Winterthur

Mit Rhabarber-Bowle und Fussbädern durch die Hitzetage

Die fünf städtischen Altersheime haben allesamt keine Klimaanlage. Mit einfachen Massnahmen sollen die älteren Bewohner trotz der Hitze frisch bleiben.

Erfrischung gegen die Hitze: Küchenchef David à Porta serviert Glace und Rhabarber-Bowle im Innenhof des Alterszentrums Neumarkt. Foto: mad

Erfrischung gegen die Hitze: Küchenchef David à Porta serviert Glace und Rhabarber-Bowle im Innenhof des Alterszentrums Neumarkt. Foto: mad

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Auch bei Temperaturen über dreissig Grad sitzen Silvia Kost, Hedi Greuter und Erna Waltensperger gerne zusammen im schattigen Innenhof des Alterszentrums Neumarkt. Küchenchef David à Porta serviert bei dieser Gelegenheit Glace und Rhabarber-Bowle mit Eiswürfeln. «Wir werden verwöhnt hier», sagt Kost und strahlt.

Die drei Bewohnerinnen des Alterszentrums wissen mit der Hitze umzugehen. «Einfach nicht darüber nachdenken» und «nicht zu viel herumspringen», lauten ihre Tipps. «Ich sehe keinen Grund, mich zu beklagen», sagt Waltensperger.

«Einfach nicht darüber nachdenken und nicht zu viel herumspringen.» Silvia Kost, 
Bewohnerin des Alterszentrums Neumarkt über ihre Methoden gegen die heissen Temperaturen

Laut à Porta wird bei dieser Hitze auf schwere Beilagen verzichtet, und ein Kühlschrank mit frischen Getränken ist für alle Bewohner jederzeit frei zugänglich. «Das Wichtigste ist, dass die Senioren genügend trinken.»

Wie auch die weiteren vier städtischen Alterszentren hat das Zentrum Neumarkt keine Klimaanlage. «Wir lüften morgens und verdunkeln konsequent», sagt Standortleiterin Brigitte Portmann. Ansonsten können sich die Senioren mit Fussbädern abkühlen.

Dieses Angebot nehmen sie aber nur alleine auf ihren Zimmern in Anspruch. Viele Bewohner zeigen nur ungern ihre Füsse und genieren sich für das, was vielleicht einmal schöner war.

Die Wassermelonenstehen bereit

Bei der Sanierung des Alterszentrums Adlergarten 2014 wurde dessen Lüftung erneuert und mit einem Kühlsystem ergänzt, welches das gekühlte Wasser eines Wasserspeichers zur Kühlung der Luft nutzt. Das Provisorium, in dem es die letzten Jahre besonders heiss wurde, ist derzeit nicht bewohnt.

Ansonsten setzen die Altersheime auf altbewährte Methoden. «Wir treffen die gleichen Massnahmen wie die meisten Leute bei sich zu Hause», sagt Sandra Müllhaupt, Sprecherin des Bereichs Alter und Pflege. Das heisst: die Zimmer morgens durchlüften und danach die Rollläden herunterlassen. Wenn die Senioren nach draussen gehen, sollen sie sich nicht zu lange in der prallen Sonne aufhalten, und wann immer eine Pflegeperson in der Nähe sei, werde das Wasserglas nachgefüllt.

Neben Wasserflaschen stehen den Bewohnern viel wasserhaltiges Gemüse und Früchte zur Verfügung. «Im Adlergarten liegen schon die Wassermelonen bereit.» Wenn es den Bewohnern trotz Glace und Früchten zu warm wird, sorgen Cold Packs für die nötige Abkühlung.

Im privaten Altersheim St. Urban in Seen verzichtet man bewusst auf kleinere Klimageräte. «Aus Hygienegründen», sagt Geschäftsführer Marc Basler. «In den Geräten können sich Keime bilden.» Die Bewohner können sich im Luftstrom von Ventilatoren abkühlen, das Pflegepersonal achtet darauf, dass genügend getrunken wird, und an den heissesten Tagen werden auch hier Glacen verteilt.

Das Alterszentrum Wiesengrund ist nur im Speisesaal mit einer Klimaanlage ausgestattet. In den weiteren Räumlichkeiten werden Ventilatoren eingesetzt. Den Bewohnern und Mitarbeitern stehen bei Temperaturen über dreissig Grad zudem gratis Joghurts zur Verfügung. «Grundsätzlich sollte von den Bewohnern nicht zu viel verlangt werden», sagt Standortleiterin Maja Rhyner.

Erstellt: 26.06.2019, 11:30 Uhr

Berufsfachschule gibt «hitzefrei light»

Der Begriff Hitzeferien spukt noch in den Köpfen. Überschritt früher schon morgens die Temperatur 21 Grad, hatten die Kinder schulfrei. Schaffte man angesichts der nun angekündigten Temperaturen die Hitzeferien voreilig ab? Nein, meint Philippe Dietiker, stellvertretender Leiter des kantonalen Volksschulamts, das die Vorgaben auch für die Winterthurer Schulen macht.

Bei der Abschaffung sei es weniger um die Temperaturen gegangen als um die Betreuung: «Ein gesundheitsverträglicher Umgang mit Hitze unter der Obhut von Lehrpersonen kann besser gewährleistet werden, als wenn Kinder und Jugendliche berufstätiger Eltern bei kurzfristigen Schuleinstellungen unbeaufsichtigt blieben.» Darum spiele keine Rolle, welche Höchsttemperaturen erwartet werden und wie schlecht ein Schulhaus isoliert ist.

Ausserhalb der Volksschule kann das anders sein, wie das Beispiel der Winterthurer Berufsfachschule zeigt. Hier legte man fest, bei «unzumutbarer» Hitze den Unterricht um 15 Uhr zu beenden, also zwei Lektionen früher als üblich, sagt Rektor Paul Müller. Entschieden darüber wird von der Schulleitung jeweils bis 11 Uhr. Am Dienstag habe man von der Notregelung indessen keinen Gebrauch gemacht, gibt Müller an, und am Donnerstag komme sie sowieso nicht in Frage: Es findet eine interne Weiterbildung statt, die nicht ausfallen kann. Eine Alternative für die Volksschüler könnte das Schwümbi sein – geht das?

Grundsätzlich nein, sagt Katja Lüthy von der Bildungsdirektion. Der Unterricht müsse stattfinden und dürfe nicht ausfallen. Jedoch könne die Lehrerschaft diesen anpassen: Ausflug in den Wald, Turnunterricht im Freibad, Schule in kühleren Räumen. Vorgaben dazu gibt es laut Dietiker nicht: «Wann an heissen Tagen welche Form angebracht ist, liegt im Ermessen der Lehrpersonen.» (gu)

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