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Mach mal Pause

Wenn Sie diese Zeilen lesen, sitze ich vermutlich gerade auf ­irgendeinem Müürli oder Bänkli im Neuwiesenquartier oder in Veltheim und mache Pause. Pause machen – eine der Lieblingsbeschäftigungen unserer bald zweijährigen Tochter. Schon von weitem erspäht sie auf unseren Streifzügen durchs Quartier ihre bevorzugten Pausenplätzchen. Dann marschiert sie vorfreudig voraus, wartet ­herausfordernd und zeigt mit der flachen Hand unmissverständlich, wo man sich als folgsame Mutter zu setzen hat. Sie selbst setzt sich daneben. Und so höckeln wir dann da – mal fünf Minuten, mal zehn, mal eine halbe Stunde.

An Vormittagen nach dem Einkaufen vor der Migros, an Nachmittagen unterwegs zum Spielplatz, an Abenden auf dem Heimweg von der Kita. Wir sitzen da und beobachten, was es so zu beobachten gibt, hören, was es zu hören gibt, riechen, was es zu riechen gibt. Die Baumaschine, die die Strasse neu pflastert. Die Vögel, die über unseren Köpfen kreisen und tirilieren, als würden sie eine Hochzeit halten. Scheue Katzen, lustige Hunde, vorwitzige Spatzen. Und all die Menschen, die an uns vorbeiziehen. Kinder auf Trottinetts, feierabendmüde Leute mit vollen Postisäcken und leeren Köpfen. Velofahrer, die waghalsig mit einer Hand lenken und mit der anderen telefonieren. Oder die alte Nachbarin von nebenan, die ­jedes Mal so freundlich winkt.

Sowieso haben die Leute Freude an unseren Pausen. «Das isch dänn es schöns Bild», sagen sie manchmal. Oder: «Ihr händs dänn schön.» Und: «Ihr mached das richtig. Chli s?Läbe gnüsse.» Man hat manchmal fast den Eindruck, sie würden selbst gerne kurz dazusitzen. Denn: Wer leistet sich das heute schon. Einfach mal mitten auf dem Heimweg anhalten und – Pause machen. Ich bin froh, dass meine Tochter mich zu diesen kleinen Auszeiten auffordert. Selbst käme ich wohl nicht auf die Idee. Weil, Sie wissen schon, es gibt ja immer was zu tun.

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