Winterthur

«Königsklasse» – und was es dazu braucht

Das Albanifest kann beginnen: Der Experte vom TÜV hat die Chilbibahnen kontrolliert, die Polizei schickt Dialogteams in den Festtrubel, und die Lautsprecher sind montiert. Der «Landbote» hat sich umgeschaut, auch in einer Schiessbude.

Die beiden Schausteller Mike Bauer (links) und Hermann Haeseli kennen sich seit vielen Jahren und finden, das Albanifest sei «Königsklasse».

Die beiden Schausteller Mike Bauer (links) und Hermann Haeseli kennen sich seit vielen Jahren und finden, das Albanifest sei «Königsklasse». Bild: Martin Gmür

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Bernhard Mächler repariert gerade eines seiner fünf Luftgewehre, Marke Diana. Die Firma gebe es nicht mehr, auch Ersatzteile seien keine mehr zu haben, sagt Mächler, der die Schiessbude zusammen mit seiner Schwester betreibt. Früher wars das Geschäft der Mutter, nun hilft er an Wochenenden aus.

An den anderen Tagen geht er einer Arbeit im Transportgewerbe nach. Nun aber schräubelt er am Gewehr und sagt: «Die Kugel verklemmt sich irgendwie, dann klemmt der Abzug, das kann die Kunden irritieren, und dann treffen sie nicht», sagt Mächler. Das sei nicht gut fürs Geschäft, denn: «Ein Gast, der trifft, kommt wieder.»

Der TÜV Rheinland kontrolliert

Zehn Schritte weiter auf dem Kiesplatz zwischen Schulhaus und Kunstmuseum ist Michael Müller aus Kaiserlautern am Werk. Er ist Prüfer beim TÜV Rheinland und gerade dabei, sich den «Crazy Run» genau anzuschauen, eine Chilbibahn, die rasend schnell im Kreise fährt. Die Kontrolle der «fliegenden Bauten», wie das offiziell heisst, ist in der Schweiz an ausländische Kontrollorgane delegiert, es gälten die EU-Richtlinien, sagt Müller und erzählt gleich die Geschichte eines Fahrgeschäfts aus Südeuropa, das er zu prüfen hatte und das in keiner Weise den Richtlinien entsprach.

Der Besitzer sei einigermassen überrascht gewesen, als er Einwände hatte, weil in seiner Heimat nie irgendwas bemängelt wurde. In der Schweiz aber schaue man schon ganz genau hin. Nichts überlässt man dem Zufall. Den gibts nur bei der Wahl, wer kontrolliert wird: Per Los werden in Winterthur jeweils fünf Bahnen ermittelt. «Mich trafs gleich zwei Mal», sagt Hermann Haeseli, der mit zwei Bahnen am Albanifest ist. Wie immer mit dem Auto Scooter und zum ersten Mal mit dem Crazy Run, den er von der vormaligen Besitzerin erworben hat.

Die Nacht im Hotelbett ist kurz

Dass gleich seine beiden Bahnen kontrolliert werden, stört Haeseli nicht, «im Gegenteil». Freilich achte auch er selber auf alles, was, was heikel sein könnte. Er zeigt auf Splinten und Drahtseile für den schlimmsten Fall und führt den Besucher auch unter die Bahn, wo der Zutritt verboten ist. Auf 40 Holzblöcken liegt die Anlage, die 45 Tonnen wiegt und nicht in Vibration geraten darf. Rollt die Bahn, ist Hermann Haeseli stets vor Ort bis morgens um drei und dann um acht Uhr wieder. Die Nacht im Hotel ist kurz.

Doch er kennt das von Kindesbeinen an. Er sei überall zur Schule gegangen und habe auch damals auf der Chilbi stets mitgeholfen. Beheimatet ist die Schausteller-Familie im Baselbiet. «Ich führe das Geschäft in fünfter Generation», sagt der Junior-Chef.

Der Burner ist der Abräumer

Und begrüsst einen anderen Junior mit Schaustellerblut, Mike Bauer, Besitzer des Burners, des Turms mit dem freien Fall, der beim Museum steht. Bauer und Haeseli kennen sich, seit die Buben waren. Und auch Bauer blickt auf eine Geschichte zurück, die Generationen zurückreicht. Die ältesten Bilder des Circus Varieté Bauer sind solche einer fahrenden Familie aus den Jahren um 1900.

Der Burner war bei seiner Premiere am letzten Albanifest das, was sein Name verspricht: der absolute Abräumer. Überhaupt sei das Albanifest «Königsklasse», sagt Mike Bauer. Gut organisiert, gutes Geschäft, gutes Publikum. Auch der Burner wurde bei der Auslosung gezogen, auch dort wird der Mann vom TÜV noch vorbeischauen, damit alles seine Richtigkeit und Sicherheit hat.

Der letzte schwerwiegende Unfall am Albanifest passierte vor zehn Jahren just an jenem Ort, wo jetzt der Crazy Run dreht. Ein Metallteil hatte sich gelöst und eine Frau am Kopf verletzt. Das sei noch eine ganz andere Zeit gewesen, seit damals sei viel verändert worden mit Kontrollen und Protokollen, sagt Hermann Haeseli. Doch hundertprozentige Sicherheit gebe es nie.

Betonpoller gegen Terrorfahrer

Auch die Stadtpolizei hat ihr Sicherheitsdispositiv nochmals verstärkt: Neu stehen an gewissen Zugangswegen zur Altstadt schwere Betonteile, die sich auch von einem Lastwagen kaum verrücken lassen. Am Neumarkt standen am Donnerstag fünf solcher Sperren, die die Zufahrt zwar erschweren, aber nicht ganz verunmöglichen.

Welche Orte die Polizei besonders im Auge hat, will Stapo-Sprecher Michael Wirz nicht verraten. Auch zu weiteren Sicherheitsmassnahmen sagt er wenig, versichert aber: «Wir sind nun auf dem neusten Stand.» Neu sind insbesondere auch die so genannten Dialogteams. Das sind Polizeipatrouillen in Zivil mit grellgelben Westen. Sie sollen deeskalierend wirken, Ansprechpersonen für Fragen aller Art und «Stimmungsfühler der Einsatzleitung» sein.

Ganz wichtig, um in einem Notfall möglichst rasch möglichst viele Festbesucher informieren zu können, sind die über 50 Lautsprecher, die gestern in den Gassen aufgehängt und verkabelt wurden. Auch zwei Männer von Insta Control waren unterwegs und überprüften die 70 Strom-Verteilkästen, die Stadtwerk-Monteure zuvor aufgestellt hatten. Funktioniert der FI-Sicherungsschutz? Ist die Erdung auf allen Steckdosen korrekt? Stimmt der Drehsinn? Alles gut, das Fest kann beginnen! (mgm )

Erstellt: 28.06.2018, 16:29 Uhr

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