Wahlen

Mit Säbel und Schöggeli ins Parlament

Was braucht es, um die Wähler von sich zu ­überzeugen? Gute Argumente – und auch nette Giveaways? Bei den Parteien sieht man das ganz unterschiedlich.

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Wer in den Gemeinderat oder in die Stadtregierung gewählt werden will, stellt sich auf die Strasse und verteilt Flyer. Und vielleicht noch ein Schöggeli dazu? Wir ­haben die Giveaways der Kandidaten und Parteien eingesammelt und einen alten Samichlaussack damit gefüllt. Auffällig viele Gimmicks stellt die FDP zur Ver­fügung: blaue Ballone und Nastücher mit Aufklebern diverser Kandidaten, Stefan-Fritschi-Flaschen­anhänger, Ramona­Heuberger-Brillenputztuch, Schoggistängeli, Mohrenköpfe und so fort (Marken: Minor, Flawil SG und Reinhard, Winterthur).

Man sei eben die «Partei der Vielfalt», kommentiert Parteipräsident Dieter Kläy das «traditionell breite An­gebot» der FDP. Vor allem die Papiernastücher seien in dieser Jahreszeit der Renner, und die Botschaft darauf komme an: «Die Päckli werden gebraucht, nicht weg­geworfen.»

Öko-Biberlimit Handicap

Das interfraktionell beliebteste Gebäck ist das Biberli – gleich drei Parteien treten mit dem Lebkuchen an. Im schnellen Blindtest auf der Redaktion kommen die weichen Klassiker von BDP und FDP (beide von Bischofberger, Weissbad AI) besser an als die härteren Bio-Biberli mit Zitronennote, die von den Grünen verteilt werden (von Leibacher, Wermatswil ZH).

Dafür sind die Öko-Biberli genau richtig getimt: Bis zwei Tage nach dem Wahlsonntag sollten sie laut dem aufgedruckten Datum verspiesen werden, während die Lebkuchen der BDP bereits vor der Wahl fällig werden.

Bei den Zältli kommen die weissen Pfefferminzbonbons von GLP-Stadtratskandidatin Annetta Steiner am besten an (Food Agentur, Speicher AR; Slogan: «Power für Winterthur»). Die sauren Drops der SVP in Rot (Schweizerflagge?), Gelb (Sünneli?) und Hellgrün (von Halter, Dietikon ZH) schlagen immerhin die «Landbote»-Dragées. Im Übrigen wirken beide gleichermassen abführend ...

Den süssen Klassiker, Lisibach ­Zucker im Papiertütchen, gibts gegenüber der Ausgabe 2014 in ­angepasstem Design (statt mit «ä sicheri Sach» diesmal beschriftet mit: «wieder in den Stadtrat»).

«Im Maul oder im ­Abfall»

Bei der SP ist man zurück­haltend: Zwar gibt es Schoggi in Herzform, jedoch aus dem Grossverteiler, ohne eigenen Aufdruck. Dahinter stehe ein bewusster Entscheid, sagt Partei-Co-Präsidentin Mattea Meyer: «Wir setzen auf persönliche Gespräche anstatt auf Geschenke.» Diese würden auch in Erinnerung bleiben, während Giveaways «entweder im Maul oder im Abfall landen».

In der Mitte versucht man es statt mit Süssigkeiten auch mit Würze. So verteilen die Grün­liberalen ein Plastiksäckchen mit grünen Pfefferkörnen (ohne Herkunftsangabe). Der Slogan dazu: «mit Pfeffer in die Zukunft».

Auch die EVP verspricht «die richtige Würze in der Politik», liess aber orangefarbenes «Cajun-Salz» ins Säckchen packen (hauptsächlich Meersalz unter anderem mit Paprika und Cayenne­pfeffer, von Würzmeister, KLoten ZH).

Hosenklammer und Notizblock

Bei der GLP kann man sich auch neongrüne Hosenklammern unter den Nagel reissen; für ­Businessleute, die mit dem Velo zur Arbeit fahren (oder so).

Der Slogan auf dem Gadget: «sichtbar fit mit GLP». Im fraktionsinternen Vergleich stehlen den Velo-Gadgets allerdings die Plastik­säbel der Piratenpartei etwas die Show. Man blase zwei der 70 cm grossen Ballone auf, und das Gefecht kann beginnen.

Die CVP setzt auf Stapi Michael Künzle, dessen Konterfei von einem Notizblöckchen grüsst und dessen Kurzname auf einem schwarzen Pin prangt («I like Mike»).

Aus der Schweiz, teils aus Winterthur

Auffällig ist, dass alle Parteien Schweizer Ware verteilen oder solche, die zumindest in der Schweiz verpackt wurde – Importe könnten wohl das Renommee schädigen. Aus der Stadt Winterthur stammen dagegen, so scheiint es, lediglich die Mohrenköpfe der FDP.

Alles in allem scheinen die Mitteparteien den Giveaways mehr Aufmerksamkeit zu schenken als die Polparteien – haben diese das nicht nötig? Gar nichts hat man ganz aussen, also bei EDU und AL. Gewiss weil die Parteien so klein sind? Gemeinderat David Berger sagt: «Wir brauchen keine Giveaways, da wir keine Stände aufstellen.»Christian Gurtner (Landbote)

Erstellt: 20.02.2018, 18:43 Uhr

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