Winterthur

«Die Kirche ist ein Schutzraum»

Die Kirche Rosenberg wird zur Asylunterkunft. Wieso sich die Kirchgemeinde dazu entschieden hat und was sich verändert, verrät Pfarrer Arnold Steiner im Interview.

«Pausenraum» für die Flüchtlinge: Der Veltheimer Pfarrer Arnold Steiner sieht die Kirche als einen expliziten Schutzraum für verletzliche Menschen.

«Pausenraum» für die Flüchtlinge: Der Veltheimer Pfarrer Arnold Steiner sieht die Kirche als einen expliziten Schutzraum für verletzliche Menschen. Bild: Donato Caspari

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Herr Steiner, Sie leben im Pfarrhaus neben der Kirche Rosenberg. Wie wird sich Ihr Leben nach dem Einzug der Flüchtlinge verändern?
Arnold Steiner: Klar ist, dass es rund um die Kirche eine andere Atmosphäre geben wird. Ich sehe meine Aufgabe nun aber nicht darin, persönlichen Kontakt zu den Leuten auf dem Areal herzustellen. Hingegen überlege ich mir als Mitglied der kirchlichen Arbeitsgruppe, wie Begegnungen zwischen Flüchtlingen und Anwohnern geschaffen werden können.

Sie sagen, Flüchtlingen Schutz zu bieten sei eine ureigene Aufgabe der Kirche. Wie meinen Sie das konkret?
Die Reformierten verstehen ihren Kirchenraum nicht als abgehobenen Ort fürs Sakrale. Die Kirche ist ein expliziter Schutzraum für verletzliche Menschen, ein Zwischenraum für die Regeneration von Erschöpften. Ich bezeichne dieses Projekt auch als «Pausenraum» für die Flüchtlinge.

Sie senden ein starkes Zeichen der Solidarität aus. Ist dieses Zeichen auch politisch gemeint?
Ja, ich hoffe, dass dieses Zeichen eine starke Wirkung auf die Gesellschaft hat. Wir wollen unseren Teil zu diesem grossen momentanen Auftrag beisteuern.

Die geplante Asylunterkunft steht in einer Kirche, in einigen Tagen planen Sie hier einen Gottesdienst. Rechnen Sie eventuell mit Widerständen der grösstenteils muslimischen Flüchtlinge?
Wir sind offen für alle Menschen, die Schutz suchen, unabhängig von Herkunft oder Religion. Für durchschnittliche Muslime ist es sicher auch kein Problem, dass hier drin Gottesdienste gefeiert wurden. Die Religionen sind sich im Grundsatz viel näher, als uns dies die Extremisten glauben machen wollen.

Muss die Kirche Rosenberg vor dem Einzug der Flüchtlinge profaniert, also «entweiht» werden, wie dies die Katholiken bei einer weltlichen Nutzung vorschreiben?
Nein, das ist bei den Reformierten nicht nötig. Wir können heute einen Gottesdienst abhalten und morgen Menschen einquartieren.

Die Kirchgemeinde Veltheim ist mit Ihrem Hilfsangebot an die Stadt nun vorgeprescht. Werden Sie aus anderen Stadtteilen unterstützt?
Ich kann nur sagen, dass ich fest hoffe, dass wir mit unserem Engagement nicht lange alleine bleiben werden. Wir weibeln derzeit aktiv um Unterstützung für unser Projekt. (Der Landbote)

Erstellt: 15.12.2015, 20:55 Uhr

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