehr ohne Zustimmung des Beistands möglich.

Ob man in der Massnahme einen stärkeren rechtlichen Schutz oder eine Überwachungsmassnahme zulasten der Terresta-Führung sieht, hängt vom jeweiligen Fokus ab. Klar ist, dass der Kesb-Entscheid im Spannungsfeld eines umfassenderen Streits um das Stefanini-Imperium getroffen wurde.

Auf der einen Seite stehen Stefaninis Kinder Bettina und Vital. Auf der anderen Dora Bösiger und Terresta-Geschäftsführer Markus Brunner. Die Geschwister Stefanini kämpfen seit nunmehr über einem Jahr um die Macht in der bedeutenden Kunstsammlung ihres Vaters. Im Stiftungsrat der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte sitzen derzeit unter anderem auch Dora Bösiger und Markus Brunner. In einem medienwirksamen Coup putschten sich Stefaninis Kinder im letzten Januar im Alleingang in den Stiftungsrat. Daraufhin intervenierte die Eidgenössische Stiftungsaufsicht, sie machte den Coup rückgängig und setzte schliesslich einen externen Sachwalter ein, der seither die Stiftungsgeschäfte führt.

Gericht entscheidet bald

Die Abklärungen der Kesb erscheinen in diesem Licht als Nebenaspekt des Machtstreits. Die zentrale Frage lautet: Wer wird künftig die Kunststiftung anführen? Dies versucht derzeit das Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen zu beantworten. Ein Entscheid wird in den nächsten Monaten erwartet. Zentral ist die Frage auch im Hinblick auf ein Ableben des Stifters Stefanini. Denn laut Testament soll nach seinem Tod auch die Terresta AG in die Kunststiftung integriert werden. (Landbote)

Erstellt: 02.11.2015, 19:49 Uhr

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