Winterthur

Kurator veruntreute Kunstwerke im Wert von einer Million Franken

Der frühere Kunstkurator der Axa ist am Mittwoch zu einer Freiheitsstrafe von 39 Monaten verurteilt worden.

Das Bezirksgericht Winterthur verurteilt einen 51-Jährigen zu 39 Monaten Haft wegen Veruntreuung.

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Der Mann war beliebt bei den Kollegen, er war charmant und wusste viel über Kunst zu erzählen. Seine primäre Aufgabe bei der Axa war es, die Kunstsammlung zu pflegen und zu inventarisieren. Doch er zügelte rund 80 Kunstwerke ab und verkaufte sie auf eigene Rechnung via Kunsthandel. Das gleiche tat er im gleichen Umfang mit Werken von Axa-Versicherten, die er begutachten sollte; darunter auch Bilder des IKRK. Die Summe, die er so veruntreute und für seine eigenen Zwecke verwendete, betrug über eine Million Franken. Seine Taten beging er zwischen 2007 und 2015, vom Geld ist nichts mehr übrig.

Manisch und narzistisch

An den ersten beiden Verhandlungstagen vor sechs und vor vier Monaten war klar geworden: Der 52-jährige Kunsthistoriker und Jurist hatte wie im Wahn gehandelt, wenn er im Hoch war. Er leidet an einer bipolaren Störung, mal manisch, dann wieder depressiv, und er zeigt auch narzisstische Züge. Das hatte ein Gutachter vor Gericht detailliert dargelegt. Der Verteidiger des Kurators hatte plädiert, sein Mandant sei nicht schuldfähig wegen dieser Krankheit, er sei freizusprechen. Das Bezirksgericht aber entschied am Mittwoch anders: schuldig der mehrfachen Veruntreuung und zu bestrafen mit drei Jahren und drei Monaten Freiheitsentzug, vier Monate sass er schon in Untersuchungshaft. Parallel dazu muss der Mann wegen seiner psychischen Krankheit seine ambulante Therapie weiterführen.

«Die Axa trifft ein kleines Mitverschulden, denn die internen Kontrollmechanismen funktionierten nicht.»Die Richterin

Am Mittwoch sass der inzwischen Arbeitslose nicht im Gerichtssaal, er hatte sich wegen seiner Krankheit abgemeldet, was das Gericht akzeptierte. Sein Verteidiger schoss jedoch noch einmal nach allen Seiten: Die Medien seien schuld, dass der Mann keine Arbeit mehr habe; es sei unverständlich dass der Zürcher Kunsthändler, über den die meisten Verkäufe liefen, ungeschoren davonkomme, die Anklage bezeichnete er als «Stückwerk» und das psychiatrische Gutachten als «Schlechtachten».

Mitverschulden der Axa

Das Gericht folgte im Wesentlichen der Staatsanwaltschaft. Es stufte die Taten zwar nicht als gewerbsmässigen Diebstahl ein, sondern als Veruntreuung, und es senkte das Strafmass von den beantragten vier Jahren auf gut drei Jahre. Positiv wirkte sich aus, dass der Täter alles gestanden und sich in der Untersuchung kooperativ gezeigt hatte. Die Richterin mahnte indes auch die Axa: «Sie trifft ein kleines Mitverschulden, denn die internen Kontrollmechanismen funktionierten nicht. Und der Täter ging nicht besonders raffiniert vor.»

Der Verteidiger des Verurteilten behielt sich am Mittwoch vor, gegebenenfalls Berufung einzulegen und den Fall an die nächste Instanz weiterzuziehen. Die Axa teilte mit, man begrüsse den Abschluss des Verfahrens und nehme das Urteil zur Kenntnis. Und man prüfe, ob man auf gerichtlichem Weg Schadenersatz einfordern werde. (Landbote)

Erstellt: 12.06.2019, 13:17 Uhr

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