Winterthur

Nach wüstem Streit gründen Unterlegene neue Moschee

Drei Winterthurer Muslime mit albanischen Wurzeln haben in der Grüze einen neuen Moscheeverein ins Leben gerufen. Die Mitglieder beteten zuvor in der Moschee an der Kronaustrasse, spalteten sich aber nach einem Zwist ab.

Der umstrittene Präsident des Islamisch-Albanischen Vereins an der Kronaustrasse trat Ende 2016 Zurück.

Der umstrittene Präsident des Islamisch-Albanischen Vereins an der Kronaustrasse trat Ende 2016 Zurück. Bild: Marc Dahinden

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Muslime mit albanischem Hintergrund hatten bisher zwei Vereine zur Auswahl, die in der Stadt mit einem entsprechenden kulturellen und religiösen Angebot aufwarten: Eine Moschee in Töss und eine zweite an der Kronaustrasse in der Grüze, die aufgrund ihres drei Meter hohen Minaretts schweizweit bekannt wurde.

Seit kurzem gibt es mit dem neu gegründeten Moscheeverein Saber eine dritte Option an der Ohrbühlstrasse – also ebenfalls in der Grüze, kaum zwei Kilometer von der Minarett-Moschee entfernt.

Polizeieinsätze wegen Streit

Saber-Präsident Fisnik Dauti verkehrte im letzten Jahr noch im Islamisch-Albanischen Verein an der Kronaustrasse. Dort kam es im Frühjahr 2016 zu einem internen Streit, der mehrmals in so heftigen Handgreiflichkeiten endete, dass die Polizei einschreiten musste. Beide Seiten betonten, dass es dabei nicht um die theologische Ausrichtung ginge.

Dauti gehörte zu den Unterstützern des umstrittenen Präsidenten, der nach einem längeren Rechtsstreit Ende Jahr zurücktrat. Die Eröffnung der Saber-Moschee an der Ohrbühlstrasse ist als Abspaltung der im Machtkampf unterlegenen Gruppe zu verstehen.

«Es ist unschön, dass sich die Gemeinde aufgesplittet hat, aber immer noch besser, als wenn der Streit weiter eskaliert wäre.»Abduselam Halilovic, VIOZ-Sprecher

Den Streit in der Moschee an der Kronaustrasse hat auch der Dachverband der islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) nahe mitverfolgt. «Wir waren mehrmals mit dem Brückenbauer der Kantonspolizei vor Ort, um zu vermitteln», sagt VIOZ-Sprecher Abduselam Halilovic.

Über die Abspaltung sei man nicht informiert worden, die neu gegründete Saber-Moschee habe sich bisher auch nicht um eine VIOZ-Mitgliedschaft bemüht. «Es ist unschön, dass sich die Gemeinde aufgesplittet hat, aber immer noch besser, als wenn der Streit weiter eskaliert wäre.»

Bemüht um Integration

Gegründet wurde Saber bereits Ende letzten Jahres, als Vereinslokal haben die Mitglieder in diesem Frühling ein Industriegebäude bezogen und zu einer Moschee umgebaut. Das Fest zum Ende des Fastenmonats Ramadan konnte bereits am neuen Ort gefeiert werden und war laut Dauti gut besucht. «Wir sind nicht nur eine Moschee, sondern auch ein albanischer Kulturverein», sagt Dauti. Engagieren wolle man sich als solcher auch bei der Integration von Jugendlichen und Frauen.

«Wir sind nicht nur eine Moschee, sondern auch ein albanischer Kulturverein.»Fisnik Dauti, Saber-Präsident

Auch bei der etablierten Moschee an der Kronaustrasse betont man die Integrationsbemühungen. Nach dem wüsten Streit im Frühjahr 2016 wollen sich nun offenbar beide Seiten in ein besseres Licht rücken.

(Der Landbote)

Erstellt: 01.10.2017, 14:08 Uhr

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