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Kontroverse um den Siedlungs-Treff

Das Hochhausquartier Steig erhält einen neuen Treffpunkt, aber nicht bei der Bushaltestelle, wie es die Stadt wollte, sondern dort, wo heute noch der marode Quartiertreff steht. Die Stadt hat sich deshalb aus der Finanzierung zurückgezogen.

Der Quartiertreff am Waldrand hinter der Hochhaussiedlung in der Steig hat ausgedient. An seiner Stelle soll schon 2020 ein Holzmodulbau stehen. Foto: Marc Dahinden

Der Quartiertreff am Waldrand hinter der Hochhaussiedlung in der Steig hat ausgedient. An seiner Stelle soll schon 2020 ein Holzmodulbau stehen. Foto: Marc Dahinden

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Der alte Quartiertreff in der Steig gibt ein trauriges Bild ab und ist damit für viele Anwohner ein Symbol dafür, wie stiefmütterlich die Stadt mit dem peripheren Quartier über Jahre umgegangen ist. Entsprechend wichtig war das Projekt, das die Stadt gemeinsam mit den Eigentümern der Hochhaussiedlung und Vertretern des Quartiers Anfang Jahr vorgestellt hatte: Der marode Quartiertreff beim Fussballplatz am Waldrand sollte abgerissen und an seiner statt am Eingang der Siedlung, bei der Bushaltestelle, ein Modulbau aus Holz erstellt werden.

Schon in diesem Jahr hätten die Arbeiten abgeschlossen und der Treffpunkt eingeweiht sein sollen. Doch es kam anders: Das Projekt überzeugte viele Anwohner nicht. Sie kritisierten die geplante Lage des neuen Pavillons. Zu nahe an der Strasse sei dieser, zu weit weg vom Fussballplatz. Und man befürchtete, direkt vor den eigenen Fenstern, zusätzlichen Lärm.

Politik des Entweder-oder

Eine Einigung gelang den Parteien nicht. Schliesslich änderten die Immobilienbesitzer auf Wunsch der Anwohner das Projekt und entschieden sich, den Holzmodulbau am Standort des alten Quartiertreffs aufzustellen.

«Unsere Fachleute haben immer gesagt, der Treffpunkt muss zentral und gut sichtbar sein, damit er funktioniert»Michael Künzle, Stadtpräsident (CVP)

Die Stadt strich in der Folge ihren geplanten jährlichen Betriebsbeitrag von 30'000 Franken. «Unsere Fachleute haben immer gesagt, der Treffpunkt muss zentral und gut sichtbar sein, damit er funktioniert», begründet Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) den Entscheid. Im Vorfeld habe man von der Quartierbevölkerung noch positive Rückmeldungen zum Projekt gehabt. An einer Informationsveranstaltung im Mai sei die Stimmung dann gekippt. Von einem Zerwürfnis will Künzle jedoch nicht reden. Die Stadt bleibe mit dem Quartier in Kontakt – durch die Quartierentwicklung, durch den Spielbus der Mobilen Jugendarbeit und andere Projekte. «Ich sehe den Prozess positiv», sagt Künzle. Auch wenn man sich am Ende nicht einig gewesen sei, habe der Prozess in der Steig viel bewegt und die Bevölkerung zusammengeschweisst.

«Entweder ihr macht es so, wie wir es wollen, oder wir sind raus.»Ljubiza Lauria, Mitglied des Quartiervereins erklärt das Vorgehen der Stadt Winterthur

Also gab es gar keine Verstimmungen? Ljubiza Lauria, Mitglied des Quartiervereins Dättnau-Steig und Anwohnerin, sagt, das Vorgehen der Stadt sei «schon nicht so gut angekommen – also dass man gesagt hat: Entweder ihr macht es so, wie wir es wollen, oder wir sind raus.» Solange die Stadt mit der Quartierentwicklung vor Ort bleibe und auch bereit sei, Projekte finanziell mitzutragen, halte sich der Frust aber in Grenzen.

Ähnlich äussert sich Hakan Özkan, Anwohner der Steig und Bewerber ums Präsidium des Vereins, der den Siedlungstreff betreiben wird. «Weil die Immobilieneigentümer eingesprungen sind, ist der Rückzug der Stadt für uns nicht so gravierend. Es ist ein Glück, dass sie auf uns gehört haben.» Insgesamt sei die Stimmung im Quartier gut, am 30. November werde ein Tannenbaum aufgestellt. «Es entwickelt sich ein richtiges Quartierleben. Und wenn der neue Treffpunkt erst steht, wird das noch viel mehr.»

Vergleichbare Ausmasse

Bis der Holzmodulbau steht, wird es noch einige Monate dauern. Marco Corletto von der Rivora Sammelstiftung will sich auf kein Datum festlegen. Die frühere Vorsorgestiftung von Rieter besitzt den einen Teil der Siedlung in der Steig, der zweite Teil gehört der Vorsorgeeinrichtung des zweiten grossen Winterthurer Industriekonzerns, Sulzer. Im Moment sei man dabei, die Planung dem neuen Standort anzupassen, sagt Corletto. Die Baueingabe möchte er wenn möglich noch dieses Jahr machen, den Modulbau dann im Verlauf des nächsten Jahres einweihen.

Der Pavillon wird ziemlich genau die Ausmasse des heutigen Quartiertreffs haben und aus einem Hauptraum, einer Küche, einem WC sowie kleineren Nebenräumen bestehen. Auch moderne Video-Systeme soll es geben.

Zu den Kosten macht Corletto nur ungefähre Angaben. «Wir investieren mehrere Hunderttausend Franken, à fonds perdu.» Es gebe ja nichts in der Steig, sagt Corletto – «kein Restaurant, keine Bar, darum wollen wir etwas machen, um die Gemeinschaft zu fördern».

Erstellt: 25.11.2019, 18:25 Uhr

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