Porträt

«Nach der Sahara geht es nun durch die Sahara»

Celine Hauri hat die Sahara-Bar beim Kirchplatz aufgebaut und geführt. Nach fast sieben erfolgreichen Jahren ist im August Schluss damit. Die 40-Jährige mit dem bewegten Leben zieht es einmal mehr in die Ferne.

Nach 15 Jahren in der Gastronomie, fast sieben davon in der Sahara-Bar, beginnt für Celine Hauri das nächste Abenteuer.

Nach 15 Jahren in der Gastronomie, fast sieben davon in der Sahara-Bar, beginnt für Celine Hauri das nächste Abenteuer. Bild: Madeleine Schoder

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Auf die Welt kam Celine Hauri in Hongkong als Tochter eines Schweizer Hoteliers und einer Australierin. Aufgewachsen ist sie auf dem halben Globus, vor allem in Südostasien, es folgten etwa Stationen in Indonesien, Malaysia, Sri Lanka und immer wieder auch Australien. Ihre Welt waren Fünf-Sterne-Hotels und schnell wechselnde internationale Schulen. «Ich habe nichts anderes gekannt», sagt Hauri. Daher sei es für sie zur Normalität geworden. Das dieses Leben weit entfernt von der Realität war, merkte sie aber schon bald. «Mir war es immer wichtig, den Alltag der Menschen kennen zu lernen», sagt die 40-Jährige.

In die Schweiz kam sie als ­Teenager, nachdem sich die Eltern getrennt hatten. Ihre Mutter fühlte sich hier wohler als in der australischen Heimat. «Sie sagte immer, hier könne man ohne Probleme im Wald joggen», sagt Hauri und lacht. Die 15-Jährige konnte kein Wort Deutsch und besuchte weiterhin eine internationale Schule mit englischer Unterrichtssprache. Bald entdeckte sie aber ihre erste grosse Leidenschaft, das Schwimmen. Zwei Jahre später wurde sie ins Schweizer Nationalteam aufgenommen. «Endlich hatte ich Kontakte ausserhalb der Expat-Community.» Die nächsten drei Jahre trainierte sie elfmal pro Woche als Langstreckenschwimmerin. Auch als sie in England die Kunstgewerbeschule absolvierte – dort war sie aber auf sich alleine gestellt. «Das brauchte extreme Überwindung, irgendwann wurde es mir zu viel.» Sie beendete ihre Schwimmkarriere. Die Freude am Sport begleitet sie aber bis heute.

Sie kehrte nach Zürich zurück. «Ich habe wohl instinktiv nach einem Ort gesucht, an dem ich bleiben und der zur Heimat werden kann.» Sie arbeitete als Grafikerin, merkte aber schnell, dass sie nicht gern im Büro sitzt, und begann als Nebenjob in der Bar zu arbeiten. Nach zwei Jahren zog sie es wieder in die Ferne, sie umrundete fast die ganze Welt, segelte über den Atlantik, feierte am Wüstenfestival Burning Man – und kehrte wieder in die Schweiz und die Zürcher Safari-Bar zurück. Bald übernahm sie dort für die nächsten neun Jahre die Geschäftsleitung. Parallel dazu reifte die Idee heran, eine zweite Bar zu eröffnen. Durch ihren Partner und einen Winterthurer Barmitarbeiter fiel die Wahl schliesslich auf Winterthur. 2012 eröffnete Hauri am Kirchplatz die Sahara-Bar, als Teilinhaberin und Geschäftsführerin.

Der Start gelang, auch dank der guten Vernetzung der lokalen Teammitglieder, wie Hauri betont. Und: «Damals brauchte es frischen Wind in der lokalen Gastroszene.» Die letzten sieben Jahre hat sie einiges erlebt. Fast ein Jahr lang glich die Bar etwa einer Baustelle. «Nach einem Wasserschaden mussten wir kurzzeitig auf Industriechic umstellen.» Oder vergangene Ostern, als fast das gesamte Garteninventar zerstört wurde, die Mosaiktische, die Stühle, die Sonnenschirme, alles kurz und klein geschlagen. Heute muss Hauri über den Vorfall lachen, damals dachte sie zuerst an einen Vandalenakt. Ein paar Stunden später rief das städtische Tiefbauamt an, zerknirscht gab dieses zu, dass einer seiner Last­wagenfahrer die Zerstörung ­verursacht habe. Die Kette, die die Gartenmöbel vor Dieben si­cherte, hatte sich unbemerkt im Fahrzeug verhängt und der Fahrer hatte das gesamte Inventar ein paar Meter mitgeschleift.

Mit Sorgen beobachtet die Barchefin auch die Aufwertung der Winterthurer Altstadt. An der Marktgasse seien die Mieten unbezahlbar geworden, durch die Renovation der Stefanini-Häuser falle billiger Wohnraum weg. «Ich habe dies im Niederdorf erlebt.» Das Resultat: Das Leben habe sich damals in die Langstrasse verschoben. «Das könnte in Winterthur auch geschehen.» Aufwertung sei das Gegenteil von Belebung, warnt Hauri.

Nun sei es Zeit für eine Auszeit. Hauri hat auf Ende August gekündigt und sucht zurzeit einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin, die als Geschäftsführerin und Teilinhaberin die Sahara-Bar übernimmt. Sie selber will sich ein paar persönliche Träume erfüllen. «Nach über 15 Jahren in der Gastronomie ist es Zeit für eine Veränderung.» Viel Sport, eine Ausbildung zur Silberschmiedin und ein Besuch bei ihrem Vater, der zurzeit in den Philippinen lebt, sind angedacht. Geplant ist erst der Anfang: Mit ihrem Partner will Hauri mit dem Auto von Winterthur nach Kapstadt fahren. «Nach der Sahara geht es nun also durch die Sahara.» Der genaue Beginn der Reise und der Zeitpunkt der Rückkehr sind noch ungewiss. Eines sei aber sicher: «Winterthur ist mein Hafen geworden», sagt sie. Der Ort, zu dem sie immer wieder zurückkommen werde. «Die Stadt und ihre Bewohner sind mir ans Herz gewachsen.» (Der Landbote)

Erstellt: 17.06.2018, 15:58 Uhr

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