Bezirksgericht

Mann berührt Teenies auf der Sprudelliege – Freispruch

Auf einer Sprudelliege im Migros­ Fitnesspark soll ein Mann zwei junge Frauen sexuell belästigt haben. Sofort wurde er von der Polizei abgeführt – jetzt aber freigesprochen.

Berührungen in öffentlichen Bädern können zufällig sein, befand die Bezirksrichterin. Wer sich belästigt fühlt, solle dies sofort sagen.

Berührungen in öffentlichen Bädern können zufällig sein, befand die Bezirksrichterin. Wer sich belästigt fühlt, solle dies sofort sagen. Bild: Symbolbild: Pixabay

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Pikanter Übergriff in einer Zeit, in der viele Frauen öffentlich machen, dass sie von Männern sexuell belästigt wurden: Auf den Sprudelliegen im Migros-Fitnesspark Banane beim Hauptbahnhof betoucht ein Mann zwei junge Frauen, streichelt sie am Arm, tätschelt ihre Hand, berührt sie neben dem Bikiniunterteil - obwohl sie von dem Mann wegrücken, langt er immer wieder hin. Nur: Es ist nicht so gewesen. So urteilte jedenfalls am Dienstag das Bezirksgericht. Den vermeintlichen Täter, einen damals vor knapp zwei Jahren 34-jährigen Schweizer, sprach sie frei und gewährte ihm eine Entschädigung von 600 Franken für seine Umtriebe. Der Mann hatte den Strafbefehl des Stadtrichteramts gegen ihn angefochten. 760 Franken hätte er sonst bezahlen müssen – eine Busse von 400 Franken sowie eine Verfahrens- und eine weitere Gebühr von zusammen 360 Franken. Bereits am Tag des Vorfalls wurde die Angelegenheit sehr unangenehm für ihn: Als er den Fitnesspark verlassen wollte, wurde er an die Kasse gebeten, wo zwei Polizisten auf ihn warteten. «Wie ein Schwerverbrecher wurde ich festgehalten, alle Leute drehten sich zu uns um.»

«Vielleicht haben sie sich gegenseitig berührt»

Vor Gericht verteidigte sich der mittlerweile in Deutschland lebende Verkäufer selber, auf einen Anwalt verzichtete er. Die zwei vermeintlichen Opfer, beim Vorfall 17 und 18 Jahre alt, erschienen nicht. «Nein, ich habe die beiden niemals absichtlich berührt», beteuerte der Mann. Zwar sei es möglich, dass es zu einem leichten Kontakt gekommen gekommen sei, als er sich an den Metallstangen auf die Liege gezogen habe, jedoch habe er kein sexuelles Interesse gehabt. «Vielleicht haben sie sich auch gegenseitig im Sprudelwasser berührt oder sie haben eine Stange touchiert.»

«Im Sprudelwasser lässt sich naturgemäss schwer feststellen,  wer wen berührt.»Die Richterin

Auf die Frage von Einzel­richterin Christa Jost (SP), warum die Frauen ihn zu Unrecht beschuldigen sollten, antwortete der Beschuldigte: «Vielleicht aus Rache». Die jungen Frauen hatten vor dem Vorfall im Bad offenbar verbotenerweise fotografiert. «Das hat alle Leute gestört, doch ich war der einzige, der die beiden zurechtgewiesen hat. Darum stehe ich jetzt hier.»

Der angebliche Täter hatte sich akribisch auf den kurzen Prozess, der kaum länger als eine halbe Stunde dauerte, vorbereitet. Mit seiner Partnerin hatte er die Szene, wie im Strafbefehl geschildert, nachgespielt, so erzählte er: «Es ist absolut unmöglich, dass sich jemand so oft und über eine so lange Zeit berühren lässt, ohne etwas zu sagen oder irgendwie darauf zu reagieren.» Auch hatte er eine Visualisierung erstellt, die zeigen sollte, wie er sich im Bad bewegte, dass er nämlich den Frauen nicht nachgeschwommen sei: «Diese sind auf mich zugeschwommen. Warum hätten sie das getan, wenn sie sich tatsächlich von mir so verletzt fühlten, wie sie es behaupten?»

Ohne sexuelles Motiv keine sexuelle Belästigung

Für den Freispruch gab die Richterin nach einer etwa einstündigen Beratungspause mehrere Gründe an. Es handle sich um eine klassische Aussage-gegen-Aussage-Situation, da müsse es heissen: im Zweifel für den Angeklagten. «Im sprudelnden Wasser lässt sich naturgemäss schwer feststellen, wer wen berührt hat. Ein Missverständnis, eine falsche Zuordnung kann nicht aus­geschlossen werden.» Zudem müssten Berührungen klar sexuell motiviert sein, um den Tatbestand der sexuellen Belästigung zu erfüllen. Nach gängiger Rechtsprechung brauche es dafür auch Worte, die auf ein sexuelles Motiv hindeuten.

Wichtig war der Richterin die Feststellung, dass mit dem Freispruch die beiden Frauen nicht der Denunziation bezichtigt seien. Es könne sein, dass diese die Berührungen anders empfunden hätten, als sie gemeint waren. «Schwimmbäder sind eine sensible Umgebung. Wer sich belästigt fühlt, sollte sofort auf sich aufmerksam machen.»

Das Urteil kann von den Frauen noch vor Obergericht angefochten werden. Der entlastete Mann schloss einen Weiterzug im Gerichtssaal aus, obwohl er auch sagte, dass er die Entschädigung von 600 Franken für seine weite Anreise in die Schweiz zu gering finde.

Erstellt: 24.01.2018, 16:58 Uhr

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