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Marktfahrer, Musiker und Prediger — allen geht die Stadt ans Portemonnaie

Wer den öffentlichen Grund nutzt, zahlt ab März etwas mehr als bisher. Die seit langem angekündigte Gebührenerhöhung liegt vor. Betroffen sind in unterschiedlichem Masse Wirte und Landwirte, Strassenartisten und religiöse Eiferer. Und an den Jahrmärkten werden die Foodstände zur Kasse gebeten.

Über den Marktfahrern ziehen dunkle Wolken auf: Bald müssen sie für die Nutzung des Öffentlichen Raums mehr bezahlen.
Über den Marktfahrern ziehen dunkle Wolken auf: Bald müssen sie für die Nutzung des Öffentlichen Raums mehr bezahlen.
Bauersleute die ihr Obst und Gemüse feilbieten werden zur Kasse gebeten. Pro Quadratmeter zahlen sie für ihren Stand neu 1.20 statt 1 Franken am Tag.
Bauersleute die ihr Obst und Gemüse feilbieten werden zur Kasse gebeten. Pro Quadratmeter zahlen sie für ihren Stand neu 1.20 statt 1 Franken am Tag.
Heinz Diener
Und auch Strassencafés helfen mit, die leeren Kassen der Stadt zu füllen. Sie bezahlen künftig für die Bestuhlung im Freien 10 % mehr als bis anhin.
Und auch Strassencafés helfen mit, die leeren Kassen der Stadt zu füllen. Sie bezahlen künftig für die Bestuhlung im Freien 10 % mehr als bis anhin.
Marc Dahinden
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Strassenmusikanten, Clowns und andere mobile Unterhaltungsgewerbler zahlen heute (allein oder im Duo) 20 Franken pro Tag dafür, dass sie auf städtischem Boden auftreten und Geld verdienen dürfen. Ab März sind es 25 Franken – 25 Prozent mehr als heute. Derselbe Tarif und dieselbe Erhöhung gilt für all jene Sandwich-Leute, die mit einem Plakat vorne und hinten für ein politisches oder religiöses Anliegen werben. Wer kommerziell einen Sandwichmann losschickt, zahlt neu 100 Franken pro Tag (bisher 81.-).

Brugger zahlt Fr. 600.- mehr

Um 20 Prozent erhöht sich auch die Gebühr für all die Bauersleute, Pasta-, Käse- und Olivenhändler, die ihre Waren am Wochenmarkt anbieten. Bis anhin zahlten sie 1 Franken pro Tag und Quadratmeter, künftig sind es 1.20 Franken. «Das ist nicht erfreulich», sagt dazu Ruedi Brugger, Obst- und Weinbauer in Rickenbach und Präsident der lokalen Marktvereinigung. Er belegt mit seinem Stand jahraus jahrein 30 Quadratmeter, muss also der Stadt pro Markttag 6 Franken mehr abliefern, macht 600 Franken mehr im Jahr. «Niemand zahlt gerne mehr», sagt Brugger. Weil er aber auch Schulpräsident und Gemeinderat in Rickenbach ist, weiss er: «Die Gemeinden sind auf diese Einnahmen angewiesen, weil sie immer stärker belastet werden; das gilt auch für die Stadt.» Unter dem Strich findet er die Erhöhung also okay.

Der Profi findets angemessen

Gleich in mehrfacher Hinsicht betroffen ist ein anderer Marktfahrer, der frühere Winterthurer SVP-Gemeinderat Norbert Albl. Er ist Cheforganisator des Weihnachtsmarkts (der pauschal abrechnet mit der Stadt), er ist seit zwei Jahrzehnten im OK der Seemer Dorfet, er ist Karussell-Betreiber und Foodstand-Besitzer. Auch er hält zunächst fest, dass jede Gebührenerhöhung das Gewerbe belaste und von daher unwillkommen sei. Doch übers Ganze betrachtet hält auch Albl die jetzt präsentierte Lösung des Stadtrats für «angemessen, korrekt und berechtigt».

«Höhere Gebühren sind nicht erfreulich, niemand zahlt gerne mehr. Doch die Stadt braucht wohl diese Mehreinnahmen.»

Ruedi Brugger, Obst- und Weinbauer am Wochenmarkt sowie Gemeinderat in Rickenbach

Ein wenig anders sieht das der Präsident der nationalen Markthändler-Vereinigung, Jürg Diriwächter. Er wohnt in Waltalingen und reist mit seinem Öpfelchüechli-Stand jedes Jahr an etwa 150 Jahrmärkte und Events von Bern bis St. Gallen. Wegen der neuen Gebührenordnung in Winterthur ist er betroffen von einer Preiseröhung um satte 66 Prozent: Am Chlaus-, Martini- und Maimarkt zahlten Verpflegungsstände bis anhin 15 Franken pro Laufmeter, gleichviel wie die Warenstände. Nun werden die Foodstände mit 25 Franken pro Meter in Rechnung gestellt, auch die Abgaben für Strom und Abfallentsorgung werden steigen. «Winterthur ist damit auf der Höhe des Zibelemärits in Bern, der ein viel grösserer Event ist», ärgert sich Diriwächter. Er findet die Erhöhung unangemessen.

Die Stadt darf Geld verdienen

Daniel Beckmann, der Chef der Verwaltungspolizei, der für das ganze Gebührenprojekt verantwortlich zeichnet, entgegnet: «Mit Verpflegungsständen macht man bedeutend mehr Umsatz als mit Wollsocken oder Schuhcrème, man verdient viel mehr, da dürfen wir auch einen höheren Preis verlangen.» Die gesetzliche Grundlage dafür sei vorhanden. Und in der Mitteilung des Stadtrats heisst es, die Tariferhöhung sei gerechtfertigt, weil das «wirtschaftliche Interesse am öffentlichen Grund gestiegen» sei und die Gebühren zum letzten Mal vor zehn Jahren angepasst wurden.

Stark betroffen sind nicht zuletzt auch die Wirte mit Strassencafés; sie müssen künftig rund zehn Prozent mehr bezahlen. Zu viel, findet bespielsweise Christian Oklé. Für den Aussenraum seiner Betriebe Kafisatz und Alltag muss er ab März 600 und 830 Franken jährlich mehr zahlen.

Keine Auswirkungen hat die neue Gebührenordung hingegen für die Altstadt-Läden. Ihre Auslagen, Werbetafeln und Verkaufsstände vor den Geschäften bleiben preislich unverändert. Der Marronimann aber zahlt zehn Prozent mehr: neu 1125 Franken pro Monat.

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