Winterthur

Klimastreik, bezahlt mit Sackgeld

Die grosse Demonstration wegen des Klimawandels findet morgen in Zürich statt, heute morgen gab es vor dem Semper-Stadthaus in Winterthur schon einen kleinen Vorgeschmack.

Das demonstrierende Klassenzimmer: Die Klasse 6a aus dem Schulhaus Geiselweid im Protesteinsatz.

Das demonstrierende Klassenzimmer: Die Klasse 6a aus dem Schulhaus Geiselweid im Protesteinsatz. Bild: bä

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«Grüezi, interessiered Si sich für de Klimawandel?» Die Demonstrierenden vor dem Stadthaus sind ausnehmend freundlich. Sie brüllen keine Parolen, sondern wollen mit den Passanten ins Gespräch kommen.

Einige Erwachsene auf dem Weg zur Arbeit bleiben stehen und diskutieren. Einer macht ein Foto mit dem Handy. «Die Erde hat Fieber», steht auf einem selbst bemalten Karton, das ein Schüler in die Höhe hält. Eine Schülerin hat gedichtet: «Um der Zukunft was zu nützen, müssen wir die Umwelt schützen.»

15 Jugendliche der Klasse 6a des Geiselweid-Schulhauses haben sich heute früh an der Stadthausstrasse versammelt. Warum demonstrieren das Grüppchen heute und nicht morgen Samstag, wenn sie frei hätten und wenn in Zürich eine grosse Demonstration stattfinden soll? Die Begründung kommt sofort: «Wenn mer nöd d' Schuel schwänzed, dänn isch es ja kein richtige Streik!»

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Bewilligung für 366 Franken

Die Demo vor dem historischen Stadthaus ist doppelt bewilligt: von der Polizei und von der Schule. Die Bewilligung der Polizei habe 366 Franken gekostet, erzählt eine Schülerin. Berappt haben diese Gebühr die Demonstranten aus ihrem Sackgeld, je 20 Franken haben sie bezahlt. Und wer steuerte den Rest bei? «Das haben einige Eltern und Lehrer dann noch draufgelegt.»

«Wenn junge Menschen sich für Ihre Zukunft einsetzen und für Politik interessieren, ist das nur positiv und wünschenswert für eine demokratische Gesellschaft.»Chantal Galladé,
Schulpräsidentin

Nicht die ganze Klasse ist am Schwänzen und Demonstrieren: Fünf Kolleginnen und Kollegen seien nicht dabei, erzählen die Schüler. «Weil die Eltern es verboten haben oder weil sie keine Lust hatten.» Die fünf sitzen jetzt im Klassenzimmer im Unterricht.

Schulseitig habe der Schulleiter die Absenzen für die Demonstration abgesegnet, erzählen die Jugendlichen. Dieses Vorgehen wird im Schulkreis Stadt Töss auch von der Schulpräsidentin Chantal Galladé (SP) unterstützt. In einem Mail an die Schulleitungen schreibt sie: «Wenn junge Menschen sich für Ihre Zukunft einsetzen und für Politik interessieren, ist das nur positiv und wünschenswert für eine demokratische Gesellschaft.»

Von ihrer Seite her erhalten Schulen darum «uneingeschränkte Unterstützung», wenn sie Schülerinnen und Schülern eine Teilnahme an Klimademonstrationen bewilligen. (Der Landbote)

Erstellt: 01.02.2019, 08:56 Uhr

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