Konservatorium

Musizieren im Schulterschluss

Unter dem Titel «Den Haag meets Switzerland» lud das Konservatorium Winterthur zum Konzert in den Stadthaussaal. Zu erleben war ein musikalisches Fest der Begegnung.

Die jungen Talente des Konservatoriums in Den Haag: Viel Erfolg mit Brahms in der Brahms-Stadt.

Die jungen Talente des Konservatoriums in Den Haag: Viel Erfolg mit Brahms in der Brahms-Stadt. Bild: PD

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«Magnifique» sei es gegangen, berichtete Mozart seinem Vater über die Aufführung einer seiner Sinfonien in Wien, bei der 40 Violinen, 10 Bratschen, 10 Kontrabässe, 8 Violoncelli, doppelte Bläser und 6 Fagotte mitgewirkt haben.

Die Vereinigung des «Atheneum Kamerorchest» des Königlichen Konservatoriums Den Haag und des Winterthurer Jugensinfonieorchesters (WJSO) erreichte nicht ganz diese Zahlen, Fagotte waren es drei, Kontrabässe zwei, aber auf der Bühne mussten die jungen Musikerinnen und Musiker zusammenrücken. Das galt zumal für «Hommage à Mozart» des Franzose Jacques Ibert, der 1956 zum 100. Geburtstag des Salzburgers ein spielerisch überbordendes und triumphales «Allegro giocoso» komponierte, es galt aber eben zuvor auch schon für Mozarts Sinfonie Nr. 35, die ihrerseits zu den festlichsten Werken der sinfonischen Literatur gehört.

Selbstsicher und spontan

Und ja, sie sei magnifique gegangen, hätte Mozart auch von der Aufführung der Sinfonie am vergangenen Freitag in Winterthur berichten können. Mit viel Elan und Selbstsicherheit setzte das Tutti im Unisono ein, und so war es von Beginn nicht die Orchesterschule, die man hörte, sondern präzises und befreites Musizieren, das bis hin zu den Presto-Läufen im Finalsatz zu geniessen war. Die Streicher aus einem Guss, schön austariert im Wechselspiel mit den klar präsenten Bläsern.

Der Geist Mozarts war wach, im Elan des ersten Satzes, in der bezaubernden Grazie des Andante, im Schwung des Menuetts und im Glanz der Hörner Trompeten des vierten Satzes. Das alles zeugte von einer intensiven Vorarbeit und war in der spontanen Wirkung auch der natürlichen Gestik und Ausstrahlung des Dirigenten Simon Wenger, dem Leiter des WJSO, zu verdanken. Schön, wie er das Orchester zu lebendigem Phrasieren und sensibler Dynamik inspirierte.

Brahms im kleinen Rahmen

Mit Mozarts Ouvertüre zu «Idomeneo» hatte die holländisch-schweizerisch gemischte Begegnung verheissungsvoll begonnen. Hatten im zweiten Teil die Winterthurer unter ihrem Leiter die Führung, so im ersten die Gäste aus Den Haag unter der Leitung ihres aktuellen Chefs Alexander De Blaeij. Für Mozart waren auch hier die Partner des befreundeten Konservatoriums zum Mittun eingeladen, für ihr Hauptwerk waren sie mehr oder weniger unter sich: Auf dem Programm stand das Doppelkonzert für Violine und Violoncello von Johannes Brahms, und so spektakulär die grosse Mozart-Besetzung zuvor war, so auffällig die kleine Streicherschar jetzt für Brahms, eine agile Elite für das anspruchsvolle Werk.

Mit den siebzehn beziehungsweise achtzehnjährigen beiden Solisten präsentierten sich in ihrer Mitte zwei junge Talente aus den Haag, die Geigerin Salomé Bonnema und der Cellist Reinier Wink. Mit könnerischen, interpretatorisch griffigen Aspekten zeigten sie, was hinter den Erfolgen steckt, die sie bereits verzeichnen können. Im Zusammenspiel mit dem Orchester und in der Konfrontation mit der komplexen kompositorischen Arbeit war aber da und dort auch die grosse Herausforderung zu spüren.

Umso eindrücklicher Gelingen und Engagement im Ganzen für diesen Brahms, der mit Vollbart und sperrig komplexem Gemüt wohl weniger das Idol des Konservatoriums sein dürfte als der sich jugendlich verausgabende Mozart, dem es an diesem Abend leicht fiel, die beiden Orchester vereint um sich zu scharen. Dazu passte die übermütige «Hommage à Mozart», deren letzter Teil als Zugabe auf Drängen des Publikums wiederholt werden musste und nun, witzig, auch noch die beiden Dirigenten im Schulterschluss auf dem Podium vereinte.

Erstellt: 21.10.2019, 12:15 Uhr

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