Illnau-Effretikon

Neue Versickerungsanlage wirft Fragen auf

Die Stadt Illnau-Effretikon muss eine neue Versickerungsanlage bauen. Dies geschieht im schwierigen Umfeld des geplanten Kieswerks Tagelswangen.

Ein Tümpel auf der Baustelle der neuen Versickerungsanlage im Gebiet Schoren hat einen Baustopp bewirkt. Experten hatten in dieser Tiefe kein Wasser erwartet.

Ein Tümpel auf der Baustelle der neuen Versickerungsanlage im Gebiet Schoren hat einen Baustopp bewirkt. Experten hatten in dieser Tiefe kein Wasser erwartet. Bild: Madeleine Schoder

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Im südlich von Effretikon gelegenen Gewerbegebiet Vogelsang sammelt sich bei Regen viel Wasser auf Fabrikdächern und auf geteerten Flächen. Für dieses Regenwasser ist eine neue Versickerungsanlage nötig geworden.

Das bisherige Entwässerungssystem stammt aus dem Jahr 1972. Vom Gewerbegebiet Vogelsang führt seither eine Rohrleitung in Richtung Nordwesten. Sie reicht über die A1, die 1972 noch im Bau war. Jenseits der Autobahn endet sie in einem kleinen, an den Rändern begrünten Teich.

Dieser funktionierte als Versickerungsanlage, bis ins Jahr 2000. «Seither ist sie mit Sedimenten verstopft», sagt Eril Schmausser (GLP), Vorstand des Tiefbauamts der Stadt Illnau-Effretikon. Als Behelfslösung wird das Wasser in die nahegelegene Strassenentwässerung der A1 geleitet.

Ende Provisorium

Die Kantonale Baudirektion, genauer das Amt für Wasser, Energie und Luft (Awel), duldet die zweckfremde Nutzung der Strassenentwässerung nur vorübergehend. Deshalb begann die Stadt Illnau-Effretikon 2004 mit der Planung einer neuen Versickerungsanlage im Gebiet Schoren.

Sie sollte der alten Anlage gegenüber auf der südlichen Seite der A1 entstehen. Die Versickerungsschicht beidseits der Autobahn besteht aus Kies. Es ist jene Kiesschicht, die in drei, vier Jahren abgebaut werden soll (Der Landbote, 26. April 2018).

«Mit dem Wasser in drei Metern Tiefe hat die Stadt nicht gerechnet.»

Die geplante grosse Kiesgrube bei Tagelswangen ist jedoch umstritten. Die «Interessengruppe Kiesgrube-Nein» bekämpft das Projekt. Die Gruppe hatte zunächst einen anderen Verdacht, weshalb das Wasser im Teich nicht mehr abläuft. Der Versickerungsanlage befinde sich auf dem Gelände, wo in den 1970er Jahren bereits eine kleinere Kiesgrube in Betrieb war.

Sie lieferte Material für den Bau der Autobahn und wurde ab 1974 wieder zugeschüttet. Ein genauer Blick auf das Geografische Informationssystem des Kantons Zürich (GIS) zeigt jedoch, dass die alte Versickerungsanlage knapp neben dem aufgefüllten Gelände liegt. Die Aufschüttung behindert die Versickerungsanlage also nicht direkt, ist aber aus anderen Gründen problematisch.

Bau eingestellt

Zunächst auf keinerlei Probleme stiess die Stadt Illnau-Effretikon bei ihren geologischen Gutachten für die neue Versickerungsanlage Schoren im Jahr 2014. Eine Bohrung stiess in dreissig Metern Tiefe auf Grundwasser, das sich dafür eignete, Regenwasser aufzunehmen.

Im Mai 2018 begann die Stadt mit dem Bau der Anlage. Der Plan dafür sieht zwei Becken vor: ein Vorklärbecken und das eigentliche Versickerungsbecken, in dem Pflanzen und Sand das Wasser reinigen. Von dort wird das Wasser in mehrere so genannte Schluckbrunnen geleitet.

