Winterthur

Meier sieht Grüne als «geschwächte Partner»

Stadtrat Die frisch gekürte SP-Kandidatin Christa Meier hat gute Chancen, Stadträtin zu werden – glaubt sie. Für eine starke Kandidatur habe die SP die besseren Voraussetzungen als die Grünen.

«Sicher keine Sparpolitikerin»: SP-Kandidatin Christa Meier (44).

«Sicher keine Sparpolitikerin»: SP-Kandidatin Christa Meier (44). Bild: zvg

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Die SP tritt zur Stadtratswahl an, obwohl mit Jürg Altwegg ein grüner Kandidat bereitsteht, die Nachfolge von Matthias Gfeller anzutreten. Eine Desavouierung der Grünen Partei.
Christa Meier: Das sehe ich nicht so. Meine Kandidatur ist eine Er­weite­rung des linken Angebots. Im ersten Wahlgang stehen Herr Altwegg und ich uns nicht im Weg, und vor dem zweiten Wahlgang müssen wir dann sehen, wer die bessere Ausgangslage hat.

Mit der stärkeren Partei im ­Rücken werden Sie Herrn ­Altwegg gewiss rausdrängen.
Ich gehe davon aus, dass ich als SP-Kandidatin gute Voraussetzungen habe, im ersten Wahlgang viele Stimmen zu holen. Es geht aber nicht nur um die Anzahl Stimmen, sondern auch um die Frage: Wer schafft es eher, Leute ausserhalb des eigenen Lagers zu mobilisieren? Ich wäre bereit, meine Kandidatur zurückzuziehen, wenn sich herausstellt, dass jemand anderes im links-grünen Lager bessere Wahlchancen ­hätte. Ich gehe derzeit aber nicht davon aus, dass dem so sein wird.

Können Sie denn eher Wähler in der Mitte abgreifen als Altwegg?
Ich denke, meine Voraussetzungen sind gut. Meine Wahlergebnisse, vor allem bei den letzten Gemeinderatswahlen, haben gezeigt, dass ich auch in der Mitte Stimmen holen kann.

Wie ist Ihre politische Positionierung? Stehen Sie am rechten Rand der SP, so wie Finanz­vorsteherin Yvonne Beutler?
Nein, das würde ich nicht sagen. Ich bin ganz klar eine linke Politikerin, man kann mich nicht an den rechten Rand der SP setzen. Ich bin für einen starken Sozialstaat, für einen starken Umweltschutz, und ich bin dafür, dass man dem städtischen Personal den Lohn gibt, der ihm zusteht. Aber ich glaube, dass ich auch in der Mitte überzeugen kann, weil ich ein sehr kommunikativer Mensch und sehr offen bin.

Sie wollen die Mittewähler also mit Ihrem Stil ansprechen. Haben Sie keine Meinung, die Sie für Grünliberale attraktiv macht?
In der Umwelt- und Energie­politik decken sich meine ­Ziele durchaus mit denen der GLP.

Sie sind aber keine Spar­politikerin.
Nein, das bin ich nicht.

Sie stehen eher für Mehr­ausgaben und höhere Steuern.
Das kann man so allgemein nicht sagen. Ich bin aber sicher nicht dafür, dass man überall spart und die Steuern senkt.

Stehen Sie hinter den Spar­programmen Effort 14+ und ­Balance?
Es gibt Sachen, die ich sinnvoll finde. Aber es hat sich auch gezeigt, dass es Dinge gibt, bei denen man weit über das Ziel ­hin­aus­geschossen ist, zum Beispiel bei der Quartierentwicklung. Auch dass man beim städtischen Personal auf Lohnerhöhungen verzichtet hat, finde ich falsch.

Das verwundert nicht, Sie sind ja selbst Beamtin, angestellt beim Kanton. Hier können wir zum Persönlichen überleiten: Wo arbeiten Sie, was verdienen Sie, wie leben Sie?
Ich bin gelernte Primarlehrerin. Seit sechs Jahren arbeite ich an der Klinikschule des Kantons­spitals, seit anderthalb Jahren ­leite ich die Schule. Ich arbeite 80 Prozent und verdiene so viel, wie eine Oberstufenlehrerin verdient.

Wie viele Leute führen Siean dieser Schule?
Wir sind ein kleines Team von vier Leuten. Wir unterrichten Patien­tinnen und Patienten, die längere Zeit im Spital sind.

