Unfallstatistik

E-Biker treiben Unfallzahlen hoch

Auf Winterthurer Stadtgebiet gibt es einen Drittel mehr Unfälle mit Verletzten als vor fünf Jahren. Schuld ist vor allem der E-Bike-Boom. Letztes Jahr gab es in Winterthur mehr schwerverletzte E-Biker als Töfffahrer.

Aus Velounfällen resultieren am meisten Schwerverletzte. Seit dem Aufkommen der E-Bikes hat sich diese Problematik noch verschärft.

Aus Velounfällen resultieren am meisten Schwerverletzte. Seit dem Aufkommen der E-Bikes hat sich diese Problematik noch verschärft.

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Im Kanton Zürich ist man so sicher unterwegs wie kaum je zuvor. Zwar starben letztes Jahr 33 Personen auf Zürcher Strassen, elf mehr als im Vorjahr. Auf längere Frist betrachtet ist das aber eine Schwankung auf tiefem Niveau. 1971 waren es, bei viel weniger Verkehr, 260 Tote und es dauerte bis 1995, bis die Zahl der Verkehrstoten im Kanton erstmals unter 100 fiel. Doch während die Autofahrer durch die moderne Technik immer besser geschützt sind, leben die Zweiradfahrer gefährlich. Das zeigt die Verkehrsunfallstatististik 2018, die gestern in Zürich vorgestellt wurde.

E-Bike gefährlicher als Töff?

In Winterthur fällt auf, dass die Unfälle mit Personenschaden in den letzten fünf Jahren um 35 Prozent zunahmen. 312 Mal wurden Verkehrsteilnehmer verletzt, in 26 Fällen schwer. In nur einem einzigen Fall war das Unfallopfer ein Autolenker, hingegen verletzten sich 10 Velofahrer und 5 E-Biker schwer. Das sind mehr als die Töfffahrer (4) und Fussgänger (3). Tödliche Unfälle gab es auf Stadtgebiet zwei, das entspricht dem Durchschnitt der Vorjahre.

Daniel Beckmann, Leiter Bewilligungen und Recht bei der Stadtpolizei Winterthur, sieht bei den E-Bikes denn auch den Hauptgrund für den Anstieg der Unfälle mit Verletzten. «Hier gibt es einen klaren Trend. 2017 sahen wir eine Verdoppelung, und im vergangenen Jahr gab es nochmals einen Anstieg.» 42 Unfälle mit E-Bikes wurden 2018 gezählt, zwei Jahre zuvor waren es erst 13 Unfälle gewesen.

Stadt Zürich hat ein Problem

Demgegenüber blieb die Zahl der normalen Velounfälle in Winterthur in den letzten Jahren ungefähr konstant; sie schwankt um die 130 Unfälle pro Jahr. Von solcher Konstanz kann die Stadt Zürich nur träumen. Der Kantonshauptort hat ein eigentliches Velounfall-Problem. «Mehr als doppelt so viele Verunfallte mit dem Velo wie vor sieben Jahren» ist das alarmierende Fazit aus der Limmatstadt. Die Dienstabteilung Verkehr schreibt in ihrer Medienmitteilung selbstkritisch von einem «ungelösten Problem». Zwar nahm der Veloverkehr innert fünf Jahren auch um 50 Prozent zu, die Zahl der Verunfallten stieg aber nochmals deutlich stärker.

Velofahrer sind selbst schuld

Laut Wernher Brucks, Leiter Verkehrssicherheit der Stadt Zürich, hat sich eine «Drittel-Faustregel» herauskristallisiert. In einem Drittel der Fälle stürzen die Velofahrer ohne Fremdeinwirkung, in einem Drittel kommt es zur Kollision verursacht vom Velofahrer und in einem weiteren Drittel verursachen andere Verkehrsteilnehmer den Unfall.

In der Mehrheit der Fälle sind die Velofahrer also selbst schuld. Manche sind unbedarft oder abgelenkt, manchmal ist auch Alkohol im Spiel. Die Stadtpolizei Winterthur zählte letztes Jahr jedenfalls 17 verunfallte «Blaufahrer» auf dem Drahtesel. Längst nicht allen Velounfällen konnte eine eindeutige Unfallursache zugeordnet werden, aber Alkoholeinfluss fingiert in den Protokollen häufiger als Fahrfehler oder Unaufmerksamkeit – vielleicht lag es im warmen Jahr 2018 auch schlicht am Wetter.

Es sind nicht die Senioren

Das Klischee des überforderten Rentners auf dem E-Bike kann die Stadtpolizei Winterthur übrigens nicht bestätigen. Viel häufiger verunfallte die Altersgruppe der 45-64-Jährigen. Im gesamten Kanton sehen die Zahlen ähnlich aus. Diese Altersgruppe, so vermutet Frank Schwammberger, Chef der Verkehrspolizei der Kapo Zürich, hat das E-Bike in den letzten Jahren für den Arbeitsweg entdeckt, als Alternative zu Auto und Bus. Trotzdem zielen die bisherigen Präventionskampagnen der Kantonspolizei vor allem auf Kinder, Jugendliche und Renter. Die Kantonspolizei prüft darum, ob sie ergänzend auch eine E-Bike-Kampagne durchführen soll, welche sich gezielt an die 45-64-Jährigen richtet.

Kaum Unfälle mit E-Scooter

Ein neues Phänomen hat sich in den Unfallzahlen kaum bemerkbar gemacht. Die elektrischen Trottinetts und anderen Gefährte, die sich insbesondere in der Stadt Zürich neuerdings grosser Beliebtheit erfreuen, wurden kaum in Unfälle verwickelt. «Wir beobachten das genau und haben eine eigene Kategorie für solche Gefährte eingerichtet», sagt Wernher Brucks, Leiter Verkehrssicherheit. «Bislang lag die Zahl der Unfälle allerdings im einstelligen Bereich.» (Landbote)

Erstellt: 14.03.2019, 10:08 Uhr

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