Mit der Kamera allein ist es noch nicht getan

Mein Verein Fast alle machen heute mit ihren Handys gelegentlich ein Filmchen. Im Videoclub Winterthur können Amateurfilmende lernen, wie man es richtig macht und zu besseren Resultaten kommt.

Die Clubmitglieder verbindet  die Freude am Filmen und ein grosses Austauschbedürfnis.

Die Clubmitglieder verbindet die Freude am Filmen und ein grosses Austauschbedürfnis. Bild: Madeleine Schoder

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Zu ihrem monatlichen Treffen in der MZA Teuchelweiher haben die Mitglieder des Videoclubs Winterthur kleine, mittlere oder grosse Kameras mitgebracht. ­Einige haben hochprofessionell wirkende Geräte dabei, andere nur ihr Handy: Das genügt heutzutage schon, um einen qualitativ guten Film zu machen – wenn man denn etwas vom Filmen versteht.Als der Videoclub Winterthur 1958 gegründet wurde (damals hiess er noch Filmamateur-Club Winterthur), filmte man noch ausschliesslich analog, das Filmen war noch stark handwerklich geprägt: «Die meisten filmten mit Super 8, wer es sich leisten konnte mit 16 Millimeter», erinnert sich Präsident Rolf Diehl. «Die Filme wurden noch von Hand geschnitten und zusammengeklebt.» Ein paar technische (bzw. digitale) Revolutionen später ist alles anders, dennoch ist das Vereinsprogramm recht ähnlich geblieben. «Wir schauen uns gemeinsam die Filme an, die unsere Mitglieder gemacht haben, und diskutieren diese», sagt Diehl. «Dabei geht es natürlich um den Lerneffekt, die qualitative Verbesserung.»

Bessere Ferien-, Hunde- oder Familienfilme

Die meisten Mitglieder sind dem Club denn auch beigetreten, weil sie bessere Filme machen wollten. Sei es von den Ferien, von der Familie ­– oder von ihrem Hund. Aktuarin Sibylle Schär etwa begann zu filmen, nachdem sie sich einen Vierbeiner angeschafft hatte. «Vor drei Jahren bin ich zum Club gestossen, weil ich mehr wissen, verstehen, können wollte», sagt sie. Seither stellt sie ihre Filme zur Diskussion, besucht Vortragsabende über Filmtechnik, Dramaturgie, Ton oder zu technischen Themen. Gelegentlich sind Profis zu Gast, die ihre Filme zeigen, Tricks verraten und Fragen beantworten.

Dem Erfahrungs- und Ideenaustausch dienen auch regel­mässige Treffen mit anderen Amateurfilmclubs. Ein Themenfilmtag, an dem alle zu einem ­vorgegebenen Thema einen Film drehen, oder ein alljährlicher clubinterner Filmwettbewerb runden das filmbezogene Angebot ab. Mit einer sommerlichen Grillparty oder einem Jahresabschlussabend gibt es aber auch gesellige Anlässe.

Was für Filme werden denn von den Amateuren gedreht? «Viele machen Dokumentarfilme, etwa über Künstlerinnen, oder verschwindendes altes Handwerk», erzählt Karl Döbeli, ebenfalls ein langjähriges Clubmitglied. «Ausserdem gibt es natürlich auch Reise-, Natur- und Familienfilme. Und einige widmen sich sogar den sehr zeit- und arbeitsintensiven Animationsfilmen.» Was unweigerlich zur Frage nach dem Zeitaufwand führt – die indes niemand so konkret beantworten kann: Allein für die Nachbearbeitung sitze man manchmal schon bis spät in die Nacht hinein am Computer, deutet Sibylle Schär an.

Zeitintensives Hobby vor allem für Pensionierte

Dieser grosse Zeitaufwand liefert zugleich auch eine Erklärung für die Altersstruktur des Clubs: «Filmen ist ein intensives Hobby, das man in den beruflich oder familiär stark befrachteten Jahren des mittleren Alters kaum ausüben kann», erklärt Rolf Diehl, «Viele – wie ich auch – machen dann jahrzehntelang Pause und kehren erst wieder zurück, wenn die berufliche Belastung nachlässt oder die Pensionierung ansteht.» Das sei übrigens auch der Grund, weshalb Junge im Club fehlen. «Diese machen zwar gerne Handyfilmchen und stellen sie ins Netz, aber sie ziehen ein solches Projekt punktuell an einem freien Tag durch und damit hat sichs.»

Heute zählt der Club rund fünfzig Mitglieder, etwa die Hälfte davon ist filmisch aktiv und jeweils auch an den Clubabenden anwesend, wie sich bei unserem Besuch zeigt. Bevor das offizielle Programm losgeht, führen die rund zwanzig Männer und vier Frauen angeregte Fachgespräche. «Das Bedürfnis nach einem Austausch mit Kollegen ist gross», sagt Diehl. «Das hängt auch damit zusammen, dass wir Einzelkämpfer sind. Von der Regie über Kamera, Skript, Schnitt, Ton machen wir ja alles selber.» Ihr habe die Mitgliedschaft viel gebracht, bestätigt denn auch Sibylle Schär: «Einerseits an Wissen, andrerseits durch bilaterale Hilfestellung. Einer der Kollegen unterstützt mich jetzt sogar bei meinem aktuellen Projekt.» (Landbote)

Erstellt: 15.05.2017, 17:01 Uhr

Der Verein in Kürze


  • Videoclub Winterthur Gegründet: 1958

  • Mitglieder: 50

  • Ziel: aktives Filmen, Vermittlung von filmtechnischem Fachwissen und Erfahrungsaustausch zur Verbesserung des Könnens, Geselligkeit.

  • Programm: monatliche Clubabende, Weiterbildung, Filmwettbewerb, Themenfilmtag etc.

  • Jahresbeitrag: 100 Franken

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