Also Kinder und Jugendliche?
Ja, vom Kindergarten- bis zum Maturalter. Die Schülerinnen und Schüler sollen wieder den Anschluss finden, wenn sie nach dem Austritt aus dem Spital in ihre Schule zurückgehen.

Da müssen Sie recht viel Stoff beherrschen, wenn vier Leute den ganzen Unterricht stemmen.
Das ist so. Für das Gymnasium sind wir zu zweit zuständig. Ein Kollege deckt die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer ab, ich die Geisteswissenschaften und die Sprachen.

Haben Sie selbst Kinder?
Ja, ich habe zwei Kinder im Teenageralter. Von meinem Mann ­lebe ich getrennt. Wir kümmern uns beide um die Kinder.

Haben Sie Exekutiverfahrung? Dem Beobachter sind Sie nurals ehemalige Gemeinderats­präsidentin präsent.
Das Parlamentspräsidium ist natürlich keine Exekutiverfahrung. Ich habe aber von verschiedenster Seite positive Rückmeldungen zu meiner Sitzungsführung erhalten. Eine gewisse Führungserfahrung habe ich, weil ich die Leitung der Klinikschule inne­habe. Ich leiste auch Vorstandsarbeit in Vereinen.

Wieso wollen Sie Stadträtin werden?
Ich habe im Gemeinderat gemerkt, dass mir diese Arbeit sehr liegt und dass ich die Politik gerne zum Beruf machen würde. Und ich finde, dass die SP als wählerstärkste Partei den Anspruch stellen darf, eine starke Vertretung im Stadtrat zu haben.

Mit drei Stadträten wäre die SP aber klar übervertreten. Sie nehmen es offenbar nicht so genau mit der Wählervertretung.
Ich glaube, eine genaue Parteienvertretung nach Wählerstimmen ist nicht immer möglich. Es sind ja auch zwei FDP-Vertreter im Stadtrat, was nicht dem Wähleranteil dieser Partei entspricht.

Eine gute Vertretung der ­Par­teien wäre möglich, wenn Sie nicht antreten würden.
Im Moment geht es darum, den dritten Stadtratssitz des linken Lagers zu halten. Die Grünen sind unser Partner, doch aktuell ist die Partei wegen der Wärmeringaffäre geschwächt. Das hat nichts mit Herrn Altwegg zu tun, den ich sehr schätze.

Wenn auch Michael Zeugin ­antritt, werden sich die Mitte-links-Stimmen auf vier Kandidaten verteilen. Spielt man da nicht der SVP in die Hände?
Nein, denn man darf davon ausgehen, dass sich das Kandidatenfeld vor dem zweiten Wahlgang verkleinern wird.

Sie gegen Daniel Oswald im zweiten Wahlgang?
Das wird man sehen.

Wer wäre der schlechtere ­Stadtrat: Michael Zeugin oder Daniel Oswald?
Ich hätte mehr Mühe, wenn Herr Oswald gewählt würde. Herr Zeugin ist zwar sehr bürgerlich, was die Finanzpolitik angeht, aber im Gegensatz zu Oswald vertritt er immerhin ökologische Positionen.

(Der Landbote)

Erstellt: 02.11.2016, 19:41 Uhr

Kandidatenfeld

Mit ihrer Kandidatur schwächt SP-Politikerin Christa Meier die Chancen des grünen Kandidaten Jürg Altwegg. Dieser gibt sich auf Nachfrage gelassen: «Konkurrenz belebt das Geschäft.» Nach dem ersten Wahlgang werde man sehen, wer mehr Stimmen für das linke Lager holen könne. Hoffnungsvoll stimmen Altwegg die Resultate der letzten Gemeinderatswahlen, aus denen er als Panaschier­könig hervorging. Insgesamt wurde er 2014 über 2000-mal von Wählern anderer Parteien auf die Liste gesetzt, 1300-mal von SP-Wählern. ­Seine Chance sei intakt: «Für die Galerie kandidiere ich nicht.»
Neben Christa Meier und Jürg Altwegg tritt mit EVP-Kandidatin Barbara Huizinga eine dritte Person aus dem Mitte-links-Lager an; die Kandidatur von Michael Zeugin (GLP) wird allgemein erwartet. Auf der rechten Seite hat SVP-Politiker Daniel Oswald ­seine Kandidatur erklärt.gu

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