Winterthur

Millionen für den Brüttener Tunnel

Das grosse Bahnprojekt zwischen Winterthur und Zürich wird konkreter. Die SBB haben die Vorplanung des Tunnels nun öffentlich ausgeschrieben.

2030 schneller in Zürich? S-Bahn im Hauptbahnhof Winterthur.

2030 schneller in Zürich? S-Bahn im Hauptbahnhof Winterthur. Bild: Enzo Lopardo

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Die SBB suchen zahlreiche Architekten, Ingenieure und Konstrukteure. Sie sollen bis 2020 eine Blaupause für eines der grössten Bahnprojekte des Kantons entwerfen: den Brüttener Tunnel.Die SBB haben die Planerleistungen vor wenigen Tagen öffentlich ausgeschrieben. Die Ausschreibung ist in mehrere Teilprojekte unterteilt. Neben dem eigentlichen Tunnelbau sind offenbar auch auf der Strecke zwischen dem Winterthurer Hauptbahnhof und Tössmühle kleinere Bauprojekte geplant, die wegen des Tunnels nötig werden.

Realisierung bereits 2030?

Der Brüttener Tunnel ist ein Politikum, und das seit Jahrzehnten. Immer wieder schien die Idee einer neuen Verbindung zwischen Dietlikon und Winterthur kurz vor dem Durchbruch zu stehen und wurde dann wieder aus den Richtplänen gestrichen. Die SBB-Ausschreibung ist nun ein grosser Schritt hin zur Realisierung, auch wenn man beim Bundesamt für Verkehr, welches den Auftrag zur Planung erteilte, betont: Es handle sich um reine Vorbereitungsleistungen. Einen definitiven Beschluss werden National- und Ständerat voraussichtlich im Jahr 2019 treffen. Die Räte entscheiden, ob der Brüttener Tunnel in den sogenannten Ausbauschritt 2030 Eingang findet.

Wohlwollen im Parlament

Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt stehen die Zeichen dafür gut. Dafür spricht nicht nur, dass für die Planerleistungen wohl ein zweistelliger Millionenbetrag ausgegeben wird, sondern auch eine kürzliche Debatte im Parlament. In der Herbstsession wurde explizit und wohlwollend über den Brüttener Tunnel diskutiert. Dass es mit dem Tunnelprojekt nun vorwärtsgeht, wurde durch die 2014 angenommene Fabi-Vorlage möglich (Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur). Die Projektierungskosten für den Brüttener Tunnel werden aus dem Fabi-Fonds bezahlt. Der Grossraum Zürich stand bei Fabi stets im Zentrum. Hier und in Lausanne ist die Überlastung des ÖV schweizweit am grössten.

Bauten auch auf Stadtgebiet

Der Brüttenertunnel verspricht eine Verkürzung der Fahrtzeit von Winterthur nach Zürich um sechs Minuten. Einstich auf der Winterthurer Seite wäre ausserhalb von Töss, in den Brüttenerberg hinein. Hinaus käme man auf Höhe Bassersdorf/Dietlikon. Mit der Ausschreibung der SBB werden nun neue Details zur Plaung des Tunnels bekannt. Unter anderem wird erstmals die konkrete Länge des Tunnels genannt. Laut der Ausschreibung sollen «zwei acht Kilometer lange Einspurröhren mit Anschlüssen in Winterthur und Dietlikon» entworfen werden. Zudem wird klar: Der Tunnelbau betrifft das Bahnnetz bis weit ins Winterthurer Stadtgebiet hinein. So braucht es Anpassungen und Ergänzungen der Bahnanlagen auf der gesamten Strecke zwischen Tössmühle und dem Hauptbahnhof. Neben Bauprojekten beim Bahnhof Töss ist auch von «Unter- und Überwerfungsbauwerken» die Rede, also von kleineren Brücken und Tunnels. Andernorts sind die Eingriffe aber dramatischer: Die Bahnhöfe Dietlikon, Bassersdorf und Wallisellen müssen umgebaut werden, um die Anbindung an den Tunnel zu gewährleisten.

Erstmals konkrete Objektstudie

Möglich wurde die Ausschreibung, nachdem die SBB bereits Anfang Jahr Probebohrungen durchgeführt hatten. Nun liegt offenbar erstmals eine konkrete Objektstudie vor. Der Zeitplan sieht folgendermassen aus: Architektur-, Ingenieurs- und Konstruktionsbüros führen ihre Testplanungen in Absprache mit den Behörden von 2017 bis 2020 aus. Frühestens 2019 beraten National- und Ständerat über den tatsächlichen Ausführungskredit des Brüttenertunnels. Eventuell wird auch das Stimmvolk noch seine Zustimmung geben müssen. Dann könnte es für den Brüttenertunnel schnell gehen – zumindest im Rahmen von eisenbahnbaulichen Zeitverhältnissen. Bereits 2030 könnten die beiden Einspurröhren realisiert sein.

Nadelöhr Effretikon

Der Brüttenertunnel ist ein Kind der 1980er-Jahre, damals lag das Projekt schon einmal fast ausführungsreif auf dem Tisch. Immer wieder musste der Tunnel allerdings hinter anderen Grossprojekten, wie dem Zimmerberg-Basistunnel, zurückstehen und die Realisierung wurde verschoben. Dass er nun Tatsache werden könnte, ist vor allem der immer grösseren Belastung des Zürcher Bahnnetzes geschuldet. Denn der Tunnel soll nicht nur eine neue Streckenführung öffnen, sondern gleichzeitig auch das Nadelöhr Effretikon entlasten. Der ZVV gab bekannt, dass er 2030 eine doppelt so hohe Zugkapazität anbieten will wie 2007. Das Schreckenszenario des ZVV: Kommt der Brüttenertunnel nicht, fehlen 2030 zwischen Winterthur und Zürich tausende Pendlersitzplätze. (landbote.ch)

Erstellt: 26.12.2016, 15:28 Uhr

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