Interview

«Natürlich war das eine Sternschnuppe – einfach eine sehr helle.»

In der ganzen Schweiz und im Südwesten Deutschlands wurde in der Dienstagnacht eine helle Feuerkugel gesichtet, die zudem bunt leuchtete. Bei den Experten gingen über tausend Meldungen ein.

Aufnahme aus Schwarzenberg (DE) im Erzgebirge. Video: Fachgruppe Meteorastronomie.


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Bei Markus Griesser, dem Leiter der Sternwarte Eschenberg in Winterthur lief am Dienstagabend das Telefon heiss. Kurz vor 18 Uhr erreichte ihn die erste Anruferin, die aufgeregt über ein besonders helles Lichtobjekt am Abendhimmel berichtete, das mehrere Sekunden lang zu sehen war. Mehrere Anrufe und E-Mails folgten. Bei den Kollegen von der Fachgruppe Meteorastronomie der Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft gingen sogar über 1200 Meldungen ein.

Aufnahme aus Mochau (DE). Video: Fachgruppe Meteorastronomie

Herr Griesser, was haben die Menschen da gesehen?
Markus Griesser: Die erste Anruferin sagte zu mir: Das war bestimmt keine Sternschnuppe; ich weiss wie eine Sternschnuppe aussieht. Selbstverständlich war es trotzdem eine. Einfach eine besonders helle. In der Fachsprache bezeichnet man eine so helle Erscheinung als «Boliden» oder auf deutsch auch «Feuerkugel».

Also ein Meteorit?
Nein, ein Meteor. Die Medien bringen die Begriffe leider gerne durcheinander. Von einem Meteoriten spricht man dann, wenn der Körper auf die Erde einschlägt. Dafür gibt es derzeit keine Hinweise.

Beobachtungen der Feuerkugel gibt es von Köln bis nach Genf. Weiss man schon genaueres zu ihrer Flugbahn?
Aus hunderten von Sichtungen kristallisiert sich heraus, dass der Meteor über Würzburg zu leuchten begann und etwa auf Höhe der Kreisstadt Cochem in Rheinland Pfalz verlöschte. Genaueres wird man in den nächsten Tagen sagen können, wenn die Bilder der All-Sky-Kameras ausgewertet sind, welche die ganze Nacht den Himmel filmen.

Wenn das hunderte Kilometer entfernt passierte, warum wurde die Feuerkugel denn auch in der Schweiz so oft gesichtet?
Der Meteor bewegte sich ja in grosser Höhe, etwa 70 Kilometer über dem Erdboden. Eine Frau rief mich aus Murten an. Sie war überzeugt, er sei in den Murtensee gestürzt...

«Die Sternschnuppe war vielleicht einige Zentimeter gross»Markus Griesser, Leiter Sternwarte Eschenberg

Was wäre passiert, wenn die Feuerkugel die Erde doch getroffen hätte?
Vermutlich wäre niemand verletzt worden. Normalerweise sind Sternschnuppen bloss wenige Millimeter gross. Diese war vielleicht einige Zentimeter gross. Was wir sehen, ist ja nicht der Körper selbst, sondern die ionisierte Luft um ihn herum. Sie entlädt sich und leuchtet dabei. Bei dieser Feuerkugel beschreiben viele Augenzeugen ein farbiges Funkeln, besonders Grün wird oft genannt.

Was weiss man sonst noch über diese Riesensternschnuppe?
Bis am 17. Dezember erreichen die Meteorströme der Leoniden ihren Höhepunkt, dann sieht man bis zu 15 Sternschnuppen pro Stunde. Ich bin mir recht sicher, dass das kein Leonide war. Dazu war er zu hell und auch die Position am Nachthimmel passt nicht.

(landbote.ch)

Erstellt: 15.11.2017, 14:56 Uhr

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