Beim Graben der Becken kam es jedoch zu einer unerfreulichen Überraschung: Bereits in drei Metern Tiefe förderten die Bagger Wasser zu Tage. Statt eines Sickerbeckens bildete sich auf der Baustelle ein Tümpel. Ein Bauer in der Umgebung nutzte ihn im trockenen Sommer 2018, um Wasser für seine Pflanzungen zu holen, in Absprache mit der Stadt. Im Spätherbst erfolgte ein vorläufiger Baustopp.

Mehrkosten kalkulieren

Am 7. März 2019 wurde die Angelegenheit nach einer dringlichen Interpellation im Gemeinderat der Stadt Illnau-Effretikon debattiert. Die Stadt, so die Interpellanten von der SVP, hätte wissen müssen, dass in dem Gebiet Schoren das Wasser hoch stehe.

«Ganze Waschmaschinen landeten im Grundwassersee der Kiesgrube.»
IG-Vertreter Interessengruppe Kiesgrube-Nein

Schmausser widerspricht. «Mit dem Wasser in drei Metern Tiefe hat die Stadt nicht gerechnet», sagt er dem «Landboten». Es handle sich dabei gar nicht um Grundwasser, sondern um Wasser, dass in einer Zwischenschicht abgelagert sei.

Bei den Bohrungen wurde das Wasser nicht entdeckt. Da die Geologen in so geringer Tiefe kein Grundwasser erwarteten, war laut Schmausser das Borgestänge in dieser Höhe dicht und zeigt keine Wasser an. Der Tiefbauvorsteher rechnet damit, dass sich das Schichtwasser sammeln lässt und die Versickerungsanlage mit entsprechenden Anpassungen gebaut werden kann.

Dem Gemeinderat teilte er mit, dass die bisher aufgelaufenen Baukosten von 1,5 Millionen Franken im Rahmen des Projektkredites von 3,6 Millionen Franken liegen. Mehrkosten würden derzeit kalkuliert. Danach erfolge ein Kreditantrag an den Stadtrat.

Suppe im Boden

Die Interessengruppe gegen die Kiesgrube wiederum beharrt darauf, dass die Ablagerungen in der alten Kiesgrube aus den 1970er Jahren doch noch zum Problem werden könnten, auch wenn sie die Versickerungsgruben von Illnau-Effretikon nicht beeinträchtigen. Die Grube ist mit Aushubmaterial und Bauschutt gefüllt.

Aber eben nicht nur. Im Jahr 1974 führte die Kempt Hochwasser. Dabei wurden die Lager der Firma Maggi überschwemmt. Unter anderem wurden die Bestände an Suppenpulver nass. Der Suppenmatsch wanderte dann in die ehemalige Kiesgrube.

Das Awel bestätigt das: «Die Angaben zu Maggi stammen von der Gemeindeverwaltung (Lindau) und sind in den Akten vermerkt», teilt Mediensprecher Wolfgang Bollack mit. Es handle sich dabei aber um chemisch nicht aktives Material. Die Interessengruppe lässt nicht locker: «Ganze Waschmaschinen landeten im Grundwassersee der Kiesgrube», sagt ein Vertreter der Gruppe.

Private hätten zudem illegal Haushaltsmüll direkt dort hinein gekippt. Das Wasserforschungsinstitut der ETH (EAWAG) habe festgehalten, das aus Batterien im Müll Schwermetalle ins Grundwasser auswaschen könnten. Was also wirklich in der alten Kiesgrube lagert und was für Auswirkungen das Material hat, weiss niemand genau.

Prüfung wird gemacht

Derzeit ist der kantonale Gestaltungsplan für die neue Kiesgrube in Arbeit. Nach Auskunft des Awels ist mit dessen öffentlicher Auflage im Laufe des Jahres 2019 zu rechnen. Mit dem Gestaltungsplan ist auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung verbunden.

Die Ablagerungen in der alten Kiesgrube sind im GIS bisher als «belastet, keine schädlichen oder lästigen Einwirkungen zu erwarten» verzeichnet. Laut Bollack wird der Grenzbereich zur alten Kiesgrube aber Teil der Umweltverträglichkeitsprüfung sein.

Erstellt: 05.04.2019, 12:29 Uhr

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