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Mehr als Modell, Muse und Mäzenin

«Von der Muse geküsst! Frauen und Kunst in Winterthur um 1900» heisst der zehnte Frauen-stadtrundgang. Er zeigt, welch hartes Pflaster die Kunst für Frauen war, und hatte am Wochenende Premiere.

Hinweise auf die Rolle der Frau in der Kunst liefert auf dem Stadtrundgang auch die Bronzeskulptur von Thomas Schütte hinter dem Kunstmuseum.
Hinweise auf die Rolle der Frau in der Kunst liefert auf dem Stadtrundgang auch die Bronzeskulptur von Thomas Schütte hinter dem Kunstmuseum.
Heinz Diener

Schon fünf Minuten Verspätung und noch immer ist keine Stadtführerin in Sicht! Da eröffnen einige — vermeintliche — Teilnehmerinnen den Rundgang kurzerhand auf eigene Faust und werfen einen Blick in den Kunstführer. Ernüchternd! Kunst und Kultur waren in Winterthur vor rund hundert Jahren noch reine Männersache: Erst 1919 nahm der Kunstverein Frauen als vollwertige Mitglieder auf. Und das Kunstmuseum wurde 1916 von wohlhabenden Männern initiiert und finanziert. Den Frauen blieb die Rolle der «hübschen Begleitung». Oder diejenige des Modells: Nackt und als Skulptur — das ging gerade noch durch.Davon zeugen im Stadtgarten einige Beispiele. Neben einem davon beginnt eine mausgrau (!) gekleidete Gestalt zu erzählen:Es ist die Winterthurer Künstlerin Emma Sulzer-Forrer (1882–­1962). An der Kunstabteilung des Technikums bloss als Hospitantin zugelassen, liess sie sich in ­Paris und Italien zur Künstlerin ausbilden. Ernst genommen wurde sie als Gattin von Robert Sulzer und Dame der Winterthurer Gesellschaft aber nicht – eher rümpfte man die Nase darüber, dass sie in ihrem Atelier «dreckige», künstlerische Arbeiten ausführte.

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