Seuzach

Nach Hitzesommer heisse Nüsse

Diese Woche startete die Marroni-Saison für Susi Greenidge. Wegen ihrer Leidenschaft steht die Unterohringerin jedes Jahr am Oberen Graben in Winterthur.

In der zweiten Generation betreiben Susi und Steve Greenidge den Stand, der früher ihrem Vater (rechts im Bild) gehörte.

In der zweiten Generation betreiben Susi und Steve Greenidge den Stand, der früher ihrem Vater (rechts im Bild) gehörte. Bild: Marc Dahinden

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«Heissi Marroni, heissi Marroni», tönt es wieder vom Marktstand von Susi Greenidge-Müller. Seit 15 Jahren betreibt die Seuzacherin zusammen mit ihrem Mann Steve Greenidge den Marroni-Stand am Oberen Graben in Winterthur.

«Ich freue mich jedes Jahr auf die Marroni-Saison.» Ihr Vater hat den Stand vorher über 30 Jahre lang geführt. Der Standort sei in all den Jahren der gleiche geblieben.

Vom Bubentraum zur Realität

Ihr Vater sei schon als kleiner Junge begeistert von der edlen Nuss gewesen. «Er hat jeweils einer älteren Italienerin an ihrem Marroni-Stand geholfen», sagt Greenidge. Später habe er seinen Marroni-Traum verwirklicht.

 «Die Marroni sind wirklich meine Leidenschaft»

Neben dem Marroni-Stand betreibt die Familie auch einen Stand mit Magenbrot und Mandeln. «Die Marroni sind aber wirklich meine Leidenschaft», sagt die Standinhaberin. Das liege vor allem daran, dass es sich um etwas Gesundes handle. Während sie von den Süssigkeiten schnell die Nase voll hat, kann sie von den Marroni nie genug kriegen. «Wenn ich am Stand bin, esse ich jeden Tag Marroni.»

Dazu brauche sie immer etwas zu trinken. «Ich staune, dass manche meiner Kunden 200 Gramm der Nüsse ganz ohne Flüssigkeit vertilgen können. Ich würde ersticken», scherzt sie.

Sackgeld aufbessern

Susi Greenidge ist neben dem Marroni-Ofen gross geworden. «In meiner Jugendzeit habe ich dadurch mein Sackgeld aufgebessert», erinnert sie sich. Auch später habe sie stets am Stand der Eltern geholfen. «Er ist mir ans Herz gewachsen.»

So verkauft sie die heissen Marroni heute selbst zusammen mit ihrem Mann. Seit Mittwoch sind sie wieder in der Altstadt anzutreffen. Die Marroni-Saison startet aber schon mitte September mit der Ernte und endet im März.

Der Rolls Royce aus Italien

Die Edelkastanie kommt vor allem in den südlichen Ländern Europas vor. Bei uns kennen wir lediglich die Rosskastanie. Diese sind aber nicht zum Essen geeignet, sie verursachen Bauchschmerzen. «Warum sie Rosskastanien heissen, ist mir bis heute ein Rätsel. Nicht einmal die Pferde essen sie», sagt Susi Greendige.

Ihre Edelkastanien bezieht die Familie Greenidge jeweils aus Italien und Portugal. «Der Rolls Royce unter den Kastanien kommt aus Italien.» Je nach Ernteertrag seien dann mehr oder weniger der ganz feinen Sorte zu haben. «Dieses Jahr erhalten wir 80 Prozent der Nüsse aus Italien.»

«Es ist wirklich schön, so viele Stammkunden zu haben»

Bevor diese allerdings in der Schweiz ankommen, müssen sie einige Kriterien erfüllen. Zuerst werden sie vom Boden aufgesammelt und nach Grössen sortiert. «Wenn ich die Marroni bestelle, dann sage ich auch, welche Grösse ich gerne hätte.»

Sonst seien durch das Rösten manche der Nüsse verbrannt, während andere noch überhaupt nicht durch sind. Nach dem Sortieren werden die Edelkastanien in ein Wasserbad gegeben. Die Guten sinken sofort ab, die Wurmstichigen schwimmen oben auf.

Das Geheimnis des Schälens

Der letzte Schritt vor dem Export ist für den Kunden wohl der Wichtigste. Denn hier entscheidet sich, ob man die Marroni später gut schälen kann. Nach dem Wasserbad sollten die Kastanien nämlich lange genug trocknen. Unter der harten Schale verbirgt sich noch ein feines Häutchen, das gerne an den Nüssen kleben bleibt.

«Das Häutchen zu essen, wäre halb so schlimm. Es sind doch bloss Ballaststoffe», sagt Susi Greenidge. Ausserdem seien die Edelkastanien kein Fast-Food, man müsse sich Zeit nehmen. «Es gehört eben alles dazu: Schmecken, Schälen, Essen.»

Von klein bis gross

Während der vielen Jahre, in denen sie ihren Stand betreibt, sieht sie manches Gesicht immer wieder. «Es ist wirklich schön, so viele Stammkunden zu haben», sagt Greenidge. Besonders die Erlebnisse mit Kindern seien unbezahlbar. «Manchmal rufen sie einem schon von Weitem zu.»

Man könne ihnen beim Grosswerden zusehen. Irgendwann komme dann die Phase, wo die Greenidges nicht mehr gegrüsst werden. «Dann sind sie plötzlich erwachsen und stehen wieder am Stand, um zu plaudern.» Vor allem diese Begegnungen treiben Susi Greenidge immer wieder an den Marroni-Stand.

Wenn viele traurig sind, dass die Tage wieder kürzer werden, hört sie an einem Arbeitstag mehr mals: «Der Herbst hat doch etwas Gutes. Wenigstens gibt es wieder Marroni.»

Erstellt: 04.10.2018, 11:40 Uhr

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