Gesundheit

Wachsend auf Effizienz getrimmt

Das Kantonsspital Winterthur ist erneut unrentabler geworden, vor allem wegen neuer Vorgaben.

Das neue KSW-Bettenhaus wächst, und gleichzeitig der Druck, als Spital rentabel zu bleiben.

Das neue KSW-Bettenhaus wächst, und gleichzeitig der Druck, als Spital rentabel zu bleiben. Bild: Madeleine Schoder

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Die guten Nachrichten vorweg: Das Kantonsspital Winterthur (KSW) hat im letzten Jahr wieder mehr Gewinn gemacht. 16,4 Millionen Franken und damit 6,6 Millionen mehr als im enttäuschenden Vorjahr. Die zweite Kennzahl, welche die KSW-Direktion im Jahresbericht herausstreicht: 27 608. So viele Patienten wurden 2018 stationär behandelt. Mehr als je zuvor (+520) und entgegen dem allgemeinen Trend, angestossen durch die von der Gesundheitsdirektion verordnete Maxime «ambulant vor stationär». Finanziell rechnen sich grössere Eingriffe für das KSW. Als Allgemeinversorger mit Quasi-Monopol in der Region kann es jedoch kaum steuern, welche Patienten und Fälle es anzieht. Weil die Bevölkerung wächst und altert, geht man beim Kantonsspital davon aus dass die Anzahl Eingriffe weiter wächst, zum einen sehr komplizierte (Alter), aber auch eher einfache (ambulant).

Ambulant auch beim KSW nicht mehr kostendeckend

Der positive Ausreisser im stationären Bereich kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das KSW seit fünf Jahren immer weniger rentiert. Die sogenannte Ebitdar-Marge, die den Gewinn ins Verhältnis zum Umsatz setzt, ist von 13,6 auf mittlerweile 10,7 Prozent gesunken. Das ist im schweizweiten Vergleich zwar nach wie vor top, hat sich aber gefährlich schnell der 10 Prozent-Marke genähert, die Gesundheitsökonomen empfehlen, damit sich ein Spital selbstständig finanzieren kann. KSW-Finanzdirektor Hansjörg Lehmann meint jedoch: «Wir gehen davon aus, dass wir die zehn Prozent halten können.»

Doch der finanzielle Druck ist laut Lehmann zweifellos gewachsen. Per 2018 senkte der Bund im ambulanten Bereich die Tarife – mit dem Ergebnis, dass auch das KSW trotz mehr Patienten (+7 Prozent) zehn Millionen Franken weniger einnahm. Damit sind die ambulanten Fälle inzwischen auch hier ein Verlustgeschäft. Bemerkenswert sind zudem die personellen Verlagerungen durch «ambulant vor stationär»: Mehr ambulante Fälle setzen auch mehr behandelnde teure Ärzte voraus. Die Mehrausgaben versuche man vor allem durch eine «vorsichtigere Planung» beim Pflegepersonal zu kompensieren. Freie Stellen im stationären Bereich ersetzen man derzeit «nur zurückhaltend».

Zur Ausgabenseite: Auch hier verweist das KSW auf Faktoren, die es als Betrieb nicht steuern könne. Alleine die Preise für (dieselben) Medikamente aus der Kantonsapotheke, sind 2018 um zwei Millionen Franken gestiegen und tun dies in diesem Jahr erneut. Mit drei Millionen Franken schlugen zudem Lohnerhöhungen für Ärzte zu Buche. Lehmann rechnet vor: Hätte sich an den Rahmenbedingungen nichts geändert, hätte das KSW zehn Millionen Franken mehr Gewinn geschrieben. Insofern liefere man hier ein «hervorragendes Ergebnis» ab.

Neue Partner im Thurgau und in Schaffhausen

Dem KSW bleibe dennoch nichts übrig, als effizienter zu werden und die internen Abläufe zu straffen. Kurz: Mit gleich viel Personal den gleichen Service bieten. «Jeder und jede soll genau das machen, wofür er auch geeignet ist», erklärt Lehmann. Das könne einerseits bedeuten, dass man Ärzte bei gewissen Aufgaben entlaste, qualifiziertes Fachpersonal hingegen noch stärker einbinde. Doch auch bei den Ausgaben für medizinisches Gerät schaue man inzwischen genauer hin, mache Druck auf die Verkäufer und setze auf Vereinheitlichung und grosse Bestellmengen, um die Kosten zu drücken. Symptomatisch dafür: Letztes Jahr zum Beispiel wollte das KSW die Beschaffung neuer Patientenmonitore für den gesamten Betrieb aus Kostengründen neu ausschreiben lassen, unterlag dann allerdings vor Verwaltungsgericht («Der Landbote» berichtete).

Fazit: Das KSW ist finanziell nach wie vor grundsolide aufgestellt, will und muss aber effizienter werden und die erwähnten Mindereinnahmen kompensieren. Dafür stiess es 2018 auch in neue Felder vor und ging überregionale Kooperationen ein: Im Sportzentrum Win4 behandeln KSW-Ärzte inzwischen rekonvalezente Sportler, und wenn es in den Spitälern Schaffhausen und Frauenfeld bei der Geburt von Frühchen zu Komplikationen kommt, schickt das KSW ein Spezialisten-Team aus der Neonatologie. (Landbote)

Erstellt: 15.04.2019, 11:41 Uhr

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