Natur

Mattenbach-Forellen drohen zu verenden

Der Pegel des Mattenbachs ist an manchen Stellen bereits so tief, dass Hunderte Bachforellen und Elritzen gerettet werden mussten. Eine Krebsart hat da weniger Glück.

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Martin Rüdt und ein Fischerkollege sind die Pächter des Mattenbachs, der auf Stadtgebiet von der Aussenwacht Ricketwil bis zur Mündung in die Eulach fliesst. Die beiden dürfen darin kontrolliert fischen, tun es aber kaum, und wenn, dann nur, um zu abzuschätzen, wie sich der Fischbestand entwickelt – offenbar sehr gut. «Die Bachforellen werden bis zu 45 Zentimeter gross und die Brut entwickelt sich gut », sagt Rüdt.

Eine Bachforelle sucht sich den Weg im trüben Mattenbach-Wasser. Video: Martin Rüdt

Auch deswegen hat er das kantonale Amt für Jagd und Fischerei alarmiert. Nicht die Wassertemperatur (rund 18 Grad Celsius), sondern die tiefen Wasserstände sind das Problem. Denn auf Stadtgebiet führt der teils eingedolte Mattenbach nur noch so wenig Wasser, dass Forellen und Elritzen (ein acht Zentimeter grosser Kleinfisch) Zuflucht in den letzten tieferen Wasserstellen suchen, wo der Pegel in den nächsten Tagen weiter sinken dürfte. Zusammen mit den Fischereiexperten haben Rüdt und sein Kollege letzte Woche mehrere Hundert Bachforellen und rund 2500 Elritzen abgefischt und in Ricketwil wieder ausgesetzt.

Im Becken nach Ricketwil

Dabei wurden sie mit einem Elektrofanggerät kurzzeitig betäubt, eingefangen und in einem grossen Becken bis nach Ricketwil transportiert, wo der Bach nicht eingedolt ist, sondern natürlich verläuft, schattig ist und wo sich die geschwächten Fische in mehreren tiefen Stellen nun erholen, bei zu viel Stress durch planschende Hunde oder Kinder aber zu kollabieren drohen. Ein Schild macht Anwohner darauf aufmerksam.

Trinkwasser geht vor

Noch traut Hobbyfischer Rüdt dem Frieden nicht, die Hitzewelle hält schliesslich an. Er schlägt vor, den Bach notfalls von Ricketwil mit Wasser vom Hydranten zu speisen, eine Option, die Stadtwerk Winterthur nicht per se ausschliesst, sofern der Kanton dies verfügt. Nur: Mehr als fünf Liter pro Sekunde – rund 450 Kubikmeter pro Tag – läge nicht drin, ohne die Trinkwasserversorgung der Aussenwacht zu gefährden, heisst es auf Anfrage.

«Unter Umständen fischen wir die Fische auch ein zweites Mal ab und setzen sie im nächst­grösseren Gewässer aus, in diesem Fall wohl in der Eulach.»Martin Rüdt

Der Fischereiadjunkt hält die Hydranten-methode ohnehin für wenig nachhaltig: «Unter Umständen fischen wir die Fische auch ein zweites Mal ab und setzen sie im nächst­grösseren Gewässer aus, in diesem Fall wohl in der Eulach.» In Notfällen sieht es anders aus. 2003 und 2015 wurde vom Grundwasserpumpwerk Hornwieden in Zell Wasser in die ausgetrocknete Töss geleitet, und auch diesen Sommer zapfte man schon Hydranten an, um den Tag zu überbrücken. In Oberrieden am Zürichsee drohten Steinkrebse zu vertrocknen. Tagsüber verstecken sich diese unter Steinen, erst nachts unter Scheinwerferlicht liessen sie sich einsammeln.

Das Ende einer weiten Reise

Auch im Mattenbach wird es wohl ein Krebssterben geben. Die Behörden nähmen es in Kauf: Betroffen wäre der Signalkrebs, der im Mattenbach stark verbreitet und ein aggressiver Neozoon ist, eingeschleppt aus Amerika und möglicher Träger der Krebspest. (Landbote)

Erstellt: 31.07.2018, 08:43 Uhr

«Gebt den Fischen eine Chance!» Die Pächter des Mattenbachs bitten um Rücksichtnahme. (Bild: hit)

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