Bahnhof

Mit den Plättli geht ein Stück Geschichte

Rund 100 Jahre alt sind die Fliesen in der Unterführung, die am Sonntag dauerhaft ­geschlossen wird. Ob die neue Ladenpassage auch so ein Alter erreichen wird?

Hier schien die Zeit stehen geblieben zu sein: Die alte Unterführung mit den Fliesen ist zu eng geworden. Nun schliesst sie für den grossen – und langwierigen – Umbau.

Hier schien die Zeit stehen geblieben zu sein: Die alte Unterführung mit den Fliesen ist zu eng geworden. Nun schliesst sie für den grossen – und langwierigen – Umbau. Bild: Enzo Lopardo

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Manch einer war sich wohl gar nicht bewusst, wie historisch die alte Personenunterführung beim Raiffeisen-Gebäude am Hauptbahnhof eigentlich ist. Die gelben und grünen Fliesen sowie der ­Naturstein sind über 120 Jahre alt, das nimmt jedenfalls Werner Huber von der Architektur­zeitschrift «Hochparterre» an.

Die Fliesen seien pflegeleicht und würden das Licht reflektieren, hätten so wohl die Unterführung bereits vor der Installation von Lampen heller gemacht. SBB-Sprecher Reto Schärli gibt dagegen an, die Fliesen stammten wohl nicht aus der ursprüng­lichen Unterführung und seien «nur» um die 90 Jahre alt.

Lange Zeit fast unverändert

Gebaut wurden beide Unter­führungen am HB im Jahr 1895, als auch das Bahnhofgebäude vergrössert und in der heutigen Form fertiggestellt wurde.

Während die Hauptunterführung im Süden später immer wieder umgebaut wurde (ohne Gesamt­konzept und ästhetisch nicht zu ihrem Vorteil, befindet Huber), blieb die kleinere, nur 4,5 Meter breite Unterführung im Norden weitgehend erhalten; allerdings erschloss sie ursprünglich nur die Perrons, einen Aufgang zur ­Rudolfstrasse gab es noch nicht.

Passerellen über den Hauptbahnhof gab es schon früher – wie hier die historische Passerelle auf der Höhe der Paulstrasse von 1871.

Am Sonntag wird die, so gesehen, historische Unterführung vor Betriebsbeginn geschlossen und während der Umbauzeit – stolze dreieinhalb Jahre – durch die zuletzt erstellte, überdachte Passerelle ersetzt. Wer diese benutzt, sollte all seine Anschlusszüge wie bisher erreichen können, heisst es bei den SBB.

«Wenn die moderne Ladenpassage öffnet, wird man merken, wie stark die Hauptunterführung dagegen abfällt.»

­Allerdings dürfte sich die Gehzeit zumeist etwas verlängern, da die Passerelle sich weiter von der Perronmitte entfernt befindet als die Unterführung. Auf Facebook kritisierten gestern einige Bahnfahrer, dass in der Unterführung die Anzeige mit den nächsten ­Zugabfahrten bereits vor der ­Stilllegung abgestellt wurde.

Nach dem Umbau soll die Fahrgäste eine moderne Passage erwarten, wie man sie vom Zürcher HB oder aus Oerlikon kennt: 17,5 ­Meter breit, mit acht Geschäften (Mieter noch nicht bekannt), einer separaten Velounterführung, einem Warteraum und neuen Schliessfächern, die die bisherigen ersetzen. Dank Liften (keine Rampen) wird die neue Unterführung auch mit Kinderwagen und Rollstuhl zugänglich sein.

Wie wird die alte Unterführung in Erinnerung bleiben? Endlich verschwinde die «ungeliebte» Passage, titelte die Web­site Züri­ost gestern: «Für Pendler ist sie schon lange ein Graus.»

Dagegen meint Architekt Huber: «Die Unterführung ist alt und eng, aber als Raum angenehmer als die Hauptunterführung. Wenn einst die moderne Ladenpassage öffnet, wird man merken, wie stark die Hauptunterführung abfällt.»

(Der Landbote)

Erstellt: 07.06.2018, 11:08 Uhr

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