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«Musik ist eine schöne Sucht»

Walter Grimm ist leidenschaftlicher Musiker und Gründer des Musikhauses Grimm in Winterthur. Er erzählt von den Dreharbeiten zur Sendung «Potzmusig» im SRF und seinen ungewöhnlichen Hobbys.

«Erst als ich nicht mehr zum Unterricht musste, hat es mich gepackt»: Walter Grimm im Musikhaus.

«Erst als ich nicht mehr zum Unterricht musste, hat es mich gepackt»: Walter Grimm im Musikhaus. Bild: Moritz Hager

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Heute ist es so weit: Die Sendung ‹Potzmusig› im Schweizer Fernsehen wird sich um mich drehen. Zusammen mit zwei der bekanntesten Volksmusikern des Landes, Carlo Brunner und Dani Häusler habe ich als Ländlerklarinettist und -saxofonist bereits im November im SRF-Studio aufgenommen. Zwischen den Stücken werde ich interviewt und es gibt diverse Einspieler, zum Beispiel einen aus meinem eigenen Musikgeschäft in Winter­thur mit Bandleader Pepe Lienhard, einem meiner prominentesten Kunden.

Die Dreharbeiten waren sehr intensiv und für den Auftritt vor Ort übte ich einige Zusatzstunden. Denn Liveaufnahmen sind nicht ohne, meistens funktionieren solche Sendungen mit Playback. Während der Aufnahmen stand ich voll unter Strom: Bei einigen Stellen hatte ich das Gefühl, dass wir abbrechen und noch einmal von vorne anfangen müssen, aber niemand machte Anstalten zu unterbrechen. Ich bin sehr gespannt auf die Sendung, denn ich weiss nicht, welche Sequenzen schlussendlich ausgestrahlt werden. Ich hatte in meinem Leben schon einige Radio- und Fern­sehauftritte, aber bis anhin immer als Musiker. Dass meine Person ebenfalls im Zen­trum steht, daran bin ich mich nicht gewöhnt.

Den ersten Radioauftritt hatte ich im Alter von 16 Jahren. Ich galt damals als Jungtalent, obwohl ich erst mit 13 richtig zu spielen begann. Vorher musste ich von meinen Eltern aus in die Klarinettenstunde, das machte mir nicht gross Spass und ich war zu faul, um zu üben. Erst als ich nicht mehr zum Unterricht musste, hat es mich gepackt und ich begann täglich so lange zu üben, bis mir manchmal sogar die Lippen bluteten. Seither begleitet mich die Musik durch mein ganzes Leben. Für mich ist der Klang eines Instrumentes wie Nahrung, Musik ist für mich eine schöne Sucht. Das Klarinetten- und Saxofonspiel liess mich nicht mehr los, und ich trete bis heute regelmässig damit auf – nicht nur mit meiner eigenen Ländler-Kapelle Walter Grimm, meine Palette reicht von verschiedenen Stilen in der Volksmusik über Klassisch bis hin zu Jazz. Ich mag es, mich in die völlig unterschiedlichen Stile hin­einzufühlen.

Es war für mich klar, dass ich beruflich mit Musik zu tun haben will. Mein Vater wollte, dass ich seine Fahrschule übernehme, doch das konnte ich mir nicht vorstellen und ich entschied mich nach einer kaufmännischen Ausbildung zu einer Blasinstrumentenreperateur-Lehre. 1988 grün­dete ich nur einen Monat nach un­serer Hochzeit zusammen mit meiner Frau das Musikhaus Walter Grimm, das heute an der Pflanzschulstrasse steht. Die Arbeit dort verfolge ich genauso leidenschaftlich wie das Musizieren, denn ich kann beim Beraten und beim Reparieren meine Erfahrung als Musiker einfliessen lassen und umgekehrt hilft es mir als Musiker, immer mehr Wissen zu den Instrumenten zu erlangen.

In der Vorschau zur Sendung werde ich als ‹Musiker, Geschäftsführer, Familienvater und Lausbub› betitelt. Bis jetzt ist mir noch nicht ganz klar, wie sie beim SRF auf den Lausbuben kamen. Denn Streiche spiele ich keine. Ich habe es schon gerne lustig und mache viele Scherze und tat das bei den Dreharbeiten auch. Vielleicht bezieht sich der Lausbub aber auf meine Hobbys, in denen das Kind in mir noch durchdrückt. In der Freizeit fliege ich nämlich mit Modellhelikoptern und spiele Eishockey.

Das ist schon speziell für einen Ländlermusiker: Nicolas Senn sagte beim Dreh ‹Endlich hat mal ein Gast interessante Hobbys, die meisten geben Wandern und Velofahren an.› Es ist mir wichtig, einen Ausgleich zu meinem musiklastigen Leben zu haben. Und dafür ist das Eishockeyspiel bestens geeignet. Ich bin zwar eher ein feiner Typ, doch auf dem Eis werde ich ein bisschen verrückt. Während der Vorbereitungen auf die Sendung habe ich aber längere Zeit auf ­Eishockey verzichtet – aus Sicherheitsgründen.

Erstellt: 13.02.2016, 08:54 Uhr

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