Winterthur

Miserables Kinojahr lässt die Branche wehklagen

War es die Hitze, die Fussball-WM oder ein Mangel an Hollywood-Blockbustern? Die Erklärungen für das bisher ­miserable Kinojahr variieren, das Minus von fast 20 Prozent hat die Branche aufgeschreckt.

Nicht gut ausgelastet: Auch das Winterthurer Kino Kiwi spürt die Baisse der Branche.

Nicht gut ausgelastet: Auch das Winterthurer Kino Kiwi spürt die Baisse der Branche. Bild: Urs Baptista

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Bis und mit Juni reicht die aktuelle Statistik des Schweizer Kinoverbandes, aber die letzten Wochen werden an der Situation wenig geändert haben: Das Jahr 2018 läuft für die Kinobetreiber schlecht. 18 Prozent betrug der Rückgang bei den Eintritten in den ersten sechs Monaten.

«Die Leute sind an den See gegangen oder in die Berge gefahren.» 

Cedric Bourquard, Geschäftsführer des Verbandes, sieht vor allem im Wetter den Grund für die eingebrochenen Zahlen. Die letzten Jahre seien immer etwa im selben Rahmen gewesen, mit einem Plus oder Minus von 2 bis 3 Prozent. Und das trotz der neuen Konkurrenz durch Streamingplattformen wie Netflix oder die immer dichtere Festivalagenda. Jetzt aber war es «schön, schön, schön», sagt Bourquard. «Die Leute sind an den See gegangen oder in die Berge gefahren.»

Auch die Fussball-Weltermeisterschaft hat die Kinoeintritte geschmälert. Aber Bourquard und andere Vertreter der Branche sehen die Verantwortung auch bei den Studios. «Es haben ein paar grosse Filme gefehlt, die viel Publikum anlocken.»

Die meisten Betriebe hätte genügend Reserven, um eine Flaute durchzustehen, sagt Bourquard. Hält das schöne Wetter aber an und floppen die angekündigten Grossproduktionen, könnte es für mittelgrosse Betriebe kritisch werden. «Es fehlt ein neuer Bond, der kommt erst 2019», sagt Bourquard.

«Es haben ein paar grosse Filme gefehlt, die viel Publikum anlocken.»

Der britische Geheimagent ist nach wie vor ein Massenmagnet. So sehr, dass sogar die Bond-Parodie «Johnny English» mit Rowan Atkinson sehr gut läuft. Auf dem dritten Teil der Reihe, der im Herbst in die Kinos kommt, ruhen viele Hoffnung. Aber auch der neue Schweizer Film «Wolkenbruch» von Michael Steiner könnte laut Bourquard die Trendwende bringen.

USA auf Rekordkurs

Augenfällig ist, dass die Entwicklung der Branche nach Märkten stark variiert. Während die Schweizer Kinobetreiber über fehlende Blockbuster klagt, erleben insbesondere die USA ein Rekordjahr.

Superheldenfilme wie «Black Panther» und «Avengers: Infinity War» oder der Dinosaurfilm «Jurassic World: Fallen Kingdom» spielten jeweils über eine Milliarde Dollar ein, mit einem erheblichen Anteil des Inlandmarktes.

Eine mögliche Erklärung für die Differenz jenseits des Genre-Geschmacks liefert Christian Mathys von den Kiwi-Kinos in Winterthur. Er sieht im schlechten Kinojahr eine kulturelle Komponente. «Die Indoorbranche in der Schweiz hat ein Imageproblem, nicht nur die Kinos», sagt er im Interview mit dem «Landboten».

Die Kiwi-Kinos ergreifen darum die Flucht nach vorn und werden mehr und mehr zum Eventveranstalter. Das Angebot reicht von der Firmenveranstaltung bis zur Hochzeit im Kinosaal.

(mcl)

Erstellt: 17.08.2018, 17:08 Uhr

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