Winterthur

«Man kann nicht einfach Wölfe dazunehmen»

Im Gespräch erklärt der zoologische Kurator im Zürcher Wildnispark Langenberg, weshalb im Rudel Spannungen entstehen und wie diese gemildert werden können.

Martin Kilchenmann, Zoologischer Kurator im Zürcher Wildnispark
Langenberg.

Martin Kilchenmann, Zoologischer Kurator im Zürcher Wildnispark Langenberg. Bild: Madeleine Schoder

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Herr Kilchenmann, im Wildnispark Langenberg sind Sie mit den gleichen Fragen konfrontiert wie der Wildpark Bruderhaus. Warum ist Wolfshaltung eigentlich so schwierig?

In freier Wildbahn wandern die Jungtiere im Alter von zwei bis drei Jahren ab und verlassen die Elterntiere. Das ist in Gefangenschaft nicht möglich. Deshalb kommt es vermehrt zu Spannungen und Rangkämpfen, wenn die Jungtiere erwachsen werden.

Könnte man diese Tiere nicht an andere Parks vermitteln?

Das ist quasi unmöglich, weil Wölfe in einem engen Familienverband leben. Sie würden keine Neuankömmlinge akzeptieren. Beim Luchs oder Bär ist das anders. Das sind Einzelgänger, die es gewohnt sind, auf fremde Tiere zu treffen. Wölfe lassen sich eigentlich nur platzieren, wenn gerade Tiere für ein neues Elternpaar gesucht werden.

Was kann man tun, um die Spannungen im Rudel zu mildern?

Ein grosses Gehege ist wichtig, in dem sich die Tiere bei Spannungen aus dem Weg gehen können. Manche Parks halten auch reine Männchengruppen. Ohne Weibchen gibt es weniger Konkurrenz. Bei uns im Langenberg haben wir aktuell auch eine Gruppe mit vier Rüden, nachdem wir ein Weibchen rausnehmen mussten. Das ist aber nur eine Zwischenlösung für uns.

Warum? Sind die Wölfe gestresst?

Nein, denen geht es gut. Für uns im Langenberg gehört es aber zu einer artgerechten Haltung, dass alle Tiere die Möglichkeit haben, sich zu paaren und Jungtiere aufzuziehen. Bei vielen Tierarten ist dies ein ganz wichtiger Teil in ihrem Leben. Zudem ist das komplexe Familienleben in einem Wolfsrudel auch für Besucher sehr faszinierend.

Wie wollen Sie verfahren?

Wir möchten eins der Männchen behalten und mit einem Weibchen aus einem anderen Zoo ein neues Rudel starten. Für die anderen drei Rüden suchen wir im Moment neue Plätze.

Erstellt: 24.08.2019, 10:08 Uhr

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