Winterthur

Lokale Firmen senken die Preise nicht

Die Reduktion der Mehrwertsteuer führt in Winterthur kaum zu tieferen Preisen. Ein Grund dafür: Es geht um geringe Beträge.

Seit Anfang Jahr ist der Mehrwertsteuersatz tiefer. Der Konsument merkt davon indes kaum was.

Seit Anfang Jahr ist der Mehrwertsteuersatz tiefer. Der Konsument merkt davon indes kaum was. Bild: bkr

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Seit dem 1. Januar verdient der Staat etwas weniger mit, wenn konsumiert wird im Land – der Normalsatz der Mehrwertsteuer sank von 8,0 auf 7,7 Prozent. Für die Wirtschaft heisst das: Es bleibt mehr Geld in der Kasse. Diesen Vorteil könnte man an die Kunden weitergeben und die Preise senken, so wie es einige Grossverteiler ankündigten.

1,5 Rappen pro Törtli

Es geht allerdings um sehr tiefe Beträge. Rechnen wir mit dem beliebten Zitronentörtli der Confiserie Vollenweider: Im Restaurant konsumiert, kostet dieses sechs Franken. Davon gingen bislang 44,4 Rappen an den Staat, neu kassiert der Fiskus 42,9 Rappen. Ergibt einen Gewinn von 1,5 Rappen für Vollenweider – ein verschwindend kleiner Betrag.

Genau damit argumentieren die angefragten Firmen, die die Preise überwiegend nicht senken: Es lohne sich nicht, es gehe um zu wenig Geld. «Ich kenne keinen Wirt, der die Preise senkt», berichtet Gastro-Winterthur-Präsident Kari Fatzer. Bei einem Preisnachlass von fünf Rappen pro Tasse Kaffee würden die Wirte draufzahlen, und eine Flasche teuren Weines 20 Rappen billiger anzubieten, sei sinnlos. Umgekehrt würden die meisten Wirte auch nicht aufschlagen, sagt Fatzer, was sich teils mit gestiegenen Rohstoffpreisen begründen liesse, so bei edlen Kaffeesorten.

Doch auch bei teuren Produkten, bei denen es sich lohnen würde, gibt es kaum Rabatte. So berichten Schmuckhändler und Uhrenmacher, die Listenpreise der meisten Marken seien unverändert geblieben. Viele Automodelle sind sogar teurer geworden, wie Marco Rimini von der Stadt-Garage Rimini an der St.-Galler-Strasse sagt, und zwar aufgrund des für Importe verschlechterten Eurokurses.

So beträgt der Listenpreis für die einfachste Ausgabe des Nissan Micra neu 13 990 statt 13 890 Franken; aufgrund der Mehrwertsteuersenkung hätte das Auto eigentlich 35 Franken billiger werden müssen.

«Preise schwanken sowieso»

Auch in der Hotellerie passt man die Preise nicht an. «Unsere Preise schwanken sowieso sehr stark, weil sie sich stets nach der Aus­lastung richten», sagt der Direktor des Park Hotels, Philipp Albrecht. Hotels profitieren von einem Steuersondersatz, der nur um 0,1 Prozent gesenkt wurde.

Anders geht man im Möbelhaus Reseda neben dem Media-Markt in Hegi vor. Hier wurden die Designerstühle zum Jahreswechsel tatsächlich ein paar Franken günstiger, wie das Preisbeispiel zeigt.

Ein Mitarbeiter habe im Dezember alle Preise angepasst, auch auf der Internet­seite, sagt Geschäftsleiter Andreas Niederer, was zwei bis drei Arbeitstage beansprucht habe. Bei den Holzmöbeln von Reseda steht eine Anpassung noch aus – wegen gestiegener Beschaffungspreise, besonders beim Nussbaum, sei hier trotz der Steuersenkung mit Aufschlägen zu rechnen, heisst es.

Kunden fragen selten nach

Wie reagieren die Kunden auf die zumeist stabilen oder sogar steigenden Preise? Viele Händler geben an, die Steuersenkung sei kein Thema – wenn einer 10 000 Franken für eine Uhr ausgibt, kommt es ihm auf 30 Franken mehr wohl nicht an. Dement­gegen sagt Marco Rimini: «Die allgemeine Haltung ist, dass es etwas billiger werden sollte.»

Das könne ungünstig sein, wenn sich Importware wegen der Wechselkurse verteuert, so im Auto­geschäft, aber etwa auch bei einem Bauunternehmer, der seine Ware aus dem Ausland bezieht.

Auch zum Aufwand und den Kosten, die die Umstellung auf den neuen Mehrwertsteuersatz verursacht, werden verschiedene Angaben gemacht. Sie müssten nur einen anderen Code im Kassensystem eingeben, berichten manche Anbieter, eine Sache von einigen Minuten.

Andere Firmen bieten einen kostenpflichtigen IT-Support auf, um ihre Software anzupassen, so etwa das Park Hotel. Zusätzliche Kosten sind ein weiteres Argument der Gewerbetreibenden gegen Preissenkungen. «Wenn ein Wirt seine Speisekarten neu druckt, um einzelne Anpassungen im Fünf-Rappen-Bereich vorzunehmen», meint Gastronom Kari Fatzer, «stehen Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis.» (Der Landbote)

Erstellt: 12.01.2018, 15:55 Uhr

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