Winterthur

Nachwuchssorgen am Beckenrand

Fehlende Bademeister sind schweizweit ein Thema. Winterthur ist in dieser Saison aber fast nicht betroffen, einzig das Freibad Geiselweid ist derzeit unterbesetzt. Die gute Abdeckung hat ihre Gründe.

Die Badi Töss ist vom Bademeistermangel nicht betroffen. Vincenzo Bocchetto und Marcel Briegel teilen sich die Arbeit mit einem dritten Bademeister

Die Badi Töss ist vom Bademeistermangel nicht betroffen. Vincenzo Bocchetto und Marcel Briegel teilen sich die Arbeit mit einem dritten Bademeister Bild: Nathalie Guinand

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Zwar gibt es keine Statistiken dazu, wie viele Bademeister schweizweit fehlen, doch laut dem Schweizerischen Badmeisterverband konnten auch in diesem Sommer viele Stellen nur mit viel Mühe besetzt werden. «Bademeister ist kein Traumberuf», sagt Verbandspräsident Michel Kunz. Der Lohn entspreche etwa dem eines Handwerkers. Und Saisonstellen, die keine Beschäftigung übers ganze Jahr bieten, seien schwer zu vergeben.

Glaubt man Kunz, kommt die grosse Flaute beim Bademeisternachwuchs aber erst noch. «In den kommenden Jahren erreichen schweizweit viele Bademeister das Pensionsalter.» Viele dieser älteren Bademeister seien seit Jahrzehnten auf ihrem Beruf tätig. Es werde schwierig werden, für sie Ersatz zu finden.

Man hilft sich aus

Anzeichen, dass die Bademeistersuche schwieriger wird, gab es zuletzt auch in der Region Winterthur. So etwa in Rickenbach, wo im letzten Jahr an einigen Tagen der Gemeindepräsident persönlich als Bademeister einspringen musste. In dieser Saison konnten nun alle Stellen in Rickenbach besetzt werden. Ausserdem kann die Badi im Notfall auf die Hilfe von sechs umliegenden Gemeinden zählen. «Wenn uns das Personal nicht reicht, können wir auf diese Stellvertreter zurückgreifen», sagt der Rickenbacher Bademeister Michael Weiss.

«Saisonstellen sind grundsätzlich immer schwieriger zu besetzen.»Urs Bösch, Betriebsleiter Badi Wülflingen

In der Stadt Winterthur ist die Lage bisher noch eher ruhig. Die Badi Wülflingen etwa hat genügend Personal gefunden. Und doch konstatiert Betriebsleiter Urs Bösch: «Saisonstellen sind grundsätzlich immer schwieriger zu besetzen.» Dadurch, dass die Badi aber schon im Herbst mit der Personalsuche begonnen habe, konnte man die zwei Saisonstellen schon früh besetzen.

Ähnlich wie die Badi in Rickenbach arbeitet auch das Schwimmbad Töss mit Badewachen auf Abruf – neben den drei Bademeistern dieser Saison. Der Personaleinsatz richtet sich nach Wetter und Gästezahlen. Und diese Lösung entpuppt sich als ausgesprochen dauerhaft. «Wir sind seit mehreren Jahren gleich besetzt und hatten somit nie ein Problem mit fehlenden Bademeistern», sagt Jürg Metzger, der Präsident der Schwimmbadgenossenschaft Töss.

Im Sommer Bademeister - im Winter Eismeister

Die günstige Personalsituation in Winterthur hat auch mit der Grösse der Anlagen zu tun, auf denen sich mehrere Personen die Arbeit teilen, wie Thomas Krebser, Bademeister in Töss, durchblicken lässt. Der 58-Jährige arbeitet im Schichtbetrieb von 7 Uhr bis 14 Uhr oder von 14 Uhr bis 21 Uhr. «Ich habe in einer anderen Badi schon 13-Stunden-Tage erlebt, das ist dann sehr hart.» Zum Beruf sei er einst durch eine Notlage gekommen. Als er seinen langjährigen Job verlor, suchte er nach einer Alternative. Nun arbeitet er von April bis September in der Badi Töss. Im Winter geht er meist auf Reisen. «In meinem Alter ist es schwierig, eine zweite Saisonstelle zu finden.»

«Saisonjobs für den Winter sind nicht reichlich vorhanden», bestätigt auch Andreas Artho, der Präsident der Schwimmbad-Genossenschaft Oberwinterthur. Trotzdem: Die drei Bademeister und Bademeisterinnen der Badi Oberi sind seit zwei, sieben und acht Jahren angestellt. Im Winter arbeiten sie in der Winterthurer Eishalle und bei Bergbahnen.

Damit bekommt derzeit einzig das Freibad Geiselweid den Bademeistermangel konkret zu spüren. Hier sind in diesem Sommer sechs von sieben Stellen besetzt. Aufgrund der Erkrankung einer Mitarbeiterin musste die Badi eine Saisonstelle ausschreiben. «Die Bewerbungen konnten unsere Anforderungen allesamt nicht erfüllen», sagt Betriebsleiter Philipp Buchelt. Auch im Geiselweid sind die Arbeitbedingungen insgesamt günstig. Die Bademeister hier auch im Winter, vor allem im Hallenbad.

Erstellt: 23.07.2019, 17:48 Uhr

Massnahmen

Neue Berufslehre geplant

Wie der Verband Hallen- und Freibäder (VHF) und die Interessengemeinschaft für die Berufsausbildung von Fachleuten in Bade- und Eissportanlagen (Igba) in einer gemeinsamen Stellungnahme festhalten, wird es auch in Zukunft keine spezifische Berufslehre zum Badmeister geben. Geplant sei vielmehr eine Berufslehre zur Fachfrau oder zum Fachmann Betriebsunterhalt EFZ mit dem Schwerpunkt Sportanlagen. Dies als Ergänzung zu den bisherigen Berufslehren des Schweizerischen Fachverbands Betriebsunterhalt (SFB) mit den Schwerpunkten Werkdienst und Hausdienst. Der neue Schwerpunkt soll die Bereiche Bäder, Eis, Rasensport und Hallensport enthalten. Über diese Lehre und in Kombination mit den nötigen Brevets könnten Interessenten zum Beruf des Badmeisters kommen, schreiben die beiden Institutionen. Die neue Berufslehre soll in vier bis sechs Jahren eingeführt werden. Initianten sind der VHF, die Gesellschaft Schweizerischer Kunsteisbahnen und die igba. Sie haben die Grundlagen für einen entsprechenden Bildungsfonds erarbeitet.
Derzeit können Interessenten die höhere Berufsbildung „Fachmann/Fachfrau Badeanlagen mit eidgenössischem Fachausweis FA“. Kurse, die zur Berufsprüfung führen, werden seit 2018 vom Bund bis zu 50 Prozent subventioniert. Für die Bäderbranche führt die ODA igba den Kurs durch. (kel)

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