Neftenbach

Kinder brauchen ihre eigene Welt

Die Grenzen sind vielfach überschritten worden. Der Zürcher Schulsilvester wurde von Erwachsenen immer mehr gefürchtet. Leo Gehrig, Psychologe aus Neftenbach, erzählt im Interview, weshalb Traditionen für Kinder wichtig sind.

Leo Gehrig (69), Jugendpsychologeund Buchautor, lebt in Neftenbach. Er hat drei Kinder und sieben Enkel.Über 20 Jahre lang war er leitender klinischer Psychologe am Psychiatriezentrum Hard in Embrach und bis vor kurzem Schulpsychologe an der Kantonsschule Rychenberg.

Leo Gehrig (69), Jugendpsychologeund Buchautor, lebt in Neftenbach. Er hat drei Kinder und sieben Enkel.Über 20 Jahre lang war er leitender klinischer Psychologe am Psychiatriezentrum Hard in Embrach und bis vor kurzem Schulpsychologe an der Kantonsschule Rychenberg.

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Welchen Sinn können Sie demSchulsilvester abgewinnen?
Leo Gehrig: Der Schulsilvester gehört für mich zur Pflege von Bräuchen und Traditionen. Um es mit Goethe zu sagen: Es braucht die sauren Wochen und die frohen Feste. Bräuche können helfen, dem Leben einen guten Rhythmus zwischen Arbeit und Musse, Lust und Frust zu geben. Nicht nur Kinder haben Wiederholungen deshalb unheimlich gern. Insofern hat er schon einen Sinn.

Alles mit Rasierschaum verschmieren und Toilettenpapier umwickeln, ist das ein wertvoller Brauch?
(lacht) Wo ich aufgewachsen bin, in Wolfertswil bei Flawil, kannten wir das nicht. Wir sind als Kinder um fünf Uhr morgens mit Pfannendeckeln durchs Dorf gezogen, haben gelärmt und sind je nach Reaktion der Leute weggerannt. Unser Ziel war es aber, Süssigkeiten zu bekommen, die wir nachher gemeinsam verspeisten. Der Reiz am Schulsilvester ist aber überall der gleiche: Es ist geheimnisvoll, allein im Dunkeln aufzustehen und ohne die Erwachsenen etwas zu unternehmen. Kinder brauchen ihre eigene Welt.

Lust für die einen und Frust für andere: Viele Schulen pflegen den Altjahresbrauch nicht mehr.
Wenn es den Schulsilvester nicht mehr gibt, ist das keine Tragödie. In der Schule werden heute sehr viel andere gute Dinge geboten. Stichwort Theater oder zum Beispiel der Dreikönigsbesuch. Von meinen Grosskindern, die hier in Neftenbach zur Schule gehen, höre ich sehr viel Gutes. Den Schulsilvester haben sie übrigens mir gegenüber nicht erwähnt.

(Landbote)

Erstellt: 19.12.2015, 09:15 Uhr

Infobox

Zürcher Tradition

Der Schulsilvester ist ein Brauch zum Abschluss des Jahres, der von den Schulkindern im Kanton Zu?rich gefeiert wird. In einer Publikation der Neftenbacher
Schule hat Schulleiterin Charlotte Bachmann einige
Infos dazu zusammengetragen. Urspru?nglich fand der Schulsilvester am 31. Dezember statt, heute am letzten Schultag vor den Ferien. Einst schwärmten die Kinder fru?hmorgens durch die Strassen und wer als Letzter
aus dem Bett kam, wurde als Silvester bezeichnet und ausgelacht. Mit Nachthemd und Schlafmu?tze bekleidet, wurde
der Silvester auf einem Handwagen, begleitet von Lärm,
durch die Strassen gezogen. Später zogen die Kinder nur
noch lärmend durch die Strassen, um das alte Jahr zu vertreiben. Neben dem Radau gehören auch harmloses Streiche zum Schulsilvester. Da diese teils ausarteten, wurde der Brauch vielerorts verboten.

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