Winterthur

Kunstschnee für die Eschenberg-Loipe

Nach einer enttäuschenden Saison 2015/2016 will die Stadt die Langlaufloipe am Eschenberg nächsten Winter künstlich beschneien. Dank einer Schneekanone aus einem konkursiten Skigebiet und einem Pilotversuch mit mobilen Windrädern soll das energie- und kostengünstig möglich sein.

Dave Mischler, Leiter des Sportamts, will die Eschenberg-
Loipe künstlich beschneien und dabei auch das Pulver

Dave Mischler, Leiter des Sportamts, will die Eschenberg- Loipe künstlich beschneien und dabei auch das Pulver "Snowmax" einsetzen. Bild: Marc Dahinden

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Nur gerade zwei Tage konnten Langläuferinnen und Langläufer die Loipe auf dem Eschenberg diesen Winter nutzen. «Das ist für uns ein Frust, denn es steht alles bereit, damit Sportbegeisterte hier in Winterthur Wintersport betreiben können», sagt Dave Mischler, Leiter des städtischen Sportamts. Am Saisonende trafen sich die Verantwortlichen deshalb zur Krisensitzung und skizzierten Zukunftsszenarien. «Sogar eine Aufhebung des Angebots wurde diskutiert», sagt Mischler. Entschieden hat man sich nun aber für die Flucht nach vorn: Wie die Stadt in einer Medienmitteilung schreibt, will man auf die nächste Wintersaison hin eine Anlage zur künstlichen Beschneiung auf dem Eschenberg installieren. Ziel ist eine garantierte Mindestnutzung von sechs Wochen pro Saison.

Günstige Schneekanone

Kernstück des Projekts ist eine 25-Kilowatt-Schneekanone, welche die Stadt zum Schnäppchenpreis erwerben konnte. Das Modell stammt aus der Konkurs­masse des Skigebiets Lungern-Schönbühl im Kanton Obwalden, das 2014 den Betrieb einstellen musste. Auch für die Energieversorgung präsentiert das Sportamt eine innovative Idee: Den nötigen Strom soll zu rund 30 Prozent eine mobile Windenergie­anlage liefern. Die restlichen 70 Prozent sollen mit Solarstrom «Gold» von Stadtwerk gedeckt werden – damit die Ökobilanz möglichst günstig ausfällt. Das Wasser würde am Hydranten beim Restaurant Eschenberg abgezapft (siehe Grafik).

Windräder nur für Saison

Hergestellt und installiert wird die Stromanlage vom Winterthurer Leichtwindanlagenhersteller Aventa mit Sitz auf dem Sulzer-Areal. Gemäss Sportamt hat die Firma provisorisch zugesagt, drei mobile 18 Meter hohe Windräder des Typs AV-7 mit je einer Leistung von 18 000 Kilowattstunden zur Verfügung zu stellen. Der überschüssige Strom, der ausserhalb der Laufzeiten der Schneekanone anfällt, wird von Stadtwerk übernommen. Mit diesem Pilotprojekt wird geprüft, wie Windräder mobil eingesetzt werden können. Aventa will solche einfach installierbaren Anlagen später in Serie produzieren. Mögliche Abnehmer sind Betriebe oder Anlässe, die für eine kurze oder mittellange Zeitspanne lokal Strom benötigen, etwa Open-Air-Konzerte, Wintersportanlagen, aber auch Flüchtlingscamps.

Umstrittene Energiebilanz

Trotz der Windenergie erntet das Projekt bereits Kritik: «Egal wie ökologisch der Strom hergestellt wird, ist es ein Unsinn, künstlichen Schnee herzustellen – im Unterland noch mehr als in den Bergen», sagt Reto Diener, Präsident der Grünen. Das sei der völlig falsche Weg, um auf den Klimawandel zu reagieren. «Vielmehr sollten die Menschen Sportarten betreiben, die an ein wärmeres Klima angepasst sind.»

Dave Mischler vom Sportamt sieht das anders: «Im Moment fahren die Wintersportler aus dem Unterland in die Berge – und sind dort meist auch auf Loipen und Pisten aus Kunstschnee unterwegs.» Die Energiebilanz müsse darum im Einzelfall genau berechnet werden. «Wenn die Sportler in Stadtnähe bleiben, sparen wir den Weg ins Skigebiet, der meist mit Privatautos zurückgelegt wird.»

Chemie im Kunstschnee

Doch ist es überhaupt realistisch, auf dem Eschenberg auf weniger als 600 Höhenmetern mit Kunstschnee für mindestens sechs Wochen eine Loipe zu präparieren? Gemäss Sportamt ist die Schneekanonentechnik mittlerweile so weit fortgeschritten, dass eine gute Schneequalität auch bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt garantiert werden kann.

Allerdings würde dem verwendeten Wasser dann das chemische Produkt «Snowmax» beigemischt. Das in den USA hergestellte «Wunderpulver» für Kunstschnee wird zwar in vielen Schweizer Wintersportregionen verwendet, ist aber umstritten. Gemäss Medienberichten wird es aus abgetöteten Bakterienresten hergestellt. Die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sind noch weitgehend unerforscht. Das Mittel hat noch einen anderen Haken: Es ist sehr teuer. Ein Karton à vier Kilogramm kostet rund 1800 Franken. Für das Sportamt ist darum ohnehin klar, dass «Snowmax» nur in Einzelfällen zum Einsatz kommen würde.

Kosten unter 10 000 Franken

Dank des im Pilotprojekt produzierten Windstroms und der günstig erworbenen Schneekanone kostet das gesamte Beschneiungsprojekt laut Mischler «weniger als 10 000 Franken». Die Loipenanlage werde auch weiterhin von den bewährten, ehrenamtlich tätigen Pensionierten des Sportamts betreut.

So schmiedet das Sportamt bereits weitergehende Pläne: Funktioniert die Schneeproduktion im nächsten Winter, soll später auf dem Eschenberg auch ein Volkslanglaufanlass durchgeführt werden. «Das Projekt haben wir schon vor Jahren angedacht», sagt Mischler. «Mit der Beschneiungsanlage steht der Realisierung nichts mehr im Weg.»


Informationsanlass zur Kunstschneeanlage mit Sportamtschef Dave Mischler. Heute, 11 Uhr, Restaurant Eschenberg. (Der Landbote)

Erstellt: 31.03.2016, 19:21 Uhr

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