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Navigationshilfe im Schreibverkehr

Briefe vom Sozialamt oder vom Anwalt sind für juristisch Ungeschulte oft schwer verständlich. Der Quartierverein Töss-Dorf organisiert deshalb jeden Samstag die «Schreibhilfe» - für diese und für andere Probleme.

Die Schreibhilfe Töss hilft bei bürokratischen Problemen.
Die Schreibhilfe Töss hilft bei bürokratischen Problemen.
Andreas Wolfensberger (Symbolbild)

Alejandra (Name geändert) kam vor 16 Jahren aus Marokko in die Schweiz und nach Töss. «Ich bin meinem Bruder und meinem Cousin nachgereist», erzählt die 47-Jährige. Die letzten Jahre prägte eine Mutterschaft. Ihr Kind sei nun vier Jahre alt, und deshalb wolle sie wieder beruflich tätig sein – am liebsten «als Verkäuferin oder Dolmetscherin», sagt Alejandra. Sie spricht in gebrochenem Deutsch – Arabisch und Französisch sind ihre ersten Sprachen.

Zuerst einmal aber müsse sie einen schönen Lebenslauf machen. Und um die erste Version davon auszudrucken, ist sie an diesem Samstag in die Schreibhilfe in der Bibliothek Töss gekommen. «Er ist noch nicht fertig», sagt sie mit einem Blick auf das Dokument in ihrer Hand. Sie wolle dann noch Dinge ergänzen.

«Jede einzelne Person, der wir helfen können, zählt.»

Rosemarie Peter, Initiatorin «Schreibhilfe»

Alejandra ist die einzige Besucherin in der Schreibhilfe an diesem Morgen. Das ist nicht ungewöhnlich, sagt Rosmarie Peter, die Initiatorin des Angebots. «Aber jede einzelne Person, der wir helfen können, zählt.»

Seit Juni 2015 gibt es die Schreibhilfe nun. Jeweils am Samstag von 10 bis 12 ist ein Mitglied des Quartiervereins in der Bibliothek Töss zugegen, um beim Schriftverkehr zu helfen. Das Tätigkeitsfeld ist breit: Manchmal geht es darum Juristendeutsch zu entschlüsseln und zu replizieren, manchmal darum, ein Inserat aufzusetzen oder eben eine Bewerbung zu schreiben.

«Ein bisschen ein Spezialfall»

Rosmarie Peter ist Juristin und arbeitet unter der Woche für den Bezirksrat Bülach. In der Schreibhilfe komme ihr das zugute, sagt sie. Allerdings müsse sie sich deshalb auch immer wieder abgrenzen. «Wir sind nicht als Juristen oder Sozialarbeiter hier.»

«Für unseren Stammkunden sind wir wie ein verlängerter Arm der Sozialhilfe»

Peter Schaufelberger,Freiwilliger in der Schreibhilfe

Auch ihr Kollege Peter Schaufelberger hat schon einschlägige Erfahrungen gemacht. Vor allem mit einem Mann aus dem Baltikum sei das nicht zu vermeiden. «Er ist unser Stammkunde und ein bisschen ein Spezialfall», sagt Schaufelberger mit einem Lachen. «Für ihn sind wir wie ein verlängerter Arm der Sozialhilfe.» So sei es in der Beratung etwa auch schon darum gegangen, dem Mann zu erklären, «was er alles liefern muss, damit ihm die Sozialhilfe den Hahn nicht zudreht». An diesem Morgen kommt der Mann nicht. Angeblich ist er in Russland in den Ferien.

Vertrauenssache

Die Bibliothek sei in den letzten Jahren von einem Bücherverleih zu einem Begegnungsort geworden, sagt Bibliotheksleiterin Barbara von Matt. Das bringe den Vorteil mit sich, dass man sich weniger exponieren müsse. Oft kämen die Leute rein und schauten sich einfach mal um, um dann diskret zur Schreibhilfe weiterzugehen.

Was in der Schreibhilfe besprochen wird, ist in der Regel nicht für weitere Ohren bestimmt. Diskretion ist wichtig. Trotz der teils sensiblen Themen, mit denen die Leute an sie und ihre Kollegen herantreten würden, sei die Hemmschwelle aber oft erstaunlich niedrig, sagt Peter. «Die Leute, die kommen, sind froh um unsere Hilfe. Ihre Ängste treten hier in den Hintergrund.»

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