Winterthur

Nach dem Rechtsstreit winkt jetzt der Märchengarten

Fast vier Jahre war das Projekt für eine integrative Krippe hinter der Villa Sträuli beim Stadtgarten durch einen Rekurs blockiert. Jetzt hat der Bau begonnen - und die Kita-Betreiberin sammelt Geld für einen Märchengarten.

So hat es hinter der Villa Sträuli Jahrzehnte lang ausgesehen. Jetzt macht das alte Waschhäuschen mit der Angebauten Garage einem modernen Neubau mit Krippe und Atelier Platz.

So hat es hinter der Villa Sträuli Jahrzehnte lang ausgesehen. Jetzt macht das alte Waschhäuschen mit der Angebauten Garage einem modernen Neubau mit Krippe und Atelier Platz. Bild: Melanie Duchene

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Ein Grüppchen Menschen, mit Bauhelmen und Schaufeln, die mehr oder minder entspannt in die Kamera blicken: Das Bild, aufgenommen im Garten hinter der Villa Sträuli, sieht aus wie ein x-beliebiges Spatenstich-Foto. Nichts ist zu sehen von der Erleichterung, die dieses Projekt begleitet, das eigentlich schon 2015 hätte starten können, wegen eines Rekurses aber vier Jahre seiner Umsetzung harren musste (siehe Kasten).

Bauherren sind zwei benachbarte Stiftungen, die auch historisch miteinander verbunden sind: Die Buchmann-Kollbrunner-Stiftung, deren Zweck es ist, Menschen mit Beeinträchtigung zu unterstützen, und die Stiftung Sulzberg, die sich der Kulturförderung verschrieben hat.

Die Stiftungszwecke bilden sich eins zu eins in dem nun begonnenen Neubau ab, der gegen die Theaterstrasse hin eine Kinderkrippe und auf der Seite gegen den Kiesplatz der Villa einen neuen Atelierraum beherbergen wird.

Frühestmögliche Integration

Betreiberin der Kita wird die Brühlgut-Stiftung. Es ist für die Winterthurer Institution bereits dritte Kindertagesstätte mit einem integrativen Konzept, in dem also Kinder mit und ohne Beeinträchtigung in gemeinsamen Gruppen miteinander aufwachsen. Eine solche Kita führt die Brühlgut-Stiftung an ihrem Sitz am Brühlberg schon seit neun Jahren, seit vier Jahren hat sie einen zweiten Standort direkt beim Superblock, im hübschen Gründergebäude von Sulzer.

«Vielen Eltern von beeinträchtigten Kindern ist es wichtig, dass sie in der Mitteder Gesellschaft aufwachsen.»Andreas Paintner, 
Geschäftsführer der Brühlgut-Stiftung

Ursprünglich hätte die neue Kita an der Theaterstrasse jene am Brühlberg ersetzen sollen, denn die Stiftung wollte an ihrem Sitz Platz schaffen. Dieser Plan wurde durch die jahrelange Verzögerung hinfällig, mit dem Resultat, dass die Brühlgut-Stiftung jetzt drei integrative Kitas betreiben will. «Es besteht eine Nachfrage nach solchen Plätzen», sagt Geschäftsführer Andreas Paintner. Vielen Eltern beeinträchtigter Kinder sei es wichtig, dass diese in der Mitte der Gesellschaft aufwachsen können.

Im Durchschnitt hat in einer Kita-Gruppe der Brühlgut-Stiftung heute eines von fünf Kindern besondere Bedürfnisse. Je nach Tag und Gruppe könne das Verhältnis etwas variieren, sagt Paintner. Die Auslastung der Krippen sei gut, es resultiere ein kleiner Gewinn. Die Tagespauschale ist mit 115 Franken auf branchenüblichem Niveau.

Wichtiger als der wirtschaftliche Aspekt ist der Brühlgut-Stiftung, dass sie auch Kindern etwas anbieten kann. «In der Vergangenheit waren unsere Angebote ja mehr auf Erwachsene und in der Ausbildung auf junge Erwachsene ausgerichtet», sagt Paintner.

Wie aus einem Märchen

Am wieder aufgegriffenen Bauprojekt haben sich keine grösseren Änderungen ergeben. Umgesetzt wird der Wettbewerbssieger «Sprössling» des Winterthurer Architekturbüros Marazzi Reinhardt, ein kreuzförmiger Bungalow, von dem ein kleiner Teil zweigeschossig ausfallen wird.

Die Brühlgut-Stiftung stellt als Mieterin das Inventar und sie beteiligt sich am Ausbau des Gartens, für den es besondere Pläne gibt. Es soll ein Märchengarten entstehen, mit Spielgeräten, die in ihrer Erscheinung einem Märchen entsprungen sein könnten. Painter spricht von Drachen und Ritterburgen.

Dafür und für die Einrichtung muss die Brühlgut-Stiftung nun noch Geld beschaffen, vorwiegend bei Vergabestiftungen. Paintner ist zuversichtlich, die Mittel zu bekommen. Bis die Kinder die Kita und den Märchengarten in Beschlag nehmen können, dauert es aber noch eine Weile. Im August 2020, also nach den nächsten Sommerferien, soll die Eröffnung sein.

Der Streit um die Einordnung

Wie im Februar bekannt geworden war, hat das Bundesgericht den Rekurs gegen einen Neubau mit Kita und Atelier hinter der Villa Sträuli letztinstanzlich abgewiesen. Anwohner hatten sich rund dreieinhalb Jahre lang gegen das Projekt gewehrt.

Sie brachten vor allem denkmalpflegerische Bedenken ein, etwa dass durch den Neubau der Schutzvertrag für die Villa verletzt werde. Das Bundesgericht folgte den Vorinstanzen in der Einschätzung, dass sich der Neubau, der überwiegend einstöckig ausgeführt wird, den umliegenden Gebäuden unterordnet und damit weder die Villa noch das benachbarte Liegenschaftsensemble in seiner Erscheinung störe.

Erstellt: 19.07.2019, 16:28 Uhr

Der Streit um die Einordnung

Wie im Februar bekannt geworden war, hat das Bundesgericht den Rekurs gegen einen Neubau mit Kita und Atelier hinter der Villa Sträuli letztinstanzlich abgewiesen.

Anwohner hatten sich rund dreieinhalb Jahre lang gegen das Projekt gewehrt. Sie brachten vor allem denkmalpflegerische Bedenken ein, etwa dass durch den Neubau der Schutzvertrag für die Villa Sträuli verletzt werde.

Das Bundesgericht folgte den Vorinstanzen in der Einschätzung, dass sich der Neubau, der überwiegend einstöckig ausgeführt wird, den umliegenden Gebäuden unterordnet und damit weder die Sträuli noch das benachbarte Villenensemble in ihrer Erscheinung störe.

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