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Mit Postagenturen leben gelernt

Die Post hat im Herbst weitere Poststellenschliessungen angekündigt. Flaach und Henggart haben die Schliessung hinter sich – und scheinen die Alternativlösung akzeptiert zu haben.

Die Postagentur im Volg-Laden in Henggart: Seit gut eineinhalb Jahren gibt es im Weinländer Dorf keine klassische Poststelle mehr.
Die Postagentur im Volg-Laden in Henggart: Seit gut eineinhalb Jahren gibt es im Weinländer Dorf keine klassische Poststelle mehr.
David Baer

Flaach hat sie seit Februar 2015, Henggart seit August 2015 – die Postagentur im Volg-Laden. In beiden Weinländer Gemeinden war zuvor die klassische Poststelle mit bedientem Schalter verschwunden.Die Post verkauft die Agenturlösung als gelungene Alternative, wobei sie insbesondere die längeren Öffnungszeiten dank der Partnerschaft mit Volg als Plus hervorhebt.

«Keineswegs ein Ersatz»

Ganz anders sehen das die Kantonsrätin Céline Widmer (SP, Zürich) und der Weinländer Kantonsrat und Waltalinger Gemeindepräsident Martin Zuber (SVP). «Die Agenturlösung ist keineswegs ein entsprechender Ersatz für eine klassische Poststelle», schreiben die beiden in ihrer Dringlichen Anfrage, die der Regierungsrat kurz vor Weihnachten beantwortete. Auslöser für die Anfrage war die Ankündigung der Post vom 26. Oktober, weitere 500 bis 600 Poststellen schliessen zu wollen. Keine Nachnahmengeschäfte und Barauszahlungen über 500 Franken, keine Aushändigung von Gerichtsurkunden und Betreibungsurkunden, keine Kontoeröffnungen oder Massensendungen von Geschäftskunden: All dies sei in einer Postagentur nicht möglich, schreiben Widmer und Zuber.

Gemeinden und Quartiere ohne Poststelle würden benachteiligt, «was eine hohe regionalpolitische Relevanz hat». Der Widerstand gegen Schliessungen werde in der Bevölkerung und den Gemeinden grösser. Und von «Spannungen» ist sogar die Rede.

Sich «arrangiert» in Flaach

Doch wie sieht eigentlich die Situation in Flaach und Henggart aus, wo die Menschen schon seit gut zwei respektive eineinhalb Jahren mit der Agenturlösung leben? «Bislang habe ich weder negative noch positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten», sagt Flaachs Gemeindepräsident Walter Staub.

«Bislang habe ich weder negative noch positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten»

Walter Staub, Gemeindepräsident Flaach

Die Flaachemer hätten sich mit der neuen Situation arrangiert. Aber: «Sie hatten ja keine andere Wahl.» Staub findet es immer noch sehr bedauerlich, dass sich der Service Public aus den kleineren Gemeinden «je länger je mehr verabschiedet».

Sich «angepasst» in Henggart

«Zwar werden einige Dienstleistungen einer ordentlichen Poststelle nicht mehr angeboten», sagt Henggarts Gemeindepräsident Hans Bichsel. «Aber die längeren Öffnungszeiten und auch die hilfreiche Bedienung durch das Ladenpersonal werden geschätzt.» Die Aufgabe von Briefen und Paketen sei einfach zu bedienen. Für spezielle Postgeschäfte werde die Post in Andelfingen oder Winterthur aufgesucht. Auch wenn die Postagentur nicht mehr dem vorherigen Service der Poststelle entspreche, «scheint sich die Bevölkerung an die Postagentur angepasst zu haben», sagt Bichsel weiter.

Post hat «keine Listen»

Wie viele und welche Poststellen in den Bezirken Winterthur und Andelfingen noch geschlossen werden sollen, das wisse die Post heute noch nicht, sagt Postsprecher Markus Werner auf Anfrage. Die Post werde alle Veränderungen «im Einzelfall kommunizieren». Sie könne also «keine Listen mit Poststellen, die ersetzt werden sollen, veröffentlichen». Voraussichtlich Ende des ersten oder Anfang des zweiten Quartals 2017 werde die Post jene Poststellen benennen, «die bis 2020 mit Sicherheit nicht ersetzt werden».

«Verarmung des Alltags»

Ob die Schliessung von Bank-, Bahn- oder Postschaltern: Von solchen Vorgängen sind ältere Menschen in der Regel besonders betroffen. Dies, weil ihnen der Umgang mit Automaten oder digitalen Geräten oft Mühe bereitet. Pro Senectute bietet daher diverse Kurse an, damit Senioren zum Beispiel lernen, ihr Bahnbillett online zu kaufen und auszudrucken. Und wenn dies nicht mehr geht, bietet die Beratungsstelle Unterstützung mit dem Administrativ- und Treuhanddienst an. Dass Pro Senectute Hilfe anbiete, könne auch zu Kritik führen, sagt Judith Bucher, Medienverantwortliche der Organisation. Sinngemäss etwa so: Damit werde doch der Abbau sogar unterstützt. Doch Bucher betont, dass Pro Senectute solche Schliessungen nicht verhindern könne. Es gehe vielmehr darum, ältere Menschen fit zu machen für die neuen Techniken. Es gebe aber auch stets solche, die sich den Neuerungen bewusst verschliessen.

Bucher erwähnt einen weiteren, sozialen Aspekt der Schliessungen von Post-, Bahn- oder Bankschaltern. Weil ältere Menschen einen Besuch dort oft für einen Schwatz nutzten, führe eine solche Schliessung oft auch zu einer «Verarmung des Alltags».

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