Klima

Mit dem Mittagessen ein Kilo CO2 sparen

Durch unser Essen verursachen wir rund ein Drittel der jährlichen Treibhausgasemissionen. Wie man möglichst C02-freundlich kocht, zeigte am Mittwoch eine Gruppe von Freiwilligen.

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Die Einzige, die den Überblick um elf Uhr noch hat, ist Köchin Miriam Monari. Es fehlt an Schnittbrettern und Wallhölzern. Denn die Küche ist rappelvoll und viel zu klein für die 33 Freiwilligen. Dann ist es kurz vor zwölf und die ersten Gäste treffen ein. Die Klimaschutzorganisation Myblueplanet hat die Bevölkerung Winterthurs zu einem Gratis-Klimamenü ins Pfarreiheim St. Peter und Paul eingeladen. Erwartet wurden rund 100 Besucher. Schlussendlich kamen deutlich mehr. Sorgfältig werden die Tische gedeckt. «Die Gabel liegt links, das Messer rechts, der Löffel oben», erklärt Monari. Kurzes Raunen unter dem Servicepersonal. Die Hälfte der Freiwilligen sind Flüchtlinge, und nicht alle sind mit den Knigge-Regeln der Schweiz vertraut.

Die andere Hälfte sind Angestellte der Firma Swiss Re, die ihrem Personal einen Tag freigibt, wenn sie sich zu freiwilligen Arbeiten melden. Stefan Leuenberger ist einer von ihnen, er hätte auch Bergbauern beim Heuen helfen können, hat sich aber für Winterthur entschieden. «Ich finde es spannend, wie man möglichst klimaschonend Essen zubereiten kann.» Dass er zusammen mit Flüchtlingen kochen würde, wusste er nicht. Umso begeisterter ist er. «Man kommt ja sonst nicht in Kontakt mit diesen Menschen.» Ihre Geschichten seien spannend und beeindruckend. Auch Hassan gefällt es. «Ich liebe es, zu kochen», sagt er. Meist Spezialitäten aus seiner Heimat, Afghanistan oder aus dem Iran, wo er ein paar Jahre gelebt hatte. Dass Fleisch essen nicht gut für die Umwelt sei, weiss er. «Ich esse nur einmal pro Woche Fleisch», das sei schon immer so gewesen.

Tempeh aus der Schweiz

Unsere Ernährung verursacht weltweit rund ein Drittel der Treibhausgasemissionen. «Das ist vor allem auf die Fleischproduktion und lange Transportwege zurückzuführen», sagt Daniel Lüscher, Präsident von Myblueplanet. Eine durchschnittliche Mahlzeit erzeugt durch Herstellung und Transport 1600 Gramm CO2. Das Klimamenü, das gestern aufgetischt wurde, nur 600 Gramm. Heisst, pro Besucher wurde ein Kilo CO2 gespart.

«Man sollte sich nicht auf die Grossverteiler verlassen.»Miriam Monari,
Köchin

Auch die 120 Gedecke reichten schlussendlich nicht aus. An jeder freien Tischkante sassen die Besucher. Zuerst wurde ihnen ein bunter Feldsalat, Karotten-ApfelSalat und Focaccia mit Rosmarin serviert. Zur Hauptspeise konnte man wählen zwischen Süsskartoffeln gebacken mit Tempeh-Zuccetti-Ragout in Kürbiskernsauce oder Gerstenrisotto mit Pilzen und Schnittlauch. Und zum Schluss gab es einen süssen Tchai-Mais-Pudding mit Apfel- und Zwetschgenkompott und karamellisertem Wallnuss-Granola.

Wer nun bei den eher ungewöhnlichen Zutaten gestutzt hat, liegt falsch. Denn auch Tempeh, Süsskartoffeln oder Mandelmilch werden mittlerweile in der Schweiz hergestellt, erklärt Köchin Miriam Monari, die die Rezepte für den Anlass zusammengestellt hat.

Eine einfache Faustregel

Doch wie kocht man selbermöglichst klimafreundlich? Die Faustregel ist simpel: Am meisten hilft es, Fleisch und Milchprodukte wegzulassen, danach saisonal einzukaufen und drittens mit regionalen Produkten zu kochen. Wichtig sei dabei, sich beim Einkauf nicht auf die Grossverteiler zu verlassen. Denn die böten viel Gemüse das ganze Jahr hindurch an. «Am besten geht man auf den Markt und fragt dort nach», sagt Monari, die eine eigene Event-Organisation führt und sich auch als Ernährungsberaterin weitergebildet hat. Viele Rezepte könne man zudem ganz einfach der Saison anpassen. Die Karotten können mit Randen ersetzt werden, die Süsskartoffeln mit Kürbis. Morani, die schon beim letzten Klimamenü-Anlass gekocht hat, freut sich bereits auf das nächste Jahr. Als Dessert soll es dann Meringue geben, natürlich ganz ohne Eiweiss. Stattdessen verwendet man dafür sogenanntes Aquafaba, das Kochwasser von Kichererbsen. «Mit viel Zucker aufge­schlagen, bekommt man so einen schön fluffigen Schnee», erklärt Morani. (Landbote)

Erstellt: 06.09.2018, 09:23 Uhr

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