Portrait

«Marketing war im Museum damals ein Fremdwort»

Zwanzig Jahre lang leitete Caroline Jaeggli die Administration des Kunstmuseums Winterthur. Heute wird Sie im kleinen Kreis gefeiert – und zugleich ihr Abschied.

Caroline Jaeggli hat sich nach einer Hirnblutung ins Leben zurück gekämpft. Trotzdem muss sie ihren geliebten Job im Kunstmuseum abgeben.

Caroline Jaeggli hat sich nach einer Hirnblutung ins Leben zurück gekämpft. Trotzdem muss sie ihren geliebten Job im Kunstmuseum abgeben. Bild: Marc Dahinden

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Es war ein Zufall, der Caroline Jaeggli 1997 zum Kunstmuseum brachte: Bei einem Anlass war sie mit dem Präsidenten des Kunstvereins ins Gespräch gekommen und hatte erfahren, dass dort eine Stelle zu besetzen war. Dieser Posten interessierte sie brennend, denn sie war gerade auf Jobsuche und zur Kunst in Winterthur besass sie eine enge Beziehung, da die Familien Jaeggli und Hahnloser seit Generationen verwandtschaftlich verbunden sind.Auch sonst erfüllte sie das Stellenprofil geradezu ideal: Sie brachte ein Handelsdiplom und Berufserfahrung mit, sowie Mehrsprachigkeit in Perfektion. Englisch ist ihre Muttersprache, das Französische wurde es, dank langer Studien- und Berufsjahre in der Westschweiz: Ab 1984 war sie dort im Marketing renommierter Uhrenfirmen tätig und machte ihre Ausbildung zur Marketingplanerin.

In einer anderen Welt

Der Start im Museum verlief gar nicht so, wie sie es sich vorgestellt hatte: Nachdem sie in der Privatwirtschaft mit viel Geld und modernem Marketing Luxusuhren vermarktet hatte, traf sie auf eine komplett andere Welt. «Hier war alles ziemlich starr und traditionell, das Budget war eng und Marketing war ein Fremdwort», erinnert sie sich. Die erste Zeit empfand sie als «extrem schwierig». Doch aufgeben kam für sie nicht in Frage: «Ich wollte die Zustände verändern, verbessern, mehr Leute ins Museum zu bringen!», sagt sie, «und klare Ziele halfen mir schon immer, Herausforderungen zu meistern.»

Da ihre Arbeit – unter vielem anderem– daraus bestand, auf der organisatorischen Ebene das umzusetzen, was der damalige Direktor Dieter Schwarz auf der inhaltlichen Ebene geplant hatte, entwickelten sich über die Jahre spannende Kontakte zu anderen Museen, Künstlern und Leihgebern. Sowie zum Vorstand des Kunstvereins, für den sie die alljährlichen Reisen organisierte, an denen sie auch teilnahm. «Wir besuchten grosse Museen oder Privatsammlungen und informierten uns darüber, wie sie arbeiten», erzählt sie. Mehrmals begleitete sie auch besonders wertvolle Leihgaben oder Teile der Sammlung, wenn diese auf Tournee gingen: «Es war eindrücklich zu sehen, wie unsere Werke im Ausland präsentiert, mit welcher Begeisterung sie von einem grossem Publikum aufgenommen wurden.»

«Es war eindrücklich, zu sehen, mit welcher Begeisterung unsere Werke im Ausland aufgenommen wurden.»Caroline Jaeggli, 
abtretende Leiterin der Administration des Kunstmuseums

Mit der Zeit wuchs ihr Verständnis für Strukturen, Zusammenhänge und Prozesse im Kunstmuseum und sie konnte im Sponsoring oder Fundraising erste Erfolge verbuchen. Auch das Museum begann, sich zu bewegen, auf ihre Vorschläge und Ideen einzugehen. Aus den harzigen Anfängen wurde eine gute Zusammenarbeit, allen voran mit ihrem Chef Dieter Schwarz: «Es gab zwar durchaus Reibung und Diskussionen», räumt sie ein. «Aber daraus hat sich eine tolle Beziehung mit gegenseitige Sympathie, Respekt und Wertschätzung entwickelt.»

Schicksalsschlag ändert alles

Im Mai 2016 erlitt sie, allein an ihrem Arbeitsplatz, eine Hirnblutung. Verwirrt im Museum herumirrend löste sie den Alarm aus, was ihr das Leben rettete: Man fand sie, brachte sie als Notfall ins Unispital Zürich, wo sie sofort operiert wurde. Es folgen bange Wochen im künstlichen Koma und danach Monate in der Rehabilitation: Durch den Vorfall war sie halbseitig gelähmt und hatte ihr Sprechvermögen eingebüsst.

Ihr Ziel, zu ihrem runden Geburtstag im vergangenen Sommer wieder nach Hause zurückkehren zu können, aber motivierte sie – und wie: «Ich wollte heim zu meinen Freunden, die mich so sehr unterstützt hatten», sagt sie. Dank der ihr Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit hat sie seither enorme Fortschritte gemacht: Rollstuhl oder Gehstöcke benötigt Caroline Jaeggli nicht mehr und auch die Sprache ist zurückgekehrt. Trotzdem musste sie akzeptieren, dass sie in ihren Job im Museum nicht zurückkehren kann: «Ich bin nicht mehr so leistungsfähig, benötige mehr Ruhephasen – und traue es mir auch nicht zu», sagt sie. Doch mit dem Museum wird sie weiterhin eng verbunden bleiben. (Landbote)

Erstellt: 29.01.2018, 17:12 Uhr

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