Bezirksgericht

Mann fuhr auf A1 und A7 rückwärts, als er Ex-Freundin waghalsig verfolgte

Ein Mann entdeckte auf der Autobahn bei Wiesendangen seine Ex-Freundin in einem anderen Auto. Er verfolgte sie über eine längere Strecke und übertrat dabei mehrere Verkehrsregeln.

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Normalerweise treffen Beschuldigte deutlich zu früh am Bezirksgericht zu ihrer Verhandlung ein. Man will ja nicht gleich zu Beginn einen schlechten Eindruck erwecken und meistens steht auch viel auf dem Spiel; sei es Geld oder Freiheit.

Gestern Nachmittag war der 39-jährige Mann, um den es im Bezirksgericht Winterthur hätte gehen sollen, allerdings auch nach über 20 Minuten nicht eingetroffen. Dem zuständigen Richter blieb nichts anderes übrig, als einen neuen Termin im Frühjahr 2020 anzusetzen. «Ein Nichterscheinen ist eher selten bei einem solchen Verfahren», sagte er. Häufiger sei dies bei Personen, die Einsprache gegen einen Strafbefehl einlegt hätten, die Busse dann aber angesichts des Aufwands trotzdem zahlen würden.

Weshalb der ausserhalb der Region wohnhafte Mann sich nicht vor Gericht für seine Taten verantwortete, blieb gestern unklar. Ein Blick in die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland offenbart aber, dass er auf seine mutmasslichen Taten nicht gerade stolz sein kann.

Abgepasst und bedrängt

Es ist fast auf den Tag genau zwei Jahre her, ein sonniger Nachmittag, als der Beschuldigte mit seinem Audi auf der Autobahn A1 nach St. Gallen unterwegs ist.

«Er hat eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen.»Aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland

Irgendwann muss er ein Fahrzeug entdeckt haben, das ihm bekannt vorkommt: Jenes seiner Ex-Freundin. Kurz vor der Ausfahrt Oberwinterthur/Wiesendangen fährt er deshalb auf den Pannenstreifen, um sie passieren zu lassen. Danach heftet er sich an ihr Fahrzeug.Nur wenig später spurt die Frau auf die A7 in Richtung Frauenfeld ein. Ihr Verfolger befindet sich zu diesem Zeitpunkt aber noch auf der A1 nach St. Gallen. «Woraufhin er bis zum Stillstand abbremste und auf der Fahrbahn einige Meter rückwärts und über die Sperrfläche auf die Abbiegespur zur A7 fuhr», heisst es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft.

Als der Beschuldigte erneut zu seiner Ex-Freundin aufgeschlossen hat, überholt er sie, spurt vor ihr ein und bremst ab. Die Frau muss ebenfalls abbremsen, kann ihren Ex-Freund allerdings wieder passieren und verharrt auf der linken Überholspur. Das hindert den Mann jedoch nicht, die Frau erneut zu überholen, diesmal von der rechten Seite. Anschliessend spurt er direkt vor ihr auf der linken Spur wieder ein.

Die Frau kann sich aber erneut lösen und verlässt die A7 über die Ausfahrt Frauenfeld-West. Ihr Verfolger lässt wiederum nicht locker, obwohl er erneut die Abzweigung verpasst: Er bremst bis zum Stillstand ab und fährt erneut rückwärts. Ob auf der Fahrbahn oder dem Pannenstreifen, ist gemäss Anklageschrift unklar. Danach verlässt auch er die Autobahn und fährt in Richtung Frauenfeld und Ex-Freundin.

Was anschliessend geschieht, lässt die Anklageschrift offen. Insgesamt erstreckte sich die Verfolgung auf den Autobahnen A1 und A7 auf über acht Kilometer in den Gemeinden Wiesendangen und Gachnang.

Busse und Geldstrafe

Der Beschuldigte hat laut Staatsanwaltschaft «eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen» und fordert für diese «mehrfache grobe Verletzung und mehrfache Verletzung der Verkehrsregeln» eine auf zwei Jahren bedingte Geldstrafe in der Höhe von 9600 Franken sowie eine zwingend zu zahlende Busse von 600 Franken. Zudem soll er laut Anklageschrift die Gerichtskosten von 1600 Franken zahlen müssen.

Das Nichterscheinen hat für den Beschuldigten indes keine Konsequenzen. Sollte er bei der nächsten Verhandlung allerdings wieder nicht am Bezirksgericht auftauchen, könnte es ein sogenanntes Abwesenheitsverfahren durchführen. Sprich: Ohne die Anwesenheit des Beschuldigten über den Fall urteilen.

Erstellt: 15.11.2019, 16:50 Uhr

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