Richtlinie

Maximal eine halbe Million pro Bau

Nach hitzigen Debatten um den verbeulten Rostzaun bei der KVA liegt jetzt ein neues Reglement vor für Kunst-am-Bau-Projekte. Neu gibts eine Obergrenze, und die Stadt will eine Vorbildrolle einnehmen.

Die Stadt deckelt die Ausgabe für Kunst am Bau auf 500'000 Franken.

Die Stadt deckelt die Ausgabe für Kunst am Bau auf 500'000 Franken. Bild: Ruedi Widmer

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Die Leserbriefspalten waren über Wochen geprägt von Hohn und Spott, Wut und Ärger, ein bisschen auch von Lob und Wertschätzung. Kaum ein anderes Kunstwerk hat in Winterthur in den letzten Jahren so polarisiert wie der zerbeulte Zaun, den die Zürcher Künstlerin Katja Schenker 2014 für die KVA kreierte. 380000 Franken liess sich die Stadt dieses Kunstwerk kosten.

Die Kontroverse wurde auch in den Gemeinderat getragen, zumal die Stadt damals einen Sparkurs fuhr. «Kunst am Bau ist ein Luxus, auf den in finanziell angespannter Lage verzichtet werden kann», fand SVP-Präsident Simon Büchi. Und der damalige FDP-Gemeinderat Christoph Magnusson schlug vor, die Praxis zu ändern. Nicht mehr ein prozentualer Anteil jedes städtischen Bauwerks sollte für Kunst am Bau zur Verfügung stehen, sondern ein jährlich zu definierender Gesamtkredit. «Man muss das Geld dort einsetzen, wo Kunstwerke eine Wirkung haben», sagte Magnusson. Er zielte dabei auf das Polizeigebäude, wo theoretisch Kunst für 800000 Franken möglich gewesen wären, wo aber niemand so viel und so teure Kunst erwartet.

Diese Projekte hat die Stadt in der Vergangenheit finanziert.

Im Kulturleitbild von 2015 kündigte der Stadtrat dann an, die Richtlinien überarbeiten zu wollen. Worauf letztes Jahr rund 40 Interessierte darüber diskutierten, wie denn die Prozesse rund um Kunst und Bau neu zu definieren wären. Verwaltungsleute, politisch Tätige, Kunstschaffende und Baufachleute waren in diesen Prozess involviert. Gestern legte der Stadtrat die neuen Richtlinien für Kunst-und-Bau vor, die ab nächstem Jahr gelten.

Künzle ist zuversichtlich

Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) ist zufrieden mit dem Erreichten und zuversichtlich: «Es ist wichtig, solche Dinge von Zeit zu Zeit zu überdenken und Schwachpunkte auszumerzen. Aber wie sich die neuen Richtlinien bewähren, wird sich erst bei den nächsten Kunstprojekten zeigen.» Inhaltlich geht es in den Richtlinien um die Leitgedanken, um Organisatorisches, Finanzielles und um die Vermittlung.

«Gerade öffentlich zugängliche Kunst kann die jeweils aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen reflektieren und begleiten»Aus den neuen Richtlinien

Unter dem ersten Stichwort Leitgedanken legt die Stadt ein Bekenntnis für die Kunst ab und will Vorbild sein. «Gerade öffentlich zugängliche Kunst kann die jeweils aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen reflektieren und begleiten», heisst es im 13-seitigen Papier. Und weiter: Kunst im öffentlichen Raum «regt zu (Streit-) Gesprächen an, ermöglicht Begegnungen und fördert die Gemeinschaft.»

Im Organisatorischen wird ein neues federführendes Gremium definiert, dem verschiedene städtische Fachleute angehören, zwei Mitglieder der Kunstkommission sowie zwei externe Expertinnen oder Experten.

Vermittlung wird wichtiger

Grosse Bedeutung kommt künftig der Kommunikation und Kunstvermittlung zu. Denn, so heisst es im Papier: «Ein Kunstwerk im öffentlichen Raum muss sich ohne den vermittelnden Rahmen eines Museums oder eines Kunstraumes behaupten.»

Beim Finanziellen gibt es keine Abstriche, aber eine Limite bei 500000 Franken. Ansonsten gelten folgende Ansätze: mindestens 10000 Franken für Kunst bei Bauten, die bis 500000 Franken kosten; mind. 15000 für Bauten zwischen 500000 und einer Million; 20000 Franken bei Baukosten zwischen 1 und 2 Millionen; 30000 bei Baukosten bis 3 Millionen; und darüber ein Prozent der Baukosten

Erstellt: 26.09.2019, 17:10 Uhr